NEAR prüft Staatsfonds, um die Abhängigkeit von Token-Inflation zu verringern
Wichtige Erkenntnisse
- •Der vorgeschlagene Fonds soll mit rund 30 Millionen NEAR im Wert von etwa 53 Millionen Dollar zu aktuellen Marktpreisen starten.
- •Polosukhin betonte, dass der Vorschlag über NEARs House-of-Stake-Governance genehmigt werden muss und keine einseitige Entscheidung des Gründers ist.
- •Das Konzept orientiert sich an Staatsfonds in Norwegen und Singapur, die über Jahrzehnte und mehrere Marktzyklen hinweg Erträge erzielt haben.
- •Polosukhin argumentierte, dass ein ertragsgenerierender Fonds dem Token-Burning überlegen sei, da er das Kapital erhält und fortlaufende Finanzierung statt nur kurzfristiger Inflationsentlastung bietet.
- •Wenn die Erträge eines Tages alle Kosten für Netzwerksicherheit und Public Goods decken, könnte NEAR laut Polosukhin zu einem Bitcoin-ähnlichen festen Gesamtangebot übergehen.

Illia Polosukhin, Mitgründer von NEAR Protocol, einer Layer-1-Blockchain, die auf sharded scalability und developer accessibility ausgelegt ist, hat die Schaffung eines protokollweiten Staatsfonds vorgeschlagen, der NEAR-Token halten, Erträge erwirtschaften und einen Teil dieser Erträge für Netzwerksicherheit und andere Public Goods einsetzen würde. Er stellte den Vorschlag am Montag im NEAR governance forum vor und bat die Community über einen Zeitraum von zwei Wochen um Rückmeldungen.
Ein Vorschlag, kein Mandat
"This is very much a proposal and not a mandate," schrieb Polosukhin. "I believe our ecosystem belongs to all of us and is not truly resilient or decentralized if the founder is calling all the shots."
Er betonte, dass Validatoren und Token-Inhaber vor jeder Entscheidung über House of Stake, NEARs stake-gewichtetes Governance-System, Stellung nehmen sollten. Die Beteiligung der Delegierten würde über bereits vorhandene Mechanismen innerhalb des Governance-Rahmens erfolgen.
Kontext: NEARs sechstes Jahr auf Mainnet
NEAR bereitet sich darauf vor, in sein sechstes Jahr des Mainnet-Betriebs einzutreten. Polosukhin bezeichnete die ersten fünf Jahre als Bootstrapping-Phase. Zu den jüngsten Meilensteinen zählte er eine Halbierung der Inflation Ende 2025, einen Gebührenmechanismus, der Einnahmen aus NEAR Intents in Token-Rückkäufe umleitet, sowie die Einführung von Gebühren für AI-Inferenzdienste im Netzwerk.
Der Vorschlag fällt zudem in eine breitere Branchendebatte über nachhaltige Tokenomics. Das Ethereum-Upgrade EIP-1559 führte ein Fee-Burning ein, das ETH bei hoher Netzwerkauslastung deflationär machen kann, während andere Proof-of-Stake-Netzwerke weiterhin auf Token-Emissionen angewiesen sind, um Validatoren und Ökosystementwicklung zu finanzieren. NEARs Ansatz würde versuchen, das Treasury-Kapital zu erhalten und gleichzeitig Erträge für laufende Kosten zu nutzen.
Laut dem Forum-Beitrag würde der vorgeschlagene Fonds durch NEARs bestehende Protokoll-Treasury sowie die bislang und künftig erzielten Protokolleinnahmen kapitalisiert. Der Fonds würde Vermögenswerte in NEAR halten und produktiv einsetzen. Ein Teil der Einnahmen würde das Validator Support Program, MPC-(multi-party computation-)Provider und vergleichbare Dienste unterstützen. Der Fonds würde mit ungefähr 30 Millionen NEAR starten, was bei aktuellen Marktpreisen rund 53 Millionen Dollar entspricht.
Mit der Zeit könnte NEAR nach Polosukhin zufolge einen wachsenden Anteil der Token-Emissionen in den Fonds leiten und so die effektive Inflation senken, während Validatoren und Staker weiterhin vergütet würden.
Norwegen und Singapur als Vorbild
Polosukhin zog Parallelen zu Staatsfonds und Universitätsstiftungen, die einmalige oder zyklische Einnahmen in eine dauerhafte Vermögensbasis umwandeln, die Jahr für Jahr Erträge ausschüttet. Als Beispiele nannte er ausdrücklich Norwegen und Singapur. Singapurs Fonds ist 45 Jahre alt, Norwegens 36 Jahre alt — ein Beleg, argumentierte er, dass solche Strukturen Marktzyklen überstehen können.
Krypto-Einnahmen seien naturgemäß zyklisch, ähnlich wie Öleinnahmen oder Erlöse aus Landverkäufen, sagte er, weshalb ein produktiver Fonds besser sei als die direkte Begleichung von Ausgaben.
Abgrenzung zum Token-Burning
Polosukhin zog eine klare Trennung zwischen dem vorgeschlagenen Fonds und dem Token-Burning, einem Mechanismus, der in der NEAR-Community bereits diskutiert wurde. Burning gleiche Inflation zwar vorübergehend aus, sagte er, doch die Wirkung verflüchtige sich bei einem volatilen Vermögenswert, und sobald die Inflation abgeschaltet sei, bleibe kein Restwert übrig. Im Gegensatz dazu erhalte das Verleihen von Token gegen Ertrag das Kapital und schaffe fortlaufende Finanzierung.
Anfang Juli lehnte Polosukhin einen Vorschlag ab, von der Near Foundation gehaltene Token zu verbrennen, und bezeichnete eine einmalige Verbrennung als "a blunt instrument". Stattdessen verwies er auf die Möglichkeit einer Bitcoin-ähnlichen harten Obergrenze für das Gesamtangebot von NEAR. Der vorgeschlagene Fonds unterstützt diese Richtung: Wenn die Erträge irgendwann vollständig die Ausgaben für Netzwerksicherheit und Public Goods decken können, schrieb er, könnte NEAR "could move towards a fixed supply."
Risiken werden anerkannt
Der Mitgründer der Near Foundation räumte ein, dass renditeorientierte Strategien Risiken bergen. Der Plan umfasst Diversifizierungs- und Absicherungsmaßnahmen, und jede Anpassung der Inflation solle die Anreize für Validatoren und Staker weiterhin erhalten.
NEAR wurde laut CoinGecko-Daten bei 1,74 Dollar gehandelt, 1,4% höher am Tag, aber 29,6% niedriger im Jahresvergleich.
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