NachrichtenMakroFestsitzende Schiffe im Persischen Golf könnten globale marine Bioinvasion auslösen, warnen Wissenschaftler

Festsitzende Schiffe im Persischen Golf könnten globale marine Bioinvasion auslösen, warnen Wissenschaftler

Autor: Coinpaper·

Wichtige Erkenntnisse

  • Ein Team von 24 Meereswissenschaftlern unter Leitung des University of Maryland Center for Environmental Science veröffentlichte Forschungsergebnisse, die davor warnen, dass festsitzende Schiffe im Persischen Golf ein beispielloses marines Bioinvasionsereignis verursachen könnten.
  • Mehr als 1.500 Handelsschiffe sind nach der Schließung der Straße von Hormus in der Region vor Anker geblieben oder inaktiv gewesen, wodurch Bedingungen für schnelles Biofouling an ihren Rümpfen entstanden sind.
  • Die warmen und salzhaltigen Gewässer des Persischen Golfs begünstigen besonders die beschleunigte Ansammlung mariner Organismen wie Algen, Muscheln und Seepocken auf stillliegenden Schiffsrümpfen.
  • Invasive marine Arten können schwere ökologische und wirtschaftliche Schäden verursachen, indem sie einheimische Arten verdrängen, Fischereien stören und kostspielige Infrastrukturprobleme schaffen, die nach ihrer Etablierung nur äußerst schwer rückgängig zu machen sind.
  • Forscher empfehlen, internationale Biosicherheitsmaßnahmen zu stärken, darunter Protokolle zur Rumpfreinigung, eine verbesserte Hafenüberwachung, Prognosen zu Schiffsbewegungen und koordinierte Schnellreaktionspläne zwischen Hafenbehörden und Regulierungsstellen.
Festsitzende Schiffe im Persischen Golf könnten globale marine Bioinvasion auslösen, warnen Wissenschaftler

Wissenschaftler warnen vor Bioinvasion

Tausende im Persischen Golf festsitzende Handelsschiffe könnten eine beispiellose globale Bedrohung für die marine Biosicherheit darstellen, sobald sie internationale Schifffahrtsrouten wieder aufnehmen. Das geht aus neuen Forschungsergebnissen eines Teams von 24 Meereswissenschaftlern hervor.

Die Studie mit dem Titel Closure of the Strait of Hormuz May Trigger a Bioinvasion Super-Spreader Event warnt, dass längere Verzögerungen von Schiffen im Persischen und Arabischen Golf dazu führen könnten, dass sich große Gemeinschaften mariner Organismen an Schiffsrümpfen ansammeln. Die Forschung wurde vom University of Maryland Center for Environmental Science geleitet und umfasste Forscher der Woods Hole Oceanographic Institution. Veröffentlicht wurde sie in der Fachzeitschrift Biological Invasions.

Forscher schätzen, dass mehr als 1.500 Handelsschiffe nach der Schließung der Straße von Hormus über längere Zeiträume in der Region vor Anker lagen oder inaktiv geblieben sind. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass allein die große Zahl der betroffenen Schiffe und die Dauer der Störung ein „Superspreader“-Ereignis für invasive marine Arten auslösen könnten.

Festsitzende Schiffe schaffen ideale Bedingungen für Biofouling

Wenn Schiffe wochen- oder monatelang stillliegen, können sich Organismen wie Algen, Muscheln, Seepocken und andere marine Wirbellose an den Rümpfen festsetzen. Dieser als Biofouling bekannte Prozess gilt bereits als einer der wichtigsten Wege, über die sich invasive marine Arten zwischen Ländern ausbreiten. Das Ausmaß der derzeitigen Stilllegung von Schiffen macht die Lage jedoch besonders alarmierend. Die warmen, salzhaltigen Gewässer des Persischen Golfs begünstigen zusätzlich eine schnelle biologische Besiedlung und könnten damit das Tempo beschleunigen, in dem sich Organismen auf stillliegenden Rümpfen ansammeln.

Sobald die festsitzenden Handelsschiffe im Persischen Golf ihren normalen Betrieb wieder aufnehmen, könnten sie diese Organismen in Häfen und Küstenumgebungen weltweit transportieren.

Carolyn Tepolt, Biologin an der Woods Hole Oceanographic Institution und Mitwirkende an der Studie, stellte fest, dass invasive marine Arten schwerwiegende ökologische und wirtschaftliche Folgen haben können. Hat sich eine invasive Art erst einmal in einem Küstenökosystem etabliert, kann ihre Entfernung äußerst schwierig oder sogar unmöglich sein.

Invasive Organismen können einheimische Arten verdrängen, Fischereien schädigen, marine Lebensräume stören und kostspielige Wartungsprobleme für Häfen, Schiffe und Küsteninfrastruktur verursachen.

Wissenschaftler fordern strengere Biosicherheitsmaßnahmen

Die Forscher drängen auf stärkere internationale Maßnahmen, um die mit den verzögerten Schiffen verbundenen Risiken zu steuern. Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören eine verbesserte Rumpfreinigung und ein besseres Biofouling-Management, eine verstärkte Überwachung in Hochrisikohäfen sowie Prognosen darüber, wohin die Schiffe nach dem Verlassen des Golfs voraussichtlich fahren werden. Diese Empfehlungen erfolgen vor dem Hintergrund, dass die Internationale Seeschifffahrts-Organisation bereits freiwillige Biofouling-Leitlinien unterhält, deren Einhaltung in der globalen Schifffahrtsbranche jedoch variiert.

Hafenbehörden, Reedereien, Regulierungsstellen und Umweltbehörden müssen möglicherweise auch Schnellreaktionspläne koordinieren, um potenziell invasive Arten zu identifizieren und einzudämmen, bevor sie sich etablieren.

Die Schließung der Straße von Hormus hat daher Folgen, die weit über Ölversorgung, Schifffahrtskosten und die Weltwirtschaft hinausgehen. Während sich ein Großteil der Aufmerksamkeit auf Energiemärkte und unterbrochenen Handel richtet, könnte das längere Festliegen von Handelsschiffen auch dauerhafte Umweltschäden verursachen, indem invasive marine Arten an Küsten auf der ganzen Welt verbreitet werden.

Quelle: Coinpaper