Enttäuschte MAGA-Anhänger könnten bei den Zwischenwahlen zu Hause bleiben – wegen des Iran-Kriegs und steigender Kosten
Wichtige Erkenntnisse
- •Interviews mit fast dreißig Wählern zeigen, dass einige langjährige Trump-Anhänger im November möglicherweise zu Hause bleiben – wegen der Militärkampagne gegen den Iran, steigender Preise und unerfüllter Wahlversprechen.
- •Einzelne ehemalige Unterstützer, darunter ein 80-jähriger Rentner aus Michigan und ein 24-jähriger Doktorand in Texas, sagten, sie würden ihre Wahlteilnahme überdenken oder planten, der Wahl vollständig fernzubleiben.
- •Eine Times/Siena-Umfrage vom September zeigte, dass 61 Prozent der Demokraten fast sicher im November wählen gehen, verglichen mit 56 Prozent der Republikaner – ein Fünf-Punkte-Abstand bei der Wahlsicherheit.
- •Der Wahlanalyst Charlie Cook argumentierte, dass mögliche republikanische Verluste auf demotivierte GOP-Wähler und nicht auf Überläufer zu den Demokraten zurückgehen würden, und beschrieb das Rennen als eine Wahl mit 'roter Unterströmung' statt einer blauen Welle.
- •Trump hat seine Anhänger aufgefordert, die Zwischenwahlen wie eine Präsidentschaftswahl zu behandeln, und den Republikanern gesagt, sie sollten so tun, als stehe er auf dem Stimmzettel – doch die Interviews deuten darauf hin, dass die Botschaft bei einigen ehemaligen Anhängern nicht ankommt.

Präsident Donald Trump könnte bei den Zwischenwahlen im November auf ein unerwartetes Problem stoßen: Einige seiner treuesten MAGA-Anhänger sind von seiner Regierung so frustriert, dass sie erwägen, am Wahltag zu Hause zu bleiben, anstatt der Republikanischen Partei ihre Stimme zu geben.
Interviews, die The New York Times geführt hat, zeigen eine zunehmende Enttäuschung unter konservativen Wählern. Trumps Militärkampagne gegen den Iran, steigende Preise und unerfüllte Wahlversprechen haben selbst bisher loyale Unterstützer daran zweifeln lassen, ob sich die Teilnahme an der Wahl überhaupt lohnt. Die Zeitung sprach mit fast dreißig Wählern, darunter Bewohner des westlichen Michigan, wo die Begeisterung für die Republikaner erkennbar nachzulassen scheint. Diese Gespräche deuten auf ein Motivationsproblem hin, das die Wahlanzeigen der Republikaner im Vorfeld der Novemberwahlen belasten könnte.
Zu ihnen gehörte Jim Pasek, ein 80-jähriger ehemaliger Instandhaltungsarbeiter aus Gobles, der zweimal für Trump gestimmt hat und nun mit den Entscheidungen des Präsidenten frustriert ist.
"Was er macht, ergibt keinen Sinn", sagte Pasek der Zeitung.
Pasek kritisierte Trump dafür, einen Krieg vom Zaun gebrochen zu haben, obwohl er im Wahlkampf gegen neue Militäreinsätze aufgetreten war. Er fragte sich auch, warum der Präsident scheinbar mehr auf Bauprojekte im Weißen Haus fokussiert sei als auf steigende Kraftstoff- und Lebenshaltungosten.
Brandon Tremaine, ein 24-jähriger Doktorand in Texas, der Trump 2020 unterstützt hatte, plant, der Wahl vollständig fernzubleiben.
"Man kandidiert nicht auf dem Versprechen, die Partei des Friedens zu sein", sagte Tremaine und kritisierte Trumps Entscheidung, den Krieg gegen den Iran zu beginnen.
Die Frustration beschränkt sich nicht auf die Außenpolitik. Warren Stewart, ein 69-jähriger konservativer Wähler, der über die Lebenshaltungskosten verärgert ist, beschrieb seine Ausgaben ungeschönt: "Ich habe gerade 60 Dollar für Lebensmittel im Wert von 30 Dollar ausgegeben und tanke gleich für 5 Dollar pro Gallone", sagte er und fügte hinzu: "Es fühlt sich an, als würden sie uns auf die Probe stellen."
Stewart sagte, er würde niemals einen Demokraten wählen, sei aber unentschlossen, ob er die Republikaner wieder unterstützen werde.
Die Times sprach auch mit Lindsay Kronemeyer, einer konservativen christlichen Mutter, die früher für Trump an Türen geklopft und für das Repräsentantenhaus von Michigan kandidiert hatte. Sie räumte ein, dass sie diesmal wenig auf die Wahlen achte.
Die Unzufriedenheit erstreckt sich über Generationen und Bundesstaaten hinweg – von Tremaine, einem 24-Jährigen in Texas, bis zu Pasek, einem 80-Jährigen in Michigan. Fehlende Motivation unter frustrierten republikanischen Wählern könnte sich für die GOP in knappen Rennen als kostspielig erweisen. Eine Times/Siena-Umfrage vom September ergab, dass 61 Prozent der Demokraten fast sicher im November wählen gehen, verglichen mit 56 Prozent der Republikaner – ein Fünf-Punkte-Abstand bei der Sicherheit, überhaupt zur Wahl zu gehen.
Charlie Cook, ein erfahrener Wahlanalyst, argumentierte, dass mögliche Verluste der Republikaner eher darauf zurückzuführen sein könnten, dass eigene Anhänger enttäuscht den Rücken kehren, als dass Wähler zu den Demokraten wechseln.
"Ich glaube nicht, dass dies eine Wahl mit einer blauen Welle ist. Ich halte es für eine Wahl mit roter Unterströmung, in die Republikaner hineingezogen werden. Aber ich habe keinerlei Daten gesehen, die darauf hindeuten, dass die Leute mit der Demokratischen Partei zufrieden sind. Keine, null. Es geht zu 100 Prozent um Trump", sagte Cook im Washington Monthly.
Um die Motivationslücke auszugleichen, hat Trump seine Anhänger aufgefordert, die Zwischenwahlen wie eine weitere Präsidentschaftswahl zu betrachten. sagte den Republikanern auch auf ihrem Septemberparteitag, sie sollten so tun, als stehe er selbst auf dem Stimmzettel.
Die Interviews legen jedoch nahe, dass dieser Appell möglicherweise verhallt: Für einige ehemalige Trump-Unterstützer ist seine Präsenz auf der politischen Bühne längst ein weiterer Grund, zu Hause zu bleiben.