NachrichtenKryptoJPMorgan: regulatorische Regelsetzung gleicht das Scheitern des Clarity Act im Senat nur teilweise aus

JPMorgan: regulatorische Regelsetzung gleicht das Scheitern des Clarity Act im Senat nur teilweise aus

Autor: Crypto Valley Journal·

Wichtige Erkenntnisse

  • •Der Clarity Act geriet im September ins Stocken, als der Cloture-Antrag des Senats zu H.R. 3633 nur 49 Ja-Stimmen bei 50 Gegenstimmen erhielt – elf zu wenig bei den erforderlichen 60; alle unterstützenden Stimmen stammten von Republikanern.
  • •Die Innovation Exemption der SEC erlaubt den Handel mit tokenisierten NMS-Aktien über zwei bedingte Befreiungen bis 2031, wobei zunehmende Opt-outs von Emittenten die Stimmung für Anwendungs-Token wie Ether belasten.
  • •Die CFTC prüft gehebelten Kryptohandel auf regulierten US-Plattformen, doch JPMorgan sieht wenig Chancen auf eine Umsetzung vor 2027.
  • •Die ICBA verklagte die OCC Anfang Oktober, um die Chartering-Regel für Stablecoin-Emittenten und Digital-Asset-Firmen kippen zu lassen; bereits erteilte Lizenzen bleiben wirksam.
  • •Der Exposure Draft der FASB vom August 2026 würde bestimmte Stablecoins mit sofortiger Rückgabe und 1:1-getrennten Reserven als Zahlungsmitteläquivalente qualifizieren lassen; Stellungnahmen sind bis zum 19. November 2026 möglich.
JPMorgan: regulatorische Regelsetzung gleicht das Scheitern des Clarity Act im Senat nur teilweise aus

JPMorgan zufolge gleicht die jüngste Welle US-amerikanischer Regulierungsaktivität der SEC, CFTC, OCC und FASB das Scheitern des Clarity Act im Senat nur teilweise aus. Bis der Kongress ein Marktstrukturgesetz für digitale Assets verabschiedet, erwartet die US-Bank anhaltend erhöhte politische und rechtliche Risikoprämien im Kryptobereich.

Ein im Kongress blockierter Marktstrukturgesetzentwurf

Der Clarity Act ist das geplante US-Marktstrukturgesetz für digitale Assets. Er soll die Aufteilung der Aufsicht zwischen der Wertpapieraufsicht SEC und der Derivateaufsicht CFTC klären und dem Handel mit digitalen Assets einen rechtlichen Rahmen geben. Das Repräsentantenhaus verabschiedete den Entwurf im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen, der Senatsbankenausschuss folgte im Mai 2026 mit 15 zu 9 Stimmen.

Ein Team von JPMorgan-Analysten um Nikolaos Panigirtzoglou bewertete die Lage nach der Senatsniederlage in einem in dieser Woche veröffentlichten Bericht. Im September hatte dasselbe Team geschrieben, dass Behördenregeln Krypto-Firmen mehr Klarheit und Kapital bringen könnten, wobei solche Regeln aus ihrer Sicht weniger beständig als Gesetzgebung wären. Dennoch beschreiben die Analysten die Marktstimmung als „relativ konstruktiv“.

Dem Senat fehlten elf Stimmen zu den erforderlichen 60

Im September verfehlte der Senat die Verabschiedung des Cloture-Antrags – des Verfahrensschritts, mit dem ein Gesetzentwurf an einem Filibuster vorbeigeführt wird –, der die Beratung von H.R. 3633 eröffnet hätte. Das Abstimmungsergebnis war 49 zu 50, während 60 Stimmen erforderlich waren; dem Antrag fehlten somit elf Stimmen. Die 60-Stimmen-Hürde spiegelt die langjährige Filibuster-Praxis des Senats wider, die bei den meisten großen Gesetzgebungsvorhaben faktisch Unterstützung von mindestens einigen Mitgliedern beider Parteien erfordert. Nach Zusammenfassungen von Kanzleien und Fachmedien stammten alle 49 Ja-Stimmen von Republikanern, während Collins, Hawley, Moran und Tillis aus der Reihe tanzten und mit Nein stimmten. Diese Berichte zufolge stimmte Tillis aus verfahrenstechnischen Gründen mit Nein, um später einen neuen Abstimmungsantrag stellen zu können. Zudem nahm der Demokrat Coons nicht teil. Infolgedessen stimmte der Sen nur über das Verfahren ab und beriet den Gesetzestext nie.

Zwei Fragen beherrschten den Streit. Eine betraf Ethikregeln für digitale Assets von Amtsträgern; die andere, ob Stablecoin-Emittenten Renditen oder Prämien anbieten dürfen. Gesetzesinitiatorin Cynthia Lummis hatte vor der Abstimmung gewarnt, ein Scheitern bedeute, dass es „vorbei“ sei. Seitdem sind die realistischen Wege eine lame-duck session nach den Novemberwahlen oder der nächste Kongress. In der US-Gesetzgebungspraxis bezeichnet eine lame-duck session den Zeitraum, in dem der amtierende Kongress nach den Wahlen, aber vor der Vereidigung des neu gewählten Kongresses erneut zusammentritt. Die JPMorgan-Analysten halten eine Verabschiedung in diesem Jahr für unwahrscheinlich, doch der Gesetzentwurf könnte 2027 zurückkehren.

SEC und CFTC öffnen den Markt durch Behördenmaßnahmen

Die SEC reagierte im September mit der sogenannten Innovation Exemption. Sie besteht aus zwei bedingten Befreiungen, die für fünf Jahre bis 2031 laufen und den Handel mit tokenisierten NMS-Aktien (National Market System) erlauben. In diesem Kontext bedeutet Tokenisierung, dass traditionelle Aktien als blockchainbasierte digitale Token abgebildet werden. Die erste betrifft die Definition von „Börse“ für Tokenisierungsplattformen für Wertpapiere, die zweite die Definition von „Händler“ für Liquiditätsanbieter. Der Anwendungsbereich umfasst Aktien, die vom Emittenten selbst oder unter bestimmten Bedingungen von einem Dritten tokenisiert werden. Nach Angaben von JPMorgan müssen die Token dieselben wirtschaftlichen und Stimmrechte wie die Originalaktien vermitteln, während synthetische Produkte, Security-based Swaps, Rechte und Bezugsrechte ausgeschlossen bleiben.

Die Behörde hat den Umfang zudem begrenzt. Tier 1 erlaubt 75 Symbole mit nicht mehr als 0,25% des durchschnittlichen Tagesvolumens pro Aktie, während Tier 2 250 Symbole mit 2,5% erlaubt. Der Zugang bleibt auf genehmigte Teilnehmer beschränkt, und Handelsplattformen müssen US-Personen sein, die den von dem Office of Foreign Assets Control (OFAC) verwalteten Sanktionen unterliegen. Emittenten können indessen darauf verzichten, dass ihre Aktien tokenisiert werden. Mehrere Firmen haben kürzlich von dieser Opt-out-Möglichkeit Gebrauch gemacht, was nach Ansicht von JPMorgan die Stimmung für Anwendungs-Token wie Ether – das Asset, das das Ethereum-Netzwerk antreibt – belastet. ETF-Zuflüsse und Futures-Positionen stiegen nach der SEC-Ankündigung zunächst an, haben sich seither aber abgeschwächt. Zudem bleibt die Befreiung befristet, und die SEC prüft eine formale Regelsetzung mit öffentlicher Anhörung.

Gleichzeitig prüft die CFTC, ob gehebelter Kryptohandel auf regulierten US-Plattformen erlaubt werden soll. Das Projekt befindet sich in einem frühen Stadium, und die JPMorgan-Analysten sehen geringe Chancen auf eine Umsetzung vor 2027. Gelingt sie, könnte eine Verlagerung des Handels in die USA nach Überzeugung der Bank die Liquidität vertiefen und die Preisfindung verbessern, wovon regulierte Handelsplätze – die Art von Plattformen, die Institutionen bevorzugen – profitieren würden.

Die ICBA-Klage stellt die OCC-Charters infrage

Die Bankenaufsicht OCC hat einer wachsenden Zahl von Stablecoin-Emittenten und Digital-Asset-Firmen nationale Trust-Charters verliehen. Diese bundesstaatliche Lizenz erlaubt den Firmen, Vermögenswerte in Verwahrung zu halten, Reserven und Token unter Bundesaufsicht zu verwalten. beruht auf der abschließenden Chartering-Regel, die die Behörde im März 2026 veröffentlichte und die seit April 2026 in Kraft ist. Unterdessen treibt die OCC die Umsetzung des GENIUS Act – des 2025 erlassenen bundesstaatlichen Stablecoin-Gesetzes – voran, wie ihre jüngste abschließende Regel für Stablecoin-Emittenten zeigt.

Anfang Oktober verklagten die Independent Community Bankers of America (ICBA) die OCC und Comptroller Jonathan Gould und reichten die Klage beim US District Court for the District of Columbia ein. Der Kläger sticht hervor: Der Verband der US-Community-Banks zielt auf die Lizenzen neuer Wettbewerber. Die Klage stellt die Chartering-Regel, das Interpretive Letter 1176 von 2021 und die vorläufige Zulassung für Protego vom Februar 2026 infrage, und der Verband beantragt deren Aufhebung sowie ein Verbot für die OCC, diese für weitere Charters zu verwenden. Die Klage suspendiert jedoch keine bereits erteilten Lizenzen.

Die JPMorgan-Analysten räumen ein, dass die Charters „nicht immun gegen Anfechtungen“ sind, und verweisen auf ebendiese Klage. Dennoch seien Charters einmal erteilt „in der Praxis schwer rückgängig zu machen“, argumentieren sie. Unter den Behördenmaßnahmen dürften die Lizenzen daher zu den beständigeren gehören.

Die FASB erwägt Stablecoins als Zahlungsmitteläquivalente

Das Financial Accounting Standards Board (FASB), das Rechnungslegungsstandards für US-Unternehmen festlegt, veröffentlichte im August 2026 den Exposure Draft 2026-ED400 zu ASC 230, dem Standard für die Kapitalflussrechnung. Der Entwurf ändert die Definition von Zahlungsmitteläquivalenten nicht, fügt jedoch Beispiele hinzu, unter denen bestimmte Stablecoins qualifizieren können. Nach US-Rechnungslegungsregeln sind Zahlungsmitteläquivalente kurzfristige, hochliquide Bestände, die Unternehmen gemeinsam mit Zahlungsmitteln in ihren Abschlüssen ausweisen. Zu den Bedingungen gehören die Rückgabe auf Verlangen und ein direktes Rückgaberecht gegenüber dem Emittenten zu einem bekannten Betrag sowie getrennt verwahrte Reserven von mindestens 1:1 in kurzfristigen, hochliquiden Vermögenswerten. Alleinige Sekundärmarktliquidität genügt nicht. Alle Unternehmen müssten zudem neu die Komponenten ihrer Zahlungsmitteläquivalente offenlegen.

Das FASB nimmt Stellungnahmen bis zum 19. November 2026 entgegen. JPMorgan sieht in der Verabschiedung der Regel eine Unterstützung der Stablecoin-Nutzung über den Handel hinaus, etwa bei Zahlungen und im Liquiditätsmanagement von Unternehmen und Institutionen. Für den Moment bleibt es jedoch nur ein Entwurf.

Warum nur ein Gesetz wie der Clarity Act die Risikoprämie senken würde

Die Analysten begründen ihre Skepsis mit der mangelnden Beständigkeit. Die Branche müsse sich auf ein „Flickwerk“ von Behördenmaßnahmen stützen, schreiben sie. Gewinnt ein Demokrat das Weiße Haus, könnte eine neue Regierung sie binnen zwei Jahren zurücknehmen. Eine Befreiung wie die der SEC beruht auf einer Behördenentscheidung, die eine künftige Behördenführung ändern kann, während nur der Kongress ein Gesetz ändern kann.

„Durch Regierung angetriebene Maßnahmen können die institutionelle Teilnahme am Krypto-Ökosystem kurzfristig steigern, aber nur Gesetzgebung würde den Rahmen langfristig beständiger machen.“ — Nikolaos Panigirtzoglou und Team, Analysten, JPMorgan

Darüber hinaus läuft die Befreiung der SEC ohnehin 2031 ab, während die Pläne der CFTC weiter in einem frühen Stadium stecken. Bis der Kongress ein umfassendes Marktstrukturgesetz verabschiedet, erwartet JPMorgan daher anhaltend erhöhte politische und rechtliche Risikoprämien im Kryptobereich.

Quelle: Crypto Valley Journal