George Will sagt, MAGA-Christen – darunter JD Vance – spiegeln die „Sozialisten“ wider, die sie verurteilen
Wichtige Erkenntnisse
- •Der langjährige konservative Kolumnist George Will, der die Republikanische Partei vor etwa zehn Jahren wegen Donald Trump und der MAGA-Bewegung verlassen hat, nutzte eine Ende September erschiene Washington-Post-Kolumne, um „MAGA-Christen“ zu kritisieren und nannte darunter ausdrücklich Vizepräsident JD Vance.
- •Will vertritt die Auffassung, dass christliche „Integralisten“, die seiner Beschreibung nach überwiegend katholisch sind, den von ihnen verurteilten Sozialisten gleichen, da beide politische Umwälzungen versprechen, die das Heil herbeiführen sollen.
- •Die Kolumne nennt den Harvard-Rechtsprofessor Adrian Vermeule, Autor des „Common-Good-Constitutionalism“, als die führende intellektuelle Figur des Integralismus – eines Ansatzes, der den Originalismus, die auf der juristischen Rechten lange bevorzugte Auslegungsmethode, ausdrücklich in Frage stellt.
- •Will weist die Behauptung zurück, Amerika sei als christliche Nation gegründet worden, und argumentiert, dass sechs bedeutende Gründerväter, darunter Washington, Jefferson und Madison, deistische oder unitarisch geprägte Überzeugungen vertraten statt orthodoxen Christentums.
- •Die Kritik beleuchtet einen anhaltenden Streit innerhalb des amerikanischen Konservatismus darüber, wie weit christliche Lehre in Recht und Regierungsführung ausgreifen sollte; ob Vance oder Vermeule öffentlich reagieren werden, ist unklar.

Der konservative Washington-Post-Kolumnist George Will, der vor rund einem Jahrzehnt aus Protest gegen Donald Trump und die MAGA-Bewegung die Republikanische Partei verlassen hat, hat seine Haltung seither nicht gemildert. In einer Ende September veröffentlichten Kolumne richtet Will seine Kritik gegen MAGA-Christen – darunter Vizepräsident JD Vance – und argumentiert, dass sie in mehrfacher Hinsicht den „Sozialisten“ ähneln, die sie verurteilen. Dass diese Kritik von einer der etabliertesten Stimmen des rechten Lagers kommt – und sich gegen die religiös-politische Weltanschauung des amtierenden Vizepräsidenten richtet –, unterstreicht einen Streit innerhalb des amerikanischen Konservatismus selbst darüber, wie weit christliche Lehre in Recht und Regierungsführung hineinwirken sollte.
„Undeterred by the axiom that there can be indecent exposure of the mind as well as the body“, schreibt der 85-jährige Will in der Post, „the Democratic Socialists of America candidly announce their agenda. Religious 'integralists' should be similarly explicit. DSAers want to scrap the Constitution in order to facilitate confiscating wealth, private property and other impediments to government-enforced equality and social perfection. Christian integralists, who are disproportionately Catholic, are devout and determined to make the nation more so. They would enliven politics if they would specify the measures they advocate to, as they mistakenly say, return America to being a 'Christian nation.'"
Viele MAGA-Christen sind fundamentalistische protestantische Evangelikale, doch Vance – der 2019 zum Katholizismus konvertierte – wird von Will als ein Hauptbeispiel eines „Integralisten“ angeführt.
„Integralists want to integrate spiritual and temporal (government) power, subordinating the latter to the former“, argumentiert Will. „Harvard law professor Adrian Vermeule, the most intellectually interesting integralist, opposes 'the relentless expansion of individualistic autonomy,' and those who are 'enslaved to the original meaning of the Constitution.' Integralists have no 'horror of political domination and hierarchy' because law — government — must be 'parental, a wise teacher and an inculcator of good habits.'"
Will fährt fort: „Vermeule's constitutionalism aims not to 'protect liberty' as 'an end in itself,' because 'constraints on power are good only derivatively,' by serving the integralist agenda, which requires robust parental government. Government should 'direct' individuals and society toward virtuous living through 'respect for the authority of rule and of rulers; respect for the hierarchies needed for society to function.' Well.“
Die Verweise zielen auf eine aktuelle Debatte innerhalb des konservativen rechtswissenschaftlichen Denkens ab: Vermeule hat einen von ihm sogenannten „Common-Good-Constitutionalism“ vorangetrieben – einen Ansatz, der in juristischen Kreisen in den letzten Jahren Aufmerksamkeit Widerspruch erregt hat, weil er sich ausdrücklich gegen den Originalismus positioniert, die auf der juristischen Rechten lange bevorzugte Auslegungsmethode.
Nach Auffassung von Will widerspricht der „integralistischen“ Christentum den „libertären“ Prinzipien, und er vertritt die Ansicht, dass Integralisten die Gründung Amerikas falsch beschreiben.
„Integralists who speak, as Vance does, of 'the Christian foundation of this country,' are baptizing the Founders without their permission“, schreibt Will. „The six most important — Franklin, Washington, Adams, Jefferson, Madison, Hamilton — held, tepidly, various flavors of deism, which says a clockmaker deity got the universe going, then His attention wandered. The six tended toward unitarianism, the watery belief that there is at most one God. Integralists, like socialists, promise political transformations that will achieve salvation for our fallen world. Jesus said, 'My kingdom is not of this world' (John 18:36). Integralists, like socialists, are more ambitious.“
Ob die von Will namentlich Genannten – darunter Vance und Vermeule – öffentlich reagieren, bleibt abzuwarten. Wills vollständige Kolumne erscheint in The Washington Post. Dieser Bericht erschien ursprünglich bei Alternet.