NachrichtenMakroInflation in den deutschen Bundesländern zieht im August an und deutet auf einen höheren nationalen CPI-Wert hin

Inflation in den deutschen Bundesländern zieht im August an und deutet auf einen höheren nationalen CPI-Wert hin

Autor: ForexLive·

Wichtige Erkenntnisse

  • Deutsche Bundesländer wie Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen meldeten jeweils einen August-CPI von 2,9 % im Jahresvergleich – über den Vorwerten –, Baden-Württemberg lag bei 2,6 %.
  • Die monatlichen Inflationswerte lagen in den vier Bundesländern zwischen 0,1 % und 0,2 %, nach dem starken Anstieg im Juli.
  • Der nationale deutsche CPI wird bei etwa 2,9 % bis 3,0 % erwartet und entspricht damit weitgehend den Konsensschätzungen von 2,95 %.
  • Als größte Volkswirtschaft des Euroraums hat die deutsche Inflation ein erhebliches Gewicht im Eurozonen-Aggregat und fließt in den Flash-CPI von Eurostat ein.
  • Die Daten stützen die Erwartung, dass die EZB im September erneut die Leitzinsen erhöhen wird, um eine leicht restriktive Ausrichtung zu erreichen und möglichen Zweitrundeneffekten vorzubeugen.
Inflation in den deutschen Bundesländern zieht im August an und deutet auf einen höheren nationalen CPI-Wert hin

Die für August veröffentlichten Inflationsdaten der deutschen Bundesländer zeigen, dass die Verbraucherpreise weiter schneller steigen, wobei die Jahreswerte flächendeckend zulegten. Die deutschen Bundesländer veröffentlichen ihre eigenen CPI-Schätzungen vor der gesamtnationalen Zahl; deshalb werden diese regionalen Werte genau beobachtet, als früher Hinweis darauf, wohin sich die deutsche – und damit auch die Eurozonen-Inflation – entwickelt.

Jahreswerte:

  • Bayern: August-CPI +2,9 % ggü. +2,8 % im Vorjahresvergleich zuvor
  • Sachsen: August-CPI +2,9 % ggü. +2,7 % im Vorjahresvergleich zuvor
  • Nordrhein-Westfalen: August-CPI +2,9 % ggü. +2,7 % im Vorjahresvergleich zuvor
  • Baden-Württemberg: August-CPI +2,6 % ggü. +2,5 % im Vorjahresvergleich zuvor

Auch die monatlichen Schätzungen fallen nach dem starken Anstieg im Juli kräftiger aus:

  • Bayern: August-CPI +0,2 % m/m
  • Sachsen: August-CPI +0,2 % m/m
  • Nordrhein-Westfalen: August-CPI +0,2 % m/m
  • Baden-Württemberg: August-CPI +0,1 % m/m

Insgesamt bestätigen die Daten erneut, dass die Preisdrucke in der deutschen Wirtschaft breiter zunehmen, statt überwiegend durch Basiseffekte getrieben zu werden. Als größte Volkswirtschaft des Euroraums hat Deutschland ein erhebliches Gewicht im aggregierten Inflationsmaß der Eurozone, sodass ein höherer deutscher Wert die gesamt-europäische Zahl tendenziell ebenfalls nach oben zieht.

Auf Basis dieser Landesdaten wird der gesamtdeutsche CPI-Wert bei seiner späteren Veröffentlichung voraussichtlich bei rund 2,9 % oder 3,0 % (aufgerundet) liegen, was weitgehend mit den Konsensschätzungen von 2,95 % (3,0 %) übereinstimmt. Die nationale deutsche Veröffentlichung fließt ihrerseits in die kurz danach von Eurostat publizierte Flash-CPI-Schätzung der Eurozone ein, sodass diese Länderdaten ein früher Input für das Bild der EZB von den Preisdrucken in der Währungsunion sind.

Für die Europäische Zentralbank ändern die Werte zwar nichts am Ausblick in Richtung September, doch stützen sie das Argument für einen von Marktbeobachtern als Positionierungsschritt bezeichneten Schritt der Notenbank. Die EZB ist bereit, ihre Leitzinsen erneut zu erhöhen, um die Geldpolitik in eine leicht restriktive Ausrichtung zu überführen – ausgehend von einer Negativzinspolitik, die sie in einem Straffungszyklus nachholen lässt, der bei anderen großen Notenbanken wie der Federal Reserve bereits weit fortgeschritten ist.

Ziel ist es dieser Sicht zufolge, sich auf einen anhaltenden Kampf gegen die Inflation und gegen mögliche Zweitrundeneffekte vorzubereiten, die sich Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres einstellen könnten.

Quelle: ForexLive