NachrichtenMakroPsychologe Michael Bader argumentiert, Faktenchecks zu Trump seien notwendig, aber unzureichend

Psychologe Michael Bader argumentiert, Faktenchecks zu Trump seien notwendig, aber unzureichend

Autor: Alternet·

Wichtige Erkenntnisse

  • Bader vergleicht Trumps repetitive hyperbolische Rhetorik mit George Orwells Konzept des „Duckspeak“ aus 1984.
  • Eine Nachrichtenagentur berichtete, Trump habe Ausdrücke über beispiellose Zahlen oder Leistungen in diesem Jahr mehr als 200 Mal verwendet.
  • Bader argumentiert, Trumps wiederholte Prahlerei und Unwahrheiten sollten nicht nur durch Faktenchecks, sondern auch psychologisch interpretiert werden.
  • Reuters berichtete, dass seit Trumps Amtsantritt mindestens 470 Menschen, Organisationen und Institutionen Ziel von Vergeltungsmaßnahmen wurden.
  • Bader sagt, psychologische Einsicht könne helfen, Trumps Verhalten vorherzusehen, ersetze aber nicht die Überprüfung seiner Behauptungen anhand von Fakten.
Psychologe Michael Bader argumentiert, Faktenchecks zu Trump seien notwendig, aber unzureichend

„Two years ago our country was dead. Today we are the hottest country in the world. America is respected like it's never been respected before…. Our stock markets are at their highest point of all time.“

Der Psychologe und Psychoanalytiker Michael Bader argumentiert, die Öffentlichkeit habe sich so sehr an Donald Trumps hyperbolische Rhetorik gewöhnt, dass sie häufig nicht mehr innehält, um zu untersuchen, was diese Rhetorik bewirkt. Nach Baders Auffassung ähnelt Trumps wiederkehrender Rückgriff auf glänzende Allgemeinplätze, Superlative und pauschale Behauptungen eher dem, was George Orwell „Duckspeak“ nannte, als gewöhnlicher politischer Rede. In 1984 beschrieb Orwell eine unter Big Brother verwendete Sprachform, die zwar noch Englisch war, aber geistlos, repetitiv und weitgehend ihres bewussten Denkens entleert war.

Trump, schreibt Bader, stellt sich bei diesen Behauptungen fast immer selbst in den Mittelpunkt, als Held der Geschichte. Kaum eine Rede, sagt er, komme ohne Formulierungen aus wie „the likes of which nobody’s ever seen before“, „numbers we’ve never seen“ oder „like nobody ever thought possible“. Eine Nachrichtenagentur berichtete, Trump habe solche Ausdrücke in diesem Jahr bereits mehr als 200 Mal verwendet.

Solche Erklärungen, argumentiert Bader, stellten Trump gewöhnlich in nahezu messianischen Begriffen dar: nicht bloß als Zeugen beispielloser Leistungen, sondern als deren alleinigen und unersetzlichen Urheber. Die Wiederholung, schreibt er, könne ein bereits bewunderndes Publikum an Ort und Stelle halten. Auf Menschen, die von Trump und seinem Handeln nicht fasziniert seien, könne dieselbe Wiederholung lähmend wirken, weil es kaum konkretes Material gebe, an dem man ansetzen oder das man auseinandernehmen könne.

Die übliche Reaktion, sagt Bader, ist der Faktencheck.

Trumps Grandiosität beschränkt sich Baders Darstellung zufolge nicht auf pauschale Behauptungen, Amerika aus dem gefährlichen, von Ungeziefer und Müll geprägten Zustand gerettet zu haben, den Trump nach eigener Darstellung von Barack Obama und Joe Biden übernommen habe. Sie zeigt sich auch in persönlicheren Bereichen, etwa wenn Trump damit geprahlt habe, niemand habe je einen so schönen Körper wie seinen gesehen, sich selbst als „stable genius“ bezeichnete, sagte, er sei „the most effective President for the black community since Abraham Lincoln“ gewesen, oder sich als Jesus darstellte.

Da solche Aussagen häufig mit Unwahrheiten verwoben seien, sagt Bader, reagierten Progressive und große Teile der etablierten Medien typischerweise, indem sie Trumps Behauptungen anhand der Faktenlage überprüften. Nach Trumps Rede über Wahlsicherheit etwa füllte sich das mediale Umfeld rasch mit Korrekturen seiner Aussagen.

Trump lügt wiederholt, schreibt Bader, und deshalb überprüfen seine Kritiker ihn wiederholt auf Fakten. Die Annahme scheint zu sein, dass die Verteidigung der objektiven Realität die wirksamste Reaktion ist, in der Hoffnung, dass die Öffentlichkeit die Wahrheit erkennt. Weniger häufig werde untersucht, argumentiert er, warum das Lügen und Prahlen so allgegenwärtig sei. Bader fragt, ob Kritiker das Muster nicht verstehen oder ob es ihnen peinlich ist und sie deshalb immer weiter nach einer verborgenen Logik unter der Wiederholung suchen.

Wenn man diese Frage direkt stelle, meint Bader, liege die Antwort „offen zutage“. Er argumentiert, dass eine Person, die öffentlich ständig prahlt, privat wahrscheinlich mit Gefühlen von Minderwertigkeit und Unzulänglichkeit ringt. In seiner Darstellung spiegelt dies eine grundlegende psychologische Funktion wider: Menschen versuchen, reale, eingebildete oder erwartete Gefühle und Situationen zu vermeiden, zu verleugnen oder loszuwerden, von denen sie befürchten, dass sie psychisch schmerzhaft wären.

Eine Person kann mit einem schlechten Gefühl durch Verleugnung umgehen. Eine andere kann dieses Gefühl auf jemand anderen projizieren. Viele Menschen, schreibt Bader, reagieren jedoch, indem sie das gegenteilige Gefühl oder Merkmal übertreiben. Aus dieser Sicht kann jemand — häufig ein Mann —, der sich durch Situationen besonders bedroht fühlt, die ihn hilflos, unwichtig oder beschämt erscheinen lassen könnten, automatisch versuchen, der Bedrohung entgegenzuwirken, indem er sich selbst und anderen versichert, er sei mächtig, besonders und perfekt.

Bader argumentiert, dass diese psychologische Dynamik — der Narzissmus und das Lügen — im Fall Trump weder freiwillig noch optional, sondern zwingend sei. Er schreibt, Trump sei psychologisch dazu gedrängt, wiederholt seine eigene beispiellose Größe zu behaupten und darüber zu lügen. In Baders Deutung fehlt Trump die psychologische Freiheit, anders zu handeln, weil dies das Risiko bergen würde, unbewusste Ängste hervorzuholen: dass er ein Verlierer statt eines Gewinners sei, schwach statt mächtig, unterlegen statt überlegen und unbedeutend statt heroisch wichtig. Für Trump, schreibt Bader, komme jede Andeutung, er sei ein Verlierer, einem Besuch des Sensenmanns gleich.

Aus diesem Grund, sagt Bader, sei das Aufdecken und Korrigieren von Trumps „alternativen Fakten“ notwendig, aber nicht ausreichend. Die politische Frage sei, ob eine psychologische Erklärung einen legitimen politischen Nutzen habe oder ob ihre Anwendung auf öffentliche Angelegenheiten ein Kategorienfehler sei — so, als bringe man eine Diagnose in einen politischen Streit ein. Diese Frage steht innerhalb einer seit Langem geführten fachlichen und medialen Debatte über öffentliche psychologische Analysen politischer Figuren, einschließlich der Bedenken gegenüber klinischen Aussagen ohne direkte Untersuchung und des Gegenarguments, dass beobachtbares öffentliches Verhalten dennoch für die staatsbürgerliche Beurteilung relevant sein kann.

Baders Antwort lautet, dass ein klareres und nuancierteres Verständnis von Trumps innerer Welt Beobachtern helfen könne, sein Verhalten vorherzusehen. Er argumentiert, Trumps persönliche Psychologie präge zu häufig sein politisches Handeln und seine politischen Entscheidungen, und dies werde auf intuitiver Ebene weithin verstanden. Aus Baders Sicht hilft dies zu erklären, warum Mitglieder von Trumps Kabinett und andere Staats- und Regierungschefs durch Schmeichelei wirtschaftliche und politische Vorteile von ihm zu erlangen versuchen.

Wenn jemand im öffentlichen Leben Trump zu beschämen oder zu kritisieren scheint, schreibt Bader, reagiere Trump reflexhaft gehässig. Reuters zählte, dass seit Trumps Amtsantritt mindestens 470 Menschen, Organisationen und Institutionen Ziel von Vergeltungsmaßnahmen wurden — im Durchschnitt mehr als eine pro Tag. Als Gavin Newsom ihn in sozialen Medien verspottete und bloßstellte, reagierte Trump, indem er ihn „New-scum“ nannte.

Bader sagt, solche Wortwechsel zeigten, wie leicht Trump zu provozieren sei. Newsoms Spitzen hätten Trump aus seiner Sicht nicht dauerhaft verletzt; Bader argumentiert, jemand, der sich so stark gegen Scham abschirme, bleibe nicht verwundet. Doch die Angriffe wirkten wie ein Haken, der Trump zuverlässig dazu bringe, zu den Bedingungen seines Gegners zu reagieren, statt selbst die Agenda zu setzen.

Psychologische Einsicht, so Baders Schlussfolgerung, ist kein Ersatz für Faktenchecks zu Trumps Behauptungen. Stattdessen stellt er sie als Frühwarnsystem dafür dar, wie Trump sich voraussichtlich verhalten wird, und als Karte der Druckpunkte, die ihn verlässlich in Bewegung setzen.

Michael Bader ist ein erfahrener Psychologe, Psychoanalytiker und Autor mit mehr als 40 Jahren klinischer Erfahrung. Er ist auf die Schnittstelle von Psychoanalyse, Kultur und Politik spezialisiert und schreibt häufig über die psychologischen Dynamiken, die den modernen öffentlichen Diskurs prägen.