Meta steht vor 1,4-Billionen-Dollar-Klage wegen Kindersicherheit – Prozess beginnt am Dienstag
Wichtige Erkenntnisse
- •Ankläger aus 29 Bundesstaaten werfen Meta vor, gezielt Funktionen zur Maximierung von Engagement geschaffen zu haben, die der psychischen Gesundheit Minderjähriger geschadet haben, und dabei gegen Kinderschutz- und Verbraucherschutzgesetze verstoßen zu haben.
- •Über finanzielle Strafen hinaus fordern die Bundesstaaten Maßnahmen wie die Abschaffung von Engagement-Metriken, das Ende von endlosem Scrollen und automatischer Videowiedergabe, ein Verbot von Kurzzeitfunktionen wie Instagram Stories sowie eine verpflichtende elterliche Verifizierung für Teenager-Konten.
- •Die Bundesstaaten fordern Schadensersatz von nahezu 1,4 Billionen US-Dollar – eine Summe, die Meta als außer Verhältnis stehend bezeichnet, wobei ihre Marktkapitalisierung rund 1,5 Billionen US-Dollar beträgt.
- •Mark Zuckerberg und Instagram-Chef Adam Mosseri sollen beide vor Bundesrichterin Yvonne Gonzalez Rogers am U.S. District Court für den nördlichen Bezirk von Kalifornien aussagen.
- •Der Prozess folgt auf frühere Rückschläge für Meta, darunter ein Urteil über 942 Millionen US-Dollar in New Mexico, das das Unternehmen als öffentliche Belästigung einstufte, sowie ein Geschworenenurteil vom März, das Meta und YouTube für fahrlässig erklärte.

Meta bereitet sich auf einen potenziell bedeutenden Rechtsstreit vor: Am Dienstag beginnt in einem Gerichtssaal in Oakland, Kalifornien, ein Prozess mehrerer Bundesstaaten. Die Ankläger aus 29 Bundesstaaten werfen dem Unternehmen vor, gegen Kinderschutzvorschriften und Verbraucherschutzgesetze verstoßen und damit belegbare psychische Schäden bei Minderjährigen verursacht zu haben.
Zentrale Vorwürfe
Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey führen den Fall an; Aussagen werden von Meta-CEO Mark Zuckerberg und Adam Mosseri, dem Leiter von Instagram, erwartet.
Nach Angaben der Staatsanwälte hat Meta Funktionen wie endloses Scrollen, automatische Videowiedergabe und Engagement-Metriken gezielt so gestaltet, dass die Zeit, die junge Nutzer auf seinen Plattformen verbringen, maximiert wird. Sie argumentieren, Meta habe gewusst, dass diese Mechanismen zu psychischen Problemen wie Angstzuständen, Depressionen und selbstschädigendem Verhalten beitragen, seine Produkte aber weiterhin als sicher vermarktet.
Die Klage wirft Meta zudem vor, gegen den Children’s Online Privacy Protection Act zu verstoßen, indem Nutzer unter 13 Jahren auf seinen Plattformen zugelassen und deren persönliche Daten ohne Zustimmung der Erziehungsberechtigten erhoben wurden.
Im Vorfeld der Eröffnungsplädoyers erklärte Kaliforniens Justizminister Rob Bonta in einem Interview mit Bloomberg, dass die Bundesstaaten Meta nicht aus dem Geschäft drängen wollten. Vielmehr, so Bonta, gehe es darum, „die schädlichen, rechtswidrigen Funktionen“ in seinen Produkten zu beenden. Bloombergs Beitrag enthielt das Zitat sowie ein verlinktes Video auf X:
Is this social media’s “big tobacco” moment? Ahead of opening statements this week in the multistate federal trial against Meta, California @AGRobBonta says, “We are not interested in putting them out of business. We are interested in ending the harmful, unlawful features that… pic.twitter.com/lpZhcyd0GP — Bloomberg (@business) August 16, 2026
Die META-Aktie gab im Vorfeld der Verhandlung um 0,86 Prozent nach.
Gerichtsdetails und erwartete Aussagen
Die Bundesrichterin Yvonne Gonzalez Rogers wird den Fall am U.S. District Court für den nördlichen Bezirk von Kalifornien leiten. Sie war zuvor für die vielbeachtete juristische Auseinandersetzung zwischen Elon Musk und Sam Altman zuständig und ist für ihren geradlinigen juristischen Stil bekannt.
Mark Zuckerberg und Adam Mosseri sollen beide aussagen. Die 29 Bundesstaaten, die in dem Prozess Beweise vorlegen, erklären, Meta habe gegen Kinderschutzvorschriften und Verbraucherschutzgesetze verstoßen. Damit wird der Fall zu einem aufmerksam beobachteten Test dafür, wie weit Aufsichtsbehörden gehen können, um Produktgestaltungsentscheidungen eines der größten Social-Media-Unternehmen der Welt anzufechten.
Was die Bundesstaaten fordern
Neben finanziellen Strafen fordern die Ankläger vom Gericht weitreichende Änderungen an Instagram und Facebook für jüngere Nutzer. Zu den beantragten Maßnahmen gehören die Abschaffung von Engagement-Metriken, das Ende des endlosen Scrollens, das Stoppen der automatischen Videowiedergabe, das Verbot von Kurzzeitfunktionen wie Instagram Stories sowie Änderungen an den Systemen zur Inhaltsempfehlung.
Die Bundesstaaten fordern zudem eine verpflichtende elterliche Verifizierung für Konten von Jugendlichen sowie Einschränkungen bei mobilen Benachrichtigungen.
Diese Funktionen sind zentral für das aktuelle Plattformdesign von Meta, weshalb die beantragten Maßnahmen über eine einmalige Geldstrafe hinausgehen und die Art, wie das Unternehmen seine Kern-Apps betreibt, beeinflussen könnten.
Schadensersatz und Metas Reaktion
Die finanziellen Forderungen sind außergewöhnlich hoch. Die Bundesstaaten verlangen Schadensersatz in Höhe von nahezu 1,4 Billionen US-Dollar – eine Summe, die nach Metas Angaben völlig außer Verhältnis steht. Die Marktkapitalisierung von Meta beträgt derzeit rund 1,5 Billionen US-Dollar.
Meta wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück und erklärte: „Die Justizminister liefern keinen Beweis dafür, dass irgendjemand in ihren Bundesstaaten getäuscht wurde“, und fügte hinzu: „Anstatt sich an die Fakten oder das Gesetz zu halten, haben sich die Bundesstaaten stattdessen dafür entschieden, eine absurd hohe Zahlung zu verfolgen.“
Frühere juristische Rückschläge
Der Fall reiht sich in eine Reihe zuletzt ergangener juristischer Rückschläge für Meta ein.
Erst vor wenigen Wochen hatte ein Gericht in New Mexico in einer separaten Entscheidung angeordnet, dass Meta 942 Millionen US-Dollar zahlt, und stufte das Unternehmen als „öffentliche Belästigung“ („public nuisance“) ein. Das Gericht forderte zudem, dass Instagram und Facebook Like-Funktionen für Nutzer unter 18 Jahren entfernen und die Zeitpunkte von Benachrichtigungen für Teenager einschränken.
Im März befanden Geschworene Meta und YouTube für fahrlässig, nachdem sie die Aussage einer Frau gehört hatten, die angab, ab dem Alter von 10 Jahren eine schwerwiegende Abhängigkeit von den Plattformen entwickelt zu haben. Eine Jury sprach gegen beide Unternehmen 6 Millionen US-Dollar Schadensersatz zu.
Die 30 Gerichtsbarkeiten, die an dem Verfahren am Dienstag beteiligt sind, vertreten rund zwei Drittel der US-Bevölkerung – ein Beleg für das Ausmaß der juristischen Herausforderung. Ein nachteiliges Urteil könnte Meta zu landesweiten Änderungen an seinen Plattformen zwingen.
Die Verhandlungen beginnen am Dienstag in Oakland unter der Leitung von Richterin Gonzalez Rogers.