Goldpreis steigt über 4.400 Dollar – US-Inflationsdaten und Iran-Gespräche belasten die Märkte
Wichtige Erkenntnisse
- •Spot-Gold stieg am Dienstag um 0,4 % auf 4.407,79 Dollar pro Unze und erreichte damit seinen höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten, wobei es einen Zwei-Sitzungs-Gewinn von 3,6 % ausbaute.
- •Die Märkte preisen eine Wahrscheinlichkeit von 52 % für eine Zinserhöhung der Federal Reserve im September und 81 % bis Dezember ein, laut Daten von CME FedWatch.
- •Die People's Bank of China erhöhte ihre Goldreserven im Juli um den größten Betrag seit Oktober 2023 und stärkte damit die Nachfrage neben stärkeren Zuflüssen in chinesische goldgedeckte ETFs.
- •Der Iran erklärte, dass er die Straße von Hormuz nicht wieder öffnen werde, bis die Vereinigten Staaten ihre Seeblockade iranischer Häfen aufheben und zusätzliche Bedingungen erfüllen, darunter Entschädigungen und die Aufhebung von Sanktionen.
- •Analysten identifizieren eine technische Widerstandszone im Bereich von 4.460 bis 4.500 Dollar, wobei ein Ausbruch potenziell den Weg in Richtung 5.000 Dollar eröffnen könnte.

Gold steigt weiter, während Investoren die bevorstehenden US-Inflationsdaten und die anhaltenden diplomatischen Spannungen um die Straße von Hormuz genau beobachten. Spot-Gold kletterte am Dienstag um 0,4 % auf 4.407,79 Dollar pro Unze, während Gold-Futures um 1,1 % auf 4.467,59 Dollar zulegten. Das Edelmetall hat nun seinen höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten erreicht.
Die jüngste Bewegung baut auf einem starken Zwei-Sitzungs-Aufschwung auf. Gold gewann am Montag und Freitag zusammen 3,6 % hinzu, nachdem die US-Beschäftigungszahlen (Nonfarm Payrolls) für Juli schwächer als erwartet ausfielen. Allein die Freitagssitzung verzeichnete einen Anstieg um 2,4 %. Der Montagschluss bei knapp 4.390 Dollar markierte das höchste Tagesergebnis seit fast zehn Wochen. Gold hat sich mittlerweile von einem Juni-Tief von 3.942 Dollar erholt.
Inflationsdaten im Fokus
Die Händler warten auf den Verbraucherpreisindex (CPI) am Mittwoch. Volkswirte erwarten für Juli einen Anstieg von 0,1 %, nachdem der Vormonat einen Rückgang von 0,4 % verzeichnet hatte. Auch der Erzeugerpreisindex (PPI) am Donnerstag wird genau beobachtet werden. Beide Berichte gemeinsam könnten die Erwartungen für den nächsten Schritt der Federal Reserve bei den Leitzinsen prägen – und damit auch die Opportunitätskosten für die Haltung nicht verzinslicher Vermögenswerte wie Gold.
Die Märkte preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 52 % für eine Zinserhöhung im September und 81 % bis Dezember ein, laut Daten von CME FedWatch. Beth Hammack, Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, erklärte, dass möglicherweise noch mehrere Zinserhöhungen nötig seien, um die Inflation wieder auf 2 % zurückzuführen. Sie gehörte zu den drei Offiziellen, die im vergangenen Monat gegen die Beibehaltung der Zinsen stimmten.
Gold zahlt keine Zinsen und verliert daher tendenziell an Attraktivität, wenn die Zinsen steigen. Dennoch sind die Käufer trotz dieses Risikos zurückgekehrt. Analysten bei IG nennen Fear-of-Missing-out-Käufe (FOMO), Short-Covering und Safe-Haven-Nachfrage als die wichtigsten Treiber. Investoren, die den Goldrückgang in Richtung 4.000 Dollar verpasst haben, jagen nun der Erholung hinterher.
Iran-Spannungen und Ölpreise erhöhen den Druck
Die Straße von Hormuz bleibt ein zentraler Risikofaktor. Die schmale Wasserstraße bewältigt etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs, sodass jede Störung eine direkte Bedrohung für die Energiepreise und damit auch für die weltweiten Inflationserwartungen darstellt. Der Iran erklärte, dass er kurz vor einer Vereinbarung mit Oman über alternative Schiffsrouten stehe, fügte jedoch hinzu, dass die USA weitere Bedingungen erfüllen müssten, bevor die Straße wieder geöffnet wird.
Iranian Foreign Ministry spokesperson Esmail Baghaei said Iran will not reopen the Strait of Hormuz until the United States ends its naval blockade on Iranian ports. Iran wants the U.S. to lift the blockade, pay compensation for months of war damage, lift economic sanctions and… pic.twitter.com/jABYrN4exa — The Associated Press (@AP) August 10, 2026
Präsident Donald Trump stellte diese Woche neue Forderungen an den Iran und trübte damit die Aussichten auf ein kurzfristiges Abkommen. Infolgedessen hielt der Ölpreis seinen dreitägigen Aufwärtstrend bei. Höhere Ölpreise erhöhen die Inflationsrisiken, was die Fed zwingen könnte, die Zinsen länger auf einem hohen Niveau zu belassen. Dies erzeugt ein gemischtes Bild für Gold – eines, in dem Safe-Haven-Nachfrage und Zinsdruck-Gegenwinde in entgegengesetzte Richtungen wirken.
China bietet stetige Nachfrageunterstützung
China sorgt für eine stetige Unterstützung auf der Nachfrageseite. Die People's Bank of China erhöhte ihre Goldreserven im Juli um den größten Betrag seit Oktober 2023. Auch chinesische goldgedeckte Exchange-Traded-Fonds verzeichneten in der vergangenen Woche höhere Zuflüsse, was den Kaufschwung verstärkte. Goldkäufe von Zentralbanken waren in den letzten Jahren eine strukturelle Stütze der Nachfrage, wobei Reservemanager aus Schwellenländern kontinuierlich Barren als Absicherung gegen Währungs- und geopolitische Unsicherheiten ansammeln.
Technischer Ausblick
Technisch gesehen identifizieren Analysten eine Widerstandszone im Bereich von 4.460 bis 4.500 Dollar. Ein Ausbruch über diesen Bereich könnte den Weg für eine Bewegung in Richtung 5.000 Dollar ebnen, obwohl dieses Niveau noch weit über den aktuellen Preisen liegt. Gold notiert immer noch etwa 17 % unter dem Niveau, das es vor Beginn des Iran-Krieges Ende Februar erreicht hatte.