„Die Umfragen sind falsch“: Republikaner-Führer bei Fox News in die Enge getrieben
Wichtige Erkenntnisse
- •Eine neue Reuters/Ipsos-Umfrage ergab, dass registrierte Wähler bei den Zwischenwahlen, bei denen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus zur Wahl stehen, im generischen Kongress-Ballot mit 47 Prozent gegenüber 36 Prozent die Demokraten bevorzugen.
- •Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, erklärte die Umfragen für falsch und verwies dabei auf zwei Umfrageunternehmen, Wedgewood und SoCal Strategies, die in den vorangegangenen 10 Tagen als betrügerisch entlarvt wurden – wobei Reuters eigene Erhebungen durchführt statt Umfragen Dritter zusammenzufassen.
- •Johnson behauptete zudem, eine parteiische Nonresponse-Verzerrung, verursacht durch die Zurückhaltung von Republikanern, an Telefonumfragen teilzunehmen, verzerre die Ergebnisse; die Richtung einer solchen Verzerrung ist methodisch jedoch umstritten.
- •Nate Silver sagte, die Umfragen der letzten beiden Zwischenwahlzyklen seien korrekt und unvoreingenommen gewesen, und die geringe Zuversicht der Analysten in die Umfragen könne unbegründet sein.
- •Die Frühwahlbeteiligung hat das in derselben Phase der Zwischenwahlen 2022 verzeichnete Niveau deutlich überschritten; die endgültige Stimmenauszählung wird den klarsten Test für die Genauigkeit der Umfragen liefern.

Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, war am Montagabend zu Gast in der Sendung von Fox-News-Moderatorin Laura Ingraham – und sah sich dort mit Umfragezahlen konfrontiert, die den Republikanern im Vorfeld der Zwischenwahlen am nächsten Dienstag einen deutlichen Rückstand bescheinigten. Er argumentierte, die Umfragen selbst seien das Problem. Alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus stehen zur Wahl, sodass die Mehrheit in der Kammer unmittelbar auf dem Spiel steht.
Ingraham eröffnete mit einer neuen Reuters/Ipsos-Umfrage, die ergab, dass registrierte Wähler beim generischen Kongress-Ballot die Demokraten gegenüber den Republikanern bevorzugen – mit 47 Prozent gegenüber 36 Prozent. Der generische Ballot – eine Standardfrage, mit der Wähler gefragt werden, welche Partei sie bei der Kongresswahl unterstützen würden – dient als weit verbreiteter Indikator für die nationale Stärke der Parteien vor einer Wahl.
„Now, people like Nate Silver say the polls would have to be really wrong, crazy wrong almost, for Republicans to pull out victories in the House, at least“, sagte Ingraham mit Verweis auf den Statistiker und Gründer von FiveThirtyEight.
Silver sagte der New York Times am Montag, dass die Skepsis gegenüber den Demoskopen möglicherweise unbegründet sei. „Most analysts seem to have little to no confidence in the polling, but maybe they should“, sagte er. „Polls in the past two midterms were pretty accurate and unbiased. More important, they may not be projecting anything all that remarkable.“ Umfragen haben in einem Wahlkampf Gewicht, weil die Zahlen die Erwartungen setzen, an denen die Ergebnisse später gemessen werden – weshalb Streitigkeiten über deren Genauigkeit in der Schlussphase typischerweise schärfer werden.
Ingraham stellte Johnson direkt auf die parteiübergreifende Umfrage zur Rede. „And then you have that new Reuters Ipsos poll showing registered voters favoring Democrats over Republicans 47 to 36. That's on the generic congressional ballot. So, do you think that poll is not accurate?“, fragte sie.
„Yes, the polls are wrong“, erwiderte Johnson. „Let me tell you why. Look, in the last 10 days, we had two polling organizations nationwide that have been exposed for completely fraudulent numbers, Wedgewood and SoCal Strategies. Then you have the more traditional polling organizations having to acknowledge quietly that their numbers are off.“
Dass Wedgewood und SoCal Strategies als betrügerisch entlarvt wurden, stimmt in der Tat. Reuters ist jedoch ein Nachrichtendienst, der eigene Erhebungen durchführt, anstatt Umfragen Dritter zusammenzufassen.
Johnson berief sich zudem auf einen CNN-Bericht, um zu argumentieren, dass Umfragen Ende Oktober sich historisch gegen seine Partei auswirken würden. „CNN ran a story about a week ago. And they said that 14 out of the last 16 elections, the October generic ballot underestimated Republicans by an average of 4 points“, behauptete er. „Laura, I think it's even further off this time because more and more Republicans are unwilling to participate in these surveys.“
Nach Johnsons Darstellung zögern potenzielle Befragte, einem Fremden am Telefon persönliche Informationen preiszugeben. „They don't play along. They're calling it the partisan nonresponse bias. That's the technical term for 'Republicans don't trust you anymore'“, behauptete er. Sinkende Antwortquoten stellen seit Jahren ein dokumentiertes Problem für telefonische Umfrageforschung dar – in welchem Ausmaß und in welche Richtung sie die Ergebnisse verzerren, ist jedoch methodisch umstritten.
Der Indikator, der Johnsons Argument am ehesten bestätigen oder widerlegen könnte, ist die Frühwahlbeteiligung. Die Zahl der Menschen, die bereits gewählt haben, übersteigt bei weitem die Beteiligung, die in derselben Phase 2022 – der letzten Zwischenwahl – verzeichnet wurde. Der Streit über die Zuverlässigkeit der Umfragen wird seine klarste Prüfung bestehen, sobald die Stimmen ausgezählt sind und die finalen Umfragen an den tatsächlichen Ergebnissen gemessen werden können.
Der Wortwechsel wurde in einem Beitrag auf X festgehalten:
Ingraham: Nate Silver says the polls would have to be really wrong for Republicans to hold the house. Johnson: The polls are wrong. Let me tell you why. In the last 10 days we had two polling organizations nationwide that have been exposed for completely fraudulent numbers, Wedgewood and SoCal strategies… — Acyn (@Acyn) October 27, 2026