Iran kündigt Sperrzone außerhalb der Straße von Hormuz an und droht nicht konformen Schiffen mit Sanktionen
Wichtige Erkenntnisse
- •Iran plant, außerhalb der Straße von Hormuz eine Sperrzone auszurufen und Sanktionen gegen Schiffe zu verhängen, die ohne Autorisierung einfahren.
- •Die neue Persian Gulf Strait Authority setzt gemeinsam mit der IRGC-Marine Regeln in einer Überwachungszone durch, die zehnmal größer ist als zuvor – von Kuh-e Mobarak bis zum südlichen Fujairah.
- •Iran wies alternative Schifffahrtskorridore zurück, die von Oman und der IMO vorgeschlagen wurden, und bezeichnete sie im Juni 2026 als inakzeptabel und gefährlich.
- •Iran und Oman vereinbarten vorübergehende, gemeinsam verwaltete Schifffahrtskorridore, doch der vollständige Zugang hängt von weitergehenden geopolitischen Konzessionen ab, einschließlich der US-Zustimmung zu Irans Bedingungen.
- •Das Schifffahrtsaufkommen in der Straße liegt unter dem Niveau vor dem Konflikt, die Ölpreise sind gestiegen, und die Kriegsrisikoversicherungsprämien haben sich erhöht.

Iran ist dabei, seinen Griff auf eine der folgenreichsten Wasserstraßen der Welt zu formalisieren. Das Land plant, außerhalb der Straße von Hormuz eine Sperrzone auszurufen und Sanktionen gegen jedes Schiff zu verhängen, das das Gebiet ohne Autorisierung befährt.
Die Straße von Hormuz ist die schmale Passage zwischen Iran und Oman, durch die rund 20 % des weltweiten Öls und Flüssiggases (LNG) transportiert werden. Sie gilt seit langem als wichtigste Öltransit-Engstelle der Welt, und Iran hat in früheren Konfrontationen mit dem Westen wiederholt damit gedroht, sie zu schließen, dies jedoch nie vollständig umgesetzt. Was den aktuellen Schritt unterscheidet, ist der Versuch, die Kontrolle durch ein ständiges Durchsetzungsframework zu institutionalisieren, statt sich auf vereinzelte Behinderungen der Schifffahrt zu verlassen.
Was Iran aufbaut
Teheran hat eine neue Behörde namens Persian Gulf Strait Authority geschaffen, die gemeinsam mit der Marine der Islamic Revolutionary Guard Corps strengere Transitregeln durchsetzt. Die Überwachungszone wurde auf ein Gebiet ausgeweitet, das als zehnmal größer als zuvor beschrieben wird, und reicht von Kuh-e Mobarak im Iran bis zum südlichen Fujairah in den VAE.
Nach dem neuen Rahmenwerk sind ausschließlich Routen zulässig, die ausdrücklich von iranischen Behörden designiert wurden; alle anderen sind gesperrt. Schiffe sind zudem verpflichtet, während der Durchfahrt in aktivem Kontakt mit iranischen Seestreitkräften zu bleiben.
Iran hat bereits Umkehrbefehle erteilt und im Juni 2026 Vorfälle mit Tankern gemeldet, die nicht genehmigte Routen genutzt hatten.
Diese Entwicklungen spielen sich vor dem Hintergrund fragiler Verhandlungen nach dem Konflikt ab, nachdem Feindseligkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und Israel am 28. Februar 2026 begonnen hatten.
Iran weist externe Alternativen zurück
Sowohl Oman als auch die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) schlugen alternative Schifffahrtskorridore vor, um den Druck auf den Handelsschiffsverkehr zu verringern, doch Iran lehnte sie ab. Die IRGC bezeichnete diese Vorschläge im Juni 2026 als „inakzeptabel und gefährlich“.
Die IMO, die UN-Agentur, die für die Regulierung der internationalen Schifffahrt zuständig ist, verfügt über nur begrenzte eigene Durchsetzungsmacht; ihr Einfluss beruht hauptsächlich auf diplomatischem Druck und der Bereitschaft der Mitgliedstaaten und Schifffahrtsnationen, sich kollektiv zur Wehr zu setzen.
Die Gespräche mit Oman haben einige Fortschritte gebracht. Die beiden Länder erzielten Vereinbarungen über vorübergehende, gemeinsam verwaltete Schifffahrtskorridore, doch der vollständige Zugang bleibt von weitergehenden geopolitischen Konzessionen abhängig, einschließlich der US-Zustimmung zu Irans Überwachungsbedingungen. Wie die Vereinigten Staaten auf diese Bedingungen reagieren und ob die von Oman verwalteten Korridore in der Praxis Bestand haben, wird bestimmen, wie schnell sich der Handelsschiffsverkehr normalisiert.
Auswirkungen auf Ölmärkte und die globale Schifffahrt
Das Schifffahrtsaufkommen in der Straße ist unter das Niveau vor dem Konflikt gefallen, und die Ölpreise sind als Reaktion auf die erschwerte Durchfahrt gestiegen. Versicherungsprämien für Schiffe, die die Region durchqueren, haben sich erhöht, da Versicherer das gestiegene Risiko von Zwischenfällen bei der Durchsetzung einpreisen. Höhere Kriegsrisikoprämien schlagen sich letztlich in den Lieferkosten für Energie nieder – ein Mechanismus, der aus früheren Schifffahrtskrisen im Golf bekannt ist.
Die Tragweite geht über den Ölmarkt hinaus. Auch LNG-Lieferungen aus Katar, einem der weltweit größten Exporteure des Rohstoffs, durchqueren die Straße. Europäische Käufer, die nach den russischen Lieferunterbrechungen auf katarisches LNG umgeschwenkt sind, sind nun einem zweiten geopolitischen Engpassrisiko ausgesetzt.