FTC und 22 Bundesstaaten verklagen Amazon wegen angeblicher Ad-Preisvertreibung um 20 Milliarden Dollar
Wichtige Erkenntnisse
- •Die FTC und 22 Bundesstaaten reichten Klage beim US-Bezirksgericht für den westlichen Distrikt von Washington ein; ihnen zufolge hat Amazon heimlich Werbepreise für rund 1,2 Millionen Werbekunden erhöht.
- •Die FTC behauptet, Amazon habe nach den Regeländerungen von 2019 in bis zu 80 Prozent der Auktionen für gesponserte Produktanzeigen eigene Gebote abgegeben und Werbekunden um mindestens 20 Milliarden Dollar überfordert.
- •Amazon wies die Vorwürfe zurück und erklärte, die durchschnittlichen Kosten pro Klick seien von 2019 bis 2024 stabil geblieben; zwischen 2021 und 2025 habe das Unternehmen Werbekunden rund 8 Milliarden Dollar gespart.
- •Amazon ist bereits mit einer separaten FTC-Monopolklage konfrontiert, die im nächsten Jahr vor Gericht gehen soll; im vergangenen Jahr zahlte das Unternehmen 2,5 Milliarden Dollar zur Beilegung von Vorwürfen über Täuschung bei Prime-Abonnements.
- •Amazons Aktienkurs fiel am Montag nach der Nachricht von der Klage um rund 2,5 Prozent.

Die US-Handelsaufsichtsbehörde FTC und eine überparteiliche Gruppe aus 22 Bundesstaaten haben am Montag eine Bundesklage gegen Amazon eingereicht. Sie werfen dem Unternehmen vor, über Jahre hinweg ein Schema betrieben zu haben, um Werbepreise für mehr als eine Million Unternehmen heimlich in die Höhe zu treiben. Die Klage wurde beim US-Bezirksgericht für den westlichen Distrikt von Washington eingereicht.
FTC & 22 STATES TO SUE $AMZN OVER ALLEGED SECRET AD PRICE HIKES
The FTC is expected to allege Amazon manipulated its ad auctions by inserting its own "soft reserve" bid above the runner-up bid, effectively raising the minimum price advertisers had to pay. The practice… pic.twitter.com/ffXicNdmxx — Wall St Engine (@wallstengine) August 31, 2026
Woraus die Anschuldigungen gegen Amazon bestehen
Die Beschwerde richtet sich gegen drei Werbeformen: gesponserte Produkte, Markenwerbung und Displaywerbung – die Anzeigen, die neben den Suchergebnissen erscheinen, wenn Käufer auf Amazon nach Produkten suchen. Für viele Verkäufer sind diese Placements faktisch eine Geschäftsgrundlage: Produkte, die nicht nahe dem Ende der Suchergebnisse oben erscheinen, werden von Käufern weit seltener gesehen. Die Vorwürfe zu den Auktionsmechanismen betreffen daher den Kern der Existenz der Millionen von Händlern, die auf den Marktplatz angewiesen sind.
Nach Darstellung der FTC änderte Amazon im Jahr 2019 seine Auktionsregeln und begann anschließend, die Mindestpreise für Werbeplatzierungen stillschweigend anzuheben. Laut der Beschwerde gab Amazon teilweise eigene Gebote in die Auktionen ab und erhöhte so die Kosten für andere Werbekunden, ohne deren Wissen. Die Behörde behauptet, Amazon habe in bis zu 80 Prozent der Auktionen für gesponserte Produktanzeigen interveniert.
Das angebliche Schema betraf rund 1,2 Millionen Werbekunden, die laut FTC seit den Regeländerungen von 2019 um mindestens 20 Milliarden Dollar zu viel bezahlt haben. Weil die Werbekunden mehr zahlten, hätten die Unternehmen ihre eigenen Preise erhöht, um die Zusatzkosten auszugleichen – sodass am Ende auch die Verbraucher mehr zahlten, so die FTC. Die Behörde fordert insgesamt Schadensersatz in Höhe von „Dutzenden Milliarden“.
Amazon wehrt sich
Amazon wies die Vorwürfe in einem am Montag veröffentlichten Blogbeitrag zurück. Das Unternehmen erklärte, seine Werberichtlinien seien darauf ausgelegt, Käufern die relevantesten Anzeigen zu zeigen – nicht darauf, Kosten in die Höhe zu treiben.
Amazon teilte mit, die durchschnittlichen Kosten pro Klick seien von 2019 bis 2024 stabil geblieben, während die durch diese Klicks generierten Umsätze sogar gestiegen seien. Das Unternehmen gab außerdem an, Werbekunden zwischen 2021 und 2025 rund 8 Milliarden Dollar gespart zu haben; zudem seien die durchschnittlichen Gewinngebote bei gesponserten Produktanzeigen in der Suche von 2019 bis 2025 um 50 Prozent gesunken.
„Amazons Preisgestaltung widerspricht jeder Behauptung eines Schadens für Verbraucher“, erklärte das Unternehmen.
Breiterer rechtlicher und geschäftlicher Kontext
Amazon ist bereits mit einer separaten FTC-Klage wegen angeblicher Monopolstellung bei der Preisgestaltung und seines Verhältnisses zu Drittanbietern konfrontiert, die im nächsten Jahr vor Gericht gehen soll. Im vergangenen Jahr willigte das Unternehmen ein, 2,5 Milliarden Dollar zu zahlen, um FTC-Vorwürfe beizulegen, es habe Kunden in Prime-Abonnements getäuscht.
Amazon ist inzwischen nach Google und Meta das drittgrößte digitale Werbeunternehmen der Welt. Die Werbeumsätze stiegen im zweiten Quartal dieses Jahres um 26 Prozent auf 19,8 Milliarden Dollar. Werbung ist zu einer der profitabelsten Einnahmequellen Amazons geworden; der Ausgang des Verfahrens wird von Werbekunden, konkurrierenden Werbeplattformen und Aufsichtsbehörden, die die Auktionspraktiken großer Tech-Unternehmen prüfen, aufmerksam verfolgt.
Das Verfahren befindet sich noch in einem frühen Stadium: Es wird erwartet, dass Amazon die Vorwürfe vor Gericht bestreitet, und eine Entscheidung – durch Prozess, Vergleich oder Verfahrenseinstellung – dürfte erhebliche Zeit in Anspruch nehmen. Zu den künftigen Beobachtungspunkten gehören Amazons formale gerichtliche Stellungnahme, die Frage, ob weitere Bundesstaaten oder Werbekunden sich anschließen oder eigene Ansprüche einreichen, und wie das Verfahren mit der separaten FTC-Monopolklage zusammenwirkt, die im nächsten Jahr vor Gericht geht.
Amazons Aktienkurs fiel am Montag nach der Nachricht von der Klage um rund 2,5 Prozent.