Visa überdenkt seine Stablecoin-Abwicklungsstrategie nach Abschluss der BVNK-Übernahme durch Mastercard
Wichtige Erkenntnisse
- •Mastercard schloss die Übernahme von BVNK am 3. August für bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar ab und sicherte sich damit Technologie für Stablecoin-Zahlungen, Abwicklung, Wallets und Fiat-Umwandlung.
- •BVNK hatte im Rahmen einer im Januar geschlossenen Partnerschaft die Stablecoin-Finanzierung von Auszahlungen und direkte Zahlungen an Stablecoin-Wallets für Visa Direct bereitgestellt.
- •Visa teilte im April mit, dass sein Stablecoin-Abwicklungs-Pilotprojekt eine annualisierte Run-Rate von 7 Milliarden US-Dollar erreicht habe – ein Anstieg von 50 % gegenüber dem Vorquartal – und neun Blockchains umfasst, darunter Base, Polygon und Canton.
- •Visa verfügt weiterhin über weitere Stablecoin-Infrastrukturpartner wie Aquanow und Brale, hat aber keine formelle Suche nach einem BVNK-Ersatz öffentlich bestätigt.
- •Die Übernahme erfolgt im Rahmen eines breiteren Wettlaufs um Stablecoin-Infrastruktur, nach Stripes rund 1,1 Milliarden US-Dollar teurem Kauf von Bridge, dem Börsengang von Circle im Juni und der Unterzeichnung des GENIUS Act im Juli, der ein US-Bundesrahmenwerk für Zahlungs-Stablecoins schafft.

Visa könnte seine Stablecoin-Abwicklungsstrategie überdenken müssen, nachdem Mastercard die Übernahme von BVNK abgeschlossen hat – dem Infrastrukturanbieter, der zu einem wichtigen Partner für Visa Direct geworden war.
Mastercard schloss die Übernahme am 3. August ab und zahlte bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar, um die Kontrolle über BVNK zu übernehmen. Der Deal verschafft Mastercard direkten Zugang zu Technologie für Stablecoin-Zahlungen, Abwicklung, Wallets und Fiat-Umwandlung.
Diese Entwicklung ist für Visa bedeutsam, da BVNK die Stablecoin-Zahlungsfunktionen für Visa Direct bereitgestellt hatte. Im Rahmen der im Januar geschlossenen Partnerschaft konnten Kunden von Visa Direct Auszahlungen mit Stablecoins finanzieren und Zahlungen direkt an Stablecoin-Wallets senden.
Visas breiter angelegte Abwicklungsstrategie bleibt aktiv. Im April teilte das Unternehmen mit, dass sein Stablecoin-Abwicklungs-Pilotprojekt eine annualisierte Run-Rate von 7 Milliarden US-Dollar erreicht habe – ein Anstieg von 50 % gegenüber dem Vorquartal. Visa hat das Pilotprojekt zudem auf neun Blockchains ausgeweitet, darunter Base, Polygon, Canton, Arc und Tempo. Diese Run-Rate stellt weiterhin nur einen kleinen Teil der Billionen US-Dollar an jährlichem Zahlungsvolumen dar, das Visa über sein Kernnetzwerk abwickelt – ein Hinweis darauf, wie früh das Stadium der Stablecoin-Abwicklung innerhalb etablierter Kartennetzwerke noch ist.
Partnerstrategie unter Druck
Der Verlust von BVNK könnte Visa dazu veranlassen, die Beziehungen zu anderen Stablecoin-Infrastrukturanbietern zu vertiefen. Eine öffentliche Bestätigung, dass Visa formell die Suche nach einem Ersatzpartner aufgenommen hat, liegt jedoch nicht vor.
Visa arbeitet bereits mit mehreren Anbietern zusammen. Im Dezember ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit Aquanow ein, um die Stablecoin-Abwicklung in Zentral- und Osteuropa, im Nahen Osten und in Afrika auszuweiten. Im Juni kündigte Visa einen Proof of Concept mit Brale für die private Stablecoin-Abwicklung im Canton Network an. Das Unternehmen hat die Stablecoin-Infrastruktur zudem durch Partnerschaften mit anderen Digitalasset-Firmen erkundet und verfügt damit über mehrere potenzielle Wege über BVNK hinaus.
Wie Visa diese Lücke schließt – durch die Skalierung bestehender Partnerschaften, den unternehmenseigenen Aufbau entsprechender Fähigkeiten oder eine eigene Übernahme – ist inzwischen eine der zentralen Fragen, da sich die Stablecoin-Abwicklung von Pilotprojekten hin zu Mainstream-Zahlungsströmen entwickelt.
Wachsender Wettstreit im Zahlungsverkehr
Mastercards BVNK-Übernahme verdeutlicht den sich verschärfenden Wettbewerb zwischen den beiden globalen Kartennetzwerken um Stablecoin-Infrastruktur, und sie fällt in eine Phase eines breiteren Wettlaufs um die Grundinfrastruktur des Sektors. Stripe schloss seine Übernahme der Stablecoin-Infrastrukturplattform Bridge zu Jahresbeginn in einem Berichten zufolge rund 1,1 Milliarden US-Dollar teuren Deal ab, und der Stablecoin-Emittent Circle ging im Juni an die Börse. Klarheit auf regulatorischer Ebene hat zusätzlichen Schwung gebracht: Der im Juli unterzeichnete GENIUS Act, der in den USA Gesetzeskraft erlangte, etablierte ein bundesweites Rahmenwerk für Zahlungs-Stablecoins und verschaffte Banken und Zahlungsunternehmen klarere Regeln für die Integration der Technologie.
Mastercard kontrolliert nun ein Unternehmen, das jährlich Stablecoin-Zahlungen in Höhe von Milliarden US-Dollar abwickelt. Visa baut derweil sein eigenes Multi-Chain-Abwicklungsnetzwerk aus und testet Stablecoins in institutionellen Zahlungsströmen.
Der Wettbewerb verlagert sich von der bloßen Unterstützung von Krypto-Zahlungen hin zur Kontrolle über die Infrastruktur, die Stablecoins mit traditionellen Finanznetzwerken verbindet. Für Visa könnte das Finden oder Entwickeln gleichermaßen skalierbarer Infrastruktur zu einer immer wichtigeren strategischen Priorität werden.