MSCI prüft Index-Ausschluss von Strategy und Metaplanet im Rahmen eines neuen Tests für „nicht-operative“ Unternehmen
Wichtige Erkenntnisse
- •MSCI schlägt einen zweistufigen Eignungstest für Unternehmen mit nicht-operativen Bilanzen vor, der auf fünf Finanzkennzahlen basiert und keine kryptospezifischen Schwellen enthält.
- •Eine Simulation mit Daten aus Mai 2026 zeigt, dass Strategy, Metaplanet und Yellow Cake den Basisscreen verfehlen und ihre Plätze im MSCI ACWI IMI verlieren würden.
- •Drei weitere Unternehmen — SharpLink, Center Laboratories und Lydia Holding — würden unter dem Vorschlag auf eine öffentliche Beobachtungsliste gesetzt.
- •Bestehende Indexmitglieder müssten die Schwellen in zwei aufeinanderfolgenden Jahresabschlüssen verfehlen, bevor eine Streichung erfolgt; neue Kandidaten werden sofort geprüft.
- •MSCI nimmt bis zum 30. September 2026 Rückmeldungen entgegen; die Ergebnisse werden bis zum 16. Oktober erwartet, eine mögliche Umsetzung könnte in der November-Indexüberprüfung folgen.

MSCI hat eine Konsultation zu einem neuen Eignungstest für „nicht-operative“ Unternehmen eröffnet. In einer Simulation auf Basis von Daten aus Mai 2026 entfernt der Test sowohl Strategy als auch Metaplanet aus dem MSCI ACWI IMI (All Country World Index Investable Market Index).
Was ein Indexausschluss bedeutet
MSCI ist ein US-Indexanbieter, dessen Aktienindizes als Referenz für passiv verwaltete Fonds und ETFs dienen. Verlässt ein Unternehmen einen solchen Index, müssen diese Fonds die Aktie verkaufen, weil ihr Mandat es verlangt. Die Einschätzung des Fondsmanagers selbst spielt dabei keine Rolle.
Zuvor hatte der Anbieter im Januar 2026 einen enger gefassten Vorstoß gegen Krypto-Treasury-Unternehmen (DATs) aufgegeben. Gleichzeitig kündigte er eine breitere Überprüfung nicht-operativer Unternehmen an, deren Ergebnis nun vorliegt. Diesmal reicht der Vorschlag über reine Kryptofirmen hinaus. In der Simulation weist Strategy eine free-float-bereinigte Marktkapitalisierung von USD 23.9 billion auf und liegt damit an der Spitze der Streichungskandidaten. Die Kennzahl erfasst nur den frei handelbaren Aktienanteil und bestimmt damit das Gewicht im Index.
Ein zweistufiger Test auf Basis von fünf Kennzahlen
Die vorgeschlagene Methodik arbeitet in zwei Stufen. Zunächst prüft ein Basisscreen, ob die operativen Vermögenswerte eines Unternehmens mehr als 50 Prozent der Gesamtaktiva ausmachen. Unternehmen, die diese Schwelle erfüllen, bleiben zulässig; wer sie verfehlt, wechselt in die zweite Stufe. Der Test enthält jedoch keine kryptospezifischen Schwellenwerte: Er zielt auf die Bilanzstruktur, nicht auf die Art des gehaltenen Vermögens. Ein Rohstoffhalter kann ihn ebenso verfehlen wie ein Bitcoin-Käufer.
Die zweite Stufe basiert auf fünf Kennzahlen: Intensität operativer Vermögenswerte, Aufwandsintensität, Cashflow, Fair-Value-Intensität und Kapitalabhängigkeit. Operative Vermögenswerte unter 20 Prozent der Gesamtaktiva gelten ebenso als kritisch wie operative Aufwendungen unter 5 Prozent. Zudem gehört ein negativer operativer Cashflow dazu. Gleiches gilt für nicht-operative Fair-Value-Veränderungen von mehr als 5 Prozent der Gesamtaktiva. Die fünfte Schwelle betrifft eine Kapitalabhängigkeit von über 20 Prozent, also das Maß, in dem ein Unternehmen für sein Wachstum auf frisches externes Kapital angewiesen ist.
Folglich wird ein Unternehmen nur in einem Fall unzulässig: Es muss den Basisscreen verfehlen und mindestens vier der fünf Kriterien auslösen. Ein einzelner Ausreißer in der Bilanz reicht nicht aus.
Bestehende Indexmitglieder unterliegen allerdings milderen Schwellen als Kandidaten für eine Neuaufnahme. Zudem müssen Mitglieder den Screen in zwei aufeinanderfolgenden Sätzen von Jahresabschlüssen verfehlen, bevor eine Streichung erfolgt. Ein einmaliges Verfehlen der Schwellen löst keine Umklassifizierung aus, heißt es im Konsultationsdokument von MSCI. Stattdessen verlangt der Anbieter eine dauerhafte Veränderung der Geschäftsstruktur. Der Test greift also nur dann, wenn ein Unternehmen dauerhaft eher Vermögensverwalter als operatives Geschäft ist.
Strategy, Metaplanet und Yellow Cake verfehlen den Basisscreen
In der Simulation mit Daten aus Mai 2026 verlieren drei Unternehmen ihren Platz im MSCI ACWI IMI Index: Strategy, Metaplanet und das Uran-Investmentunternehmen Yellow Cake. Die Auswahl ist kein Zufall. Alle drei halten überwiegend Vermögenswerte, die kein laufendes Geschäft tragen, sondern in der Bilanz liegen. Dass mit Yellow Cake auch ein Rohstoffhalter auf der Liste erscheint, macht die sektorneutrale Ausgestaltung der Methodik sichtbar — nicht nur Krypto wäre betroffen.
Zudem würden drei Gruppen auf eine öffentliche Beobachtungsliste gelangen: SharpLink, Center Laboratories und Lydia Holding. Diese Liste nennt Unternehmen, deren Bilanzprofil MSCI kritisch prüft, ohne sie unmittelbar zu streichen. Für Anleger ist sie dennoch ein Signal.
Der Vorschlag zielt allgemein auf Unternehmen, die nicht-operative Vermögenswerte anhäufen und nur wenig operativen Cashflow erwirtschaften. Auch die Abhängigkeit von externem Kapital für Wachstum zählt. Genau dieses Profil beschreibt das Geschäftsmodell von Bitcoin-Treasury-Unternehmen. Sie finanzieren Käufe über Aktien- und Anleiheemissionen und halten das Erworbene. Dadurch erfasst die Methodik sie technisch, ohne sie namentlich zu nennen. Dennoch enthält sie kein ausdrückliches Verbot digitaler Vermögenswerte.
Passive Fonds müssten Milliarden automatisch abziehen
Das finanzielle Gewicht eines Ausschlusses hängt nicht von den Ansichten einzelner Anleger ab. Indexfonds bilden ihre Benchmark mechanisch nach und müssen daher eine gestrichene Aktie verkaufen. Ob der Preis günstig ist, spielt für diese Mandate keine Rolle. Für global anlegende Aktienfonds dient der MSCI ACWI IMI als Referenz.
JPMorgan-Analysten bezifferten das Volumen für Strategy bereits auf rund USD 2.8 billion an passiven Abflüssen im Jahr 2025. Eine Schätzung des Branchenverbands Bitcoin For Corporations kam im Dezember 2025 auf USD 10 billion bis 15 billion. Diese Spanne betraf jedoch das gesamte Universum der Krypto-Treasury-Unternehmen und nicht nur Strategy — der unterschiedliche Umfang erklärt die Differenz zwischen den beiden Werten.
Gleichzeitig verlangt der Test für bestehende Mitglieder zwei aufeinanderfolgende Jahresabschlüsse unter den Schwellenwerten. Der Indexanbieter begründet das Verfahren mit dem Ziel, die Umschichtung in seinen Indizes zu begrenzen. Wie viel Zeit den betroffenen Unternehmen bleibt, ist offen. Strategy und Metaplanet verfehlen die Schwellen in der Simulation auf Basis ihrer Mai-2026-Zahlen jedoch bereits. Ein rechtzeitiger Bilanzumbau hält sie im Index.
Zweiter Anlauf gegen Krypto-Treasuries innerhalb eines Jahres
Das Muster wiederholt sich. Bereits zuvor lief zwischen Oktober und Dezember 2025 eine erste Konsultation, die sich ausdrücklich auf digitale Asset-Treasury-Unternehmen beschränkte. Sie identifizierte 39 potenziell betroffene Firmen, darunter 18 bestehende Indexmitglieder. Strategy, Riot Platforms und Marathon Digital gehörten dazu. Für 21 weitere Kandidaten hätte MSCI auch eine künftige Aufnahme verweigert. Schließlich nahm der Anbieter den Plan zurück und verwies auf weiteren Forschungs- und Konsultationsbedarf.
Die Entscheidung gegen einen Ausschluss dieser Firmen fiel Anfang Januar 2026. Die Aktien von Strategy stiegen danach im nachbörslichen Handel um etwa 6 Prozent. Der Sprung zeigte, wie eng die Bewertung solcher Unternehmen an ihrem Indexstatus hängt. Später floss die Ankündigung in den nun vorliegenden Vorschlag ein. Sein Umfang ist breiter als beim ersten Versuch, trifft die Krypto-Treasuries aber erneut.
Der Zeitplan ist eng. Zunächst nimmt MSCI bis zum 30. September 2026 Rückmeldungen von Marktteilnehmern entgegen. Die Ergebnisse der Konsultation sollen bis zum 16. Oktober 2026 vorliegen. Wenn die Methodik übernommen wird, könnte die Umsetzung in der Indexüberprüfung im November folgen. Zwischen der Bekanntgabe der Ergebnisse und einer möglichen Umsetzung lägen vergleichsweise wenige Wochen.
Strategy lehnt den Vorschlag öffentlich ab:
Digitale Vermögenswerte sind Vermögenswerte. Indexanbieter sollten Märkte messen und nicht entscheiden, welche Vermögenswerte Unternehmen besitzen dürfen. MSCIs Vorschlag steht im Widerspruch zu Regulierungsbehörden, Märkten und den eigenen Kunden. Bitcoin braucht MSCI nicht. Strategy auch nicht. $BTC $MSTR
— Strategy (@Strategy), August 14, 2026
Quelle: Crypto Valley Journal