Warum die Nvidia-Aktie trotz starker Quartalszahlen und positiver Prognose fällt
Wichtige Erkenntnisse
- •Nvidia meldete im zweiten Quartal einen Umsatz von 96 Milliarden US-Dollar und prognostizierte für das dritte Quartal 106 Milliarden US-Dollar – weit über den Analystenerwartungen.
- •Nach den Zahlen erhöhten mehrere Analysten ihre Kursziele; Raymond James hob seine Zielmarke von 352 auf 515 US-Dollar an.
- •Der Kursrückgang fiel mit hawkischen Äußerungen von Fed-Chef Kevin Warsh beim Jackson-Hole-Symposium zusammen, die den Verkauf riskanter Anlagen auslösten.
- •OpenAI behauptet, sein neuer Chip Jalapeno übertreffe Nvidias Blackwell in wichtigen Kennzahlen, was Sorgen über die künftige GPU-Nachfrage eines der größten Nvidia-Kunden nährt.
- •Microsoft, Google und Amazon entwickeln eigene Chips, da große Cloud- und KI-Firmen ihre Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten verringern wollen.

Kernpunkte
Die Nvidia-Aktie gab am Freitag deutlich nach, obwohl das Unternehmen starke Geschäftszahlen veröffentlichte.
Der Rückgang erfolgt vor dem Hintergrund von Sorgen über den Wettbewerb in der GPU-Branche.
Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse stiegen Nvidia-Aktien auf den höchsten Stand seit dem 2. Juni. Anschließend verlor der Kurs an Dynamik und fiel auf 217 US-Dollar, den niedrigsten Stand seit dem 21. August.
Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Gründe für den Kursverfall am Freitag trotz starker Quartalszahlen.
Nvidia veröffentlichte starke Geschäftszahlen und Prognosen
Nvidia legte starke Geschäftszahlen vor und gab einige der besten Forward-Guidance-Kennzahlen weltweit ab. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal auf 96 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Prognose, die das Unternehmen mit dem ersten Quartalsergebnis veröffentlicht hatte.
Besonders bemerkenswert: Nvidias Ausblick lag deutlich über den Erwartungen selbst der bullishsten Analysten. Das Unternehmen rechnet nun mit einem Umsatz von 106 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal. Zudem erwartet es für das kommende Jahr ein Umsatzwachstum von über 70 Prozent, während Analysten von 44 Prozent ausgegangen waren. Historisch ist Nvidia bei seinen Prognosen stets sehr konservativ, sodass die tatsächlichen Ergebnisse in der Regel über der Guidance lagen.\n
Infolgedessen erhöhten Analysten ihre Kursziele. Mark Lipacis von Evercore hob sein Ziel auf 465 US-Dollar an, während Simon Leopold von Raymond James seine Zielmarke von 352 auf 515 US-Dollar anhob. Die UBS erhöhte ihr Kursziel von 280 auf 300 US-Dollar, und Oppenheimer, Citigroup und Morgan Stanley hoben ihre Ziele jeweils auf 315 US-Dollar an.
Warum die NVDA-Aktie gefallen ist
Mehrere Faktoren erklären den Rückgang trotz der starken Ergebnisse. Erstens fiel der Kursrückgang mit einer hawkischen Erklärung von Fed-Chef Kevin Warsh beim Jackson-Hole-Symposium zusammen. Warsh erklärte, die Inflation sei weiterhin erhöht, und die Fed werde alles tun, um sie auf 2 Prozent zu senken. Daraufhin stießen US-Anleger riskante Anlagen wie Aktien und Kryptowährungen ab. Erhöhte Zinserwartungen belasten hochbewertete Wachstumsaktien tendenziell am stärksten, und Nvidia übt als eines der größten Unternehmen am Markt nach Marktkapitalisierung einen überproportionalen Einfluss auf die wichtigsten Indizes aus – weshalb die Aktie bei einem Stimmungswechsel häufig im Fokus steht.
Nvidia gab zudem nach, weil Anleger die Nachricht „verkauften". Es ist üblich, dass Anlagen vor einem bedeutenden Ereignis steigen und nach dessen Eintreten einen Teil der Gewinne wieder abgeben. In diesem Fall schnellte die Nvidia-Aktie auf 230 US-Dollar hinauf, nahe ihrem Allzeithoch, bevor sie nachgab. Dieses Muster ist für Nvidia vertraut: Die Aktie fiel auch nach früheren Quartalsberichten teilweise zurück, selbst wenn die Ergebnisse die Erwartungen übertrafen, da die Erwartungen an das Unternehmen während des KI-Investitionsbooms besonders hoch waren.
Am wichtigsten sind jedoch die Sorgen über den zunehmenden Wettbewerb in der Chipbranche. OpenAI hat einen eigenen Chip namens Jalapeno vorgestellt. In einer Erklärung diese Woche gab das Unternehmen an, sein Chip übertreffe Nvidias Blackwell in zentralen Kennzahlen. Das ist relevant, weil OpenAI einer der größten Abnehmer von Nvidia-GPUs ist; der Erfolg des eigenen Chips könnte daher bedeuten, dass OpenAI künftig weniger für Nvidias Produkte ausgeben muss. Das einzige Risiko für OpenAI besteht darin, dass Nvidia ein großer Investor ist. Zudem kündigte Nvidia kürzlich eine finanzielle Absicherung für ein großes Rechenzentrum in Ohio an, das mit Nvidia-GPUs betrieben wird.
Neben OpenAI entwickeln auch andere Unternehmen wie Microsoft, Google und Amazon eigene GPUs. Google kündigte kürzlich an, seine Vereinbarung mit Marvell auszubauen, um die Produktion seines TPU-Chips zu steigern. Diese Entwicklung spiegelt einen breiteren Branchenwandel wider: Die größten Cloud- und KI-Unternehmen, die gemeinsam pro Quartal zweistellige Milliardenbeträge für KI-Infrastruktur ausgeben, arbeiten daran, ihre Abhängigkeit von einem einzigen Chip-Lieferanten zu verringern und ihre Kosten durch eigens entwickelte Chips zu senken. Dennoch behält Nvidia Vorteile durch sein CUDA-Software-Ökosystem, seinen jährlichen Produktzyklus und enge Beziehungen zu genau den Kunden, die nun konkurrierende Chips entwickeln. Anleger werden darauf achten, ob Nvidias Datenzentrumswachstum und Bruttomargen stabil bleiben, wenn diese alternativen Chips skalieren.
Technische Analyse des Nvidia-Aktienkurses
Das Tageschart zeigt, dass sich die NVDA-Aktie vor dem Quartalsbericht in einem Abwärtstrend befand. Nach den Ergebnissen bildete der Kurs eine große Aufwärtslücke und erreichte ein Hoch von 230 US-Dollar; derzeit versucht er, diese Fair-Value-Lücke zu schließen.
Positiv ist, dass sich die Aktie über dem 100-Tage-Durchschnitt notiert – ein Zeichen, dass die Bullen weiterhin die Oberhand haben. Zugleich fiel der Kurs unter das Major-S/R-Pivot des Murrey-Math-Lines-Indikators.
Vor diesem Hintergrund dürfte die Aktie vor einer Fortsetzung ihres Aufwärtstrends hoch volatil bleiben. Möglicherweise fällt sie zunächst auf die ultimative Unterstützung und steigt anschließend wieder in Richtung des Allzeithochs von 236 US-Dollar und darüber hinaus.
Der Beitrag Hier ist der Grund, warum die Nvidia-Aktie trotz starker Quartalszahlen und Prognose fällt erschien zuerst auf The Market Periodical.