Honda und Nissan wollen ab 2029 gemeinsames Betriebssystem und Bordcomputer für ihre Fahrzeuge nutzen
Wichtige Erkenntnisse
- •Honda und Nissan werden voraussichtlich schon am Montag eine Vereinbarung über die gemeinsame Entwicklung eines Betriebssystems und eines Bordcomputers treffen, mit einem Einsatz in Neuwagen ab etwa 2029.
- •Die Partnerschaft folgt auf gescheiterte Fusionsverhandlungen, baut aber auf einer strategischen Kooperation aus dem Jahr 2024 auf, an der auch Mitsubishi Motors beteiligt ist.
- •Die gemeinsame Plattform soll die erheblichen Entwicklungskosten softwaredefinierter Fahrzeuge aufteilen – ein Ansatz, den auch Toyota und Volkswagen verfolgen.
- •Nissan, das nach einem gesamten Jahr im Minus einen Verlust für April bis Juni meldete und Stellen abbaut, profitiert von der Kostenteilung besonders stark – auch angesichts des Drucks durch US-Zölle.
- •Nissan hat in Tokio Straßentests von Wayves Level-2-Fahrerassistenzsystem mit freien Händen in Ariya-Elektroautos begonnen; ein Verbraucherstart ist für 2027 geplant.

Honda und Nissan werden voraussichtlich schon am Montag eine Vereinbarung darüber treffen, gemeinsam ein einheitliches Betriebssystem und einen einzigen Bordcomputer für ihre Fahrzeuge zu entwickeln. Die gemeinsame Technik ist für Modelle vorgesehen, die etwa 2029 auf den Markt kommen sollen, wie Nikkei Asia berichtet.
Teilung der Entwicklungskosten nach gescheiterter Fusion
Honda-CEO Toshihiro Mibe und Nissan-CEO Ivan Espinosa hatten zuvor ein Zusammengehen ihrer Unternehmen verworfen, wobei die Hersteller zusammen mit Mitsubishi Motors bereits 2024 eine Kooperation in den Bereichen Software und weitere Komponenten im Rahmen einer strategischen Partnerschaft vereinbart hatten. Ein gemeinsames Betriebssystem und ein geteilter Bordcomputer ermöglichen es ihnen nun, die Entwicklungskosten des softwaredefinierten Fahrzeugs aufzuteilen – eines Fahrzeugs, dessen Funktionen im Code stecken und über Funk aktualisiert werden, statt in fester Hardware verankert zu sein. Die Eigenentwicklung solcher Plattformen ist in der gesamten Branche zu einem erheblichen Kostenfaktor geworden – ein Grund, weshalb auch Automobilhersteller wie Toyota und Volkswagen auf Software-Partnerschaften und gemeinsame Architekturen setzen, statt den Weg allein zu gehen.
Das Ziel ist, das gemeinsame System ab 2029 in Neuwagen zu installieren. Nissan, finanziell der schwächere der beiden Partner, profitiert von der Aufteilung besonders. Der Hersteller des Leaf-Elektroautos und der Luxusmarke Infiniti meldete für den Zeitraum April bis Juni einen Verlust, nachdem bereits ein ganzes Geschäftsjahr mit Verlust abgeschlossen wurde. Das Unternehmen hat Stellen abgebaut und Espinosa als neuen Chef berufen, um einen Neuanfang zu führen, wie Cryptopolitan berichtet.
Die Zölle von Präsident Donald Trump belasten zudem Japans Autohersteller, und Nissan spürt den Druck deutlich.
Nissan testet Wayves Level-2-Technik in Ariya-Elektroautos in Tokio
Nissan hat in Tokio öffentliche Straßentests mit dem britischen Startup Wayve begonnen. Wie Cryptopolitan berichtet, wurden in Nissan-Ariya-Elektromodellen Wayves Level-2-System mit „Augen auf, Hände frei" installiert – vor einem Verbraucherstart, den Wayve für 2027 anstrebt. Bei diesem System steuert das Auto Geschwindigkeit und Lenkung, während der Fahrer stets bereit sein muss, die Kontrolle zu übernehmen.
Nissan entwickelt darüber hinaus eigene Fahrerassistenzfunktionen. Der Hersteller gehörte zu den Automobilherstellern, die Nvidias selbstfahrende Plattform DRIVE Hyperion übernommen haben, die auf Nvidias GTC-2026-Event vorgestellt wurde. Honda wiederum zählte zu einer eigenen Gruppe von Herstellern, die Nvidias industrielle Design-Tools nutzen.
Unterhalb dieses Netzwerks externer Zulieferer würde der gemeinsame Honda-Nissan-Bordcomputer stehen, der beiden Unternehmen eine einheitliche Basis zum Anschluss bietet. Wie das Abkommen konkret ausgestaltet wird und ob Mitsubishi Motors die gemeinsame Plattform ebenfalls übernehmen wird, sind offene Punkte, die mit dem Erscheinen weiterer Details zu beobachten sind.