NachrichtenKryptoIWF bestätigt: El Salvador hat staatliche Bitcoin-Käufe unter Druck eingestellt

IWF bestätigt: El Salvador hat staatliche Bitcoin-Käufe unter Druck eingestellt

Autor: Crypto Valley Journal·

Wichtige Erkenntnisse

  • Der IWF bestätigte, dass El Salvador seit Juni 2025 keine staatlich finanzierten Bitcoin-Käufe getätigt hat, was eine Auszahlung von rund 140 Millionen USD im Rahmen des 1,4-Milliarden-USD-EFF-Programms ermöglicht.
  • Die Regierung wies nach, dass die seit Juni 2025 angesammelten Bitcoin-Bestände – einschließlich eines Kaufs von 1.090 BTC im November 2025 – aus privaten Spenden und nicht aus öffentlichen Mitteln stammen.
  • El Salvadors staatliche Bestände belaufen sich auf rund 7.764 BTC im Wert von etwa 630 Millionen USD; das Land hält seine Bitcoin-Bilanz weiterhin, kauft aber nicht mehr mit eigenen Mitteln.
  • Nach IWF-Angaben fehlt El Salvador weiterhin an Transparenz, da nicht offengelegt wurde, wie sich die Bestände auf staatliche Wallets verteilen; zudem müssen Governance und Risikomanagement gestärkt werden.
  • Im Rahmen des Kreditabkommens von 2024 änderte El Salvador Anfang 2025 sein Bitcoin-Gesetz, um die verpflichtende Annahme von Bitcoin durch Unternehmen zu beenden und die staatliche Chivo-Wallet auslaufen zu lassen.
IWF bestätigt: El Salvador hat staatliche Bitcoin-Käufe unter Druck eingestellt

Der Internationale Währungsfonds hat bestätigt, dass El Salvador seit Juni 2025 keine öffentlichen Mittel für den Kauf von Bitcoin eingesetzt hat. Im Gegenzug stellt der Fonds nach einer Programmüberprüfung rund 140 Millionen USD bereit. El Salvador ist damit der Wirtschaftsorganisation entgegengekommen.

Der IWF vergibt Kredite an Staaten mit Finanzierungsproblemen und knüpft diese Darlehen an wirtschaftspolitische Auflagen. Sein mehrjähriges Format ist die Extended Fund Facility (EFF). Der Fonds zahlt in Tranchen aus und prüft vor jeder einzelnen, ob das Land die Bedingungen erfüllt. Werden Auflagen nicht eingehalten, stockt die Auszahlung. Im Jahr 2021 hatte sich El Salvador unter Präsident Nayib Bukele als erstes Land weltweit dazu entschlossen, Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel einzuführen. Seither hat der Fonds den Schritt wiederholt als Risiko für die Finanzstabilität und den Haushalt kritisiert. El Salvador ist gemessen an der Programmgröße einer der kleinsten Kreditnehmer des Fonds in Lateinamerika, der Fall hat jedoch überproportional Aufmerksamkeit erregt – gerade weil er erprobt, wie multilaterale Geber mit einer staatlichen Bitcoin-Politik umgehen.

Im Dezember 2024 einigten sich die Regierung und der Fonds auf ein Kreditprogramm im Wert von 1,4 Milliarden USD. Es sah ausdrücklich den schrittweisen Rückzug des Staates aus der Chivo-Wallet vor. Im Rahmen des Programms änderte das Parlament El Salvadors Anfang 2025 das Bitcoin-Gesetz, sodass die Annahme von Bitcoin für Unternehmen nicht mehr verpflichtend ist. CVJ.CH berichtete damals über das bevorstehende Ende der Bitcoin-Nation. Die Vereinbarung vom September 2026 bestätigt nun erstmals die Einhaltung der bitcoinbezogenen Auflagen. Die staatlichen Bestände liegen bei rund 7.764 BTC im Wert von etwa 630 Millionen USD.

Wie der Fonds feststellte, dass die staatlichen Käufe gestoppt wurden

Die Bestätigung stammt aus der Vereinbarung auf Mitariterebene zwischen IWF-Mitarbeitern und den salvadorianischen Behörden von Anfang September 2026. Sie umfasst die zusammengelegte zweite und dritte Überprüfung des 40-monatigen EFF-Programms. Bemerkenswert ist, dass die Regierung Nachweise vorlegte, wonach der Anstieg der Bestände seit Juni 2025 auf private Spenden zurückging. Der Fonds gibt diese Darstellung in seiner Erklärung zur Vereinbarung auf Mitariterebene wieder. Darüber hinaus erwartet er keine weiteren Ankäufe über die dokumentierten Spenden hinaus.

Formal ist das mehr als eine Fußnote. Die Einschränkung staatlicher Bitcoin-Aktivitäten gehört zu den Auflagen, die El Salvador mit dem Kredit von 2024 akzeptiert hat. Ohne die Feststellung der Mitarbeiter, dass das Land diese Anforderungen erfüllt, könnte die Überprüfung nicht abgeschlossen werden. Die Bitcoin-Politik des Landes ist damit zum Gegenstand einer regelmäßigen Prüfung durch einen externen Gläubiger geworden. Zudem trägt die Regierung – nicht der Fonds – die Beweislast. Letztlich hängt der Zugriff auf weitere Tranchen des 1,4-Milliarden-USD-Programms von dieser Feststellung ab.

Nach Angaben des Fonds arbeitet El Salvador weiterhin an mehr Transparenz. Bislang hat das Land nicht offengelegt, wie sich die Bestände auf seine staatlichen Wallets verteilen. Zugleich möchte der Fonds, dass das Land die Governance und das Risikomanagement seiner öffentlichen Kryptobestände stärkt. Beide Punkte sind offen, obwohl das Programm bereits mehr als eineinhalb Jahre läuft. Wer die Herkunft der gekauften Bitcoin unabhängig nachvollziehen will, ist auf Regierungsangaben angewiesen.

Bestände wuchsen 2025 trotz der IWF-Auflage weiter

Der zeitliche Verlauf der Käufe zeigt, wie schwer die Auflage durchzusetzen war. Im Mai 2025 kündigte der Fonds erstmals an, darauf hinzuwirken, dass die staatlichen Bitcoin-Bestände unverändert bleiben. Kurz danach kaufte die Regierung dennoch acht weitere BTC. Anschließend bezifferte das staatliche Bitcoin-Büro die Bestände auf 6.190,18 BTC. Der Betrag war symbolisch. Das Signal an den Gläubiger war jedoch eindeutig.

Der November 2025 brachte einen weitaus größeren Kauf. El Salvador erwarb an einem einzigen Tag 1.090 BTC für rund 100 Millionen USD – noch nie zuvor hatte das Land an einem Tag mehr gekauft. Zwischen der Ankündigung des Fonds im Mai und diesem großen Kauf lagen sechs Monate. Die Gesamtbestände stiegen damit auf 7.474 BTC – fünf Monate nach dem Stichtag Juni 2025, den der Fonds als Ende der öffentlichen Finanzierung nennt. Laut IWF stammten auch diese 100 Millionen USD aus privaten Spenden und nicht aus staatlichen Mitteln.

Die Bestände stiegen später weiter, auf rund 7.764 BTC. Manche Aufstellungen nennen 7.762 BTC, was auf unterschiedliche Stichtage oder Rundung hindeutet. Der Unterschied ist gering, verdeutlicht aber genau das Transparenzproblem, das der Fopf angemahnt hat. Bislang existiert keine konsolidierte und öffentlich zugängliche Gesamtrechnung über alle staatlichen Wallets.

Was das IWF-Abkommen für El Salvadors Bitcoin-Ambitionen bedeutet

In makroökonomischer Hinsicht fällt die Bilanz für die Regierung günstig aus. Die IWF-Mission prognostiziert für 2026 ein reales BIP-Wachstum von 4,5 %, getragen von Investitionen, privatem Konsum, Rücküberweisungen, Tourismus und Kapitalzuflüssen. Der Preis dafür ist ein Verlust an fiskalischem Spielraum – und dieser Verlust trifft genau jenes Politikfeld, das Bukele sein internationales Profil verliehen hat.

Die Bestände selbst bleiben bestehen und haben an Wert gewonnen. Bei einem Bitcoin-Kurs von rund 81.000 USD sind die etwa 7.764 BTC rund 630 Millionen USD wert. Die Marktkapitalisierung von Bitcoin beträgt 1,63 Billionen USD. Ende 2024 lag der entsprechende Wert bei knapp 600 Millionen USD, als beide Seiten gerade die erste Vereinbarung getroffen hatten. Der Staat hält also weiterhin Bitcoin; er kauft nur nicht mehr mit eigenen Mitteln.

Für andere Länder mit ähnlichen Plänen bietet der Fall eine Blaupause. Ein Staat kann Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklären. Sobald er jedoch multilaterale Kredite benötigt, wird diese Politik verhandelbar. El Salvador hat dem IWF die Käufe aus staatlichen Mitteln, die Annahmepflicht und die Kontrolle über Chivo überlassen. Geblieben sind ein Posten in der Bilanz und der Titel des ersten Landes, das es versucht hat. Ob der Spendenkanal die Bestände weiter wachsen lässt und ob die offenen Transparenzforderungen des Fonds erfüllt werden, wird sich bei den noch ausstehenden Programmüberprüfungen zeigen.