NachrichtenAktienSteigende Frachtraten durch Kapazitätsengpässe, nicht durch Nachfrage: Q2-Zahlen zeigen anhaltend engen Markt

Steigende Frachtraten durch Kapazitätsengpässe, nicht durch Nachfrage: Q2-Zahlen zeigen anhaltend engen Markt

Autor: FreightWaves·

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Kontraktraten sind im Jahresvergleich um 18 % gestiegen, während die Spot-Raten bei rund 3,53 USD pro Meile gegenüber einem Jahresdurchschnitt von 2,79 USD liegen.
  • JB Hunt verzeichnete ein Umsatzwachstum von 19 %, hauptsächlich getrieben durch Intermodal-Volumina, während Knight-Swift die Konsensschätzungen um über 20 % übertraf, mit einem Umsatzwachstum von 12,6 % und einer verbesserten Operating Ratio.
  • Union Pacific, CSX und Norfolk Southern meldeten jeweils zweistelliges Umsatzwachstum im Jahresvergleich, teilweise bedingt durch den Wechsel von Verladern zum Intermodalverkehr bei steigenden Truckload-Raten.
  • Die Tender-Ablehnungen bleiben mit 15,44 % historisch erhöht, was auf anhaltende Kapazitätsengpässe hindeutet, selbst als Spot-Raten und Ablehnungen ein normales saisonales Plateau zeigen.
  • Regulatorische Hürden, Fahrermangel und auf Auslastung fokussierte Flottenstrategien verhindern den Marktzutritt neuer Kapazitäten trotz steigender Raten, was einen Verknappungszyklus aufrechterhält, der nach Analysteneinschätzung mindestens bis 2027 andauern wird.
Steigende Frachtraten durch Kapazitätsengpässe, nicht durch Nachfrage: Q2-Zahlen zeigen anhaltend engen Markt

Die aktuellen Q2-Zahlen großer Trucking- und Schienenverkehrsunternehmen zeichnen ein klares Bild: Der Frachtmarkt ist eng, und die Raten steigen. Die treibende Kraft ist jedoch kein Nachfrageschub, sondern ein kapazitätsgetriebener Verknappungszyklus, der nach Einschätzung eines FreightWaves-Analysten mindestens bis 2027 anhalten wird.

Laut SONAR-Daten liegen die Spot-Raten bei rund 3,53 USD pro Meile gegenüber einem Jahresdurchschnitt von 2,79 USD. Die Kontraktraten sind im Jahresvergleich um 18 % gestiegen, wobei der SONAR-Kontraktratenindex bei 269 Linehaul gegenüber einem Jahresdurchschnitt von 241 liegt – ein erheblicher Anstieg für den Kontraktmarkt, gemessen ab August 2025. Die Tender-Ablehnungen bleiben mit 15,44 % erhöht. Diese Kennzahl misst, wie häufig Frachtführer angebotene Ladungen ablehnen, und gilt als weit verbreiteter Indikator für die Enge der verfügbaren Kapazitäten.

JB Hunt und Knight-Swift liefern starke Ergebnisse

JB Hunt, der am 15. Juli berichtete, verzeichnete ein Umsatzwachstum von 19 % im Jahresvergleich und schlug die Gewinnerwartungen um fast 10 %. Der Intermodalverkehr war das primäre Wachstumstreiber, wobei die Volumina um 10 % stiegen und das operative Ergebnis deutlich anstieg.

Auch Knight-Swift (KNX) übertraf die Erwartungen. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 12,6 %, und die Konsensschätzungen wurden um mehr als 20 % übertroffen. Die Operating Ratio von KNX verbesserte sich von 93,8 auf 91,4. Das Management führte die Gewinne auf regulatorische und Compliance-bezogene Druckfaktoren zurück, die nicht-konforme Kapazitäten aus dem Markt drängten und somit Raum für Ratensteigerungen bei konformen Frachtführern schufen. KNX verwies zudem auf zweistellige Kontraktratensteigerungen, höhere Spot-Raten und steigende Tender-Ablehnungen. Das Unternehmen betonte ausdrücklich, dass die Kontraktratensteigerungen im Juni begannen und sich dieser Trend im Juli fortgesetzt hat.

Class-1-Eisenbahnen melden breitenwachstum

Drei Class-1-Eisenbahngesellschaften meldeten positive Ergebnisse:

  • Union Pacific: 12 % Umsatzwachstum im Jahresvergleich bei 4 % Volumenwachstum
  • CSX: 10 % Umsatzwachstum im Jahresvergleich bei 6,1 % Volumenwachstum
  • Norfolk Southern: 11 % Umsatzwachstum im Jahresvergleich

Der Analyst führte die Stärke der Schiene teilweise auf einen Modalwechsel zurück, da Verlader angesichts steigender Truckload-Raten Ladungen auf den Intermodalverkehr verlagerten. Kommentare aus den Telefonkonferenzen der Eisenbahngesellschaften hoben starke Volumina sowohl bei Konsumgütern als auch bei Industrieprodukten hervor, was im Einklang mit dem steht, was FreightWaves als industrielle Renaissance beschrieben hat.

Spot-Raten und Tender-Ablehnungen zeigen saisonales Plateau

Während sich die Spot-Raten auf dem Niveau von rund 3,50 USD eingependelt haben und die Tender-Ablehnungen in der Nähe von 15,5 % stabilisiert haben, wertete der Analyst beide Muster als normale Julisaisonalität. Dennoch bleiben die Tender-Ablehnungen mit 15,44 % im historischen Kontext erhöht, und die Kontraktraten setzen ihren Aufwärtstrend fort. Der 18-prozentige Jahresanstieg des SONAR-Kontraktratenindex stellt eine beträchtliche Bewegung für ein Marktsegment dar, das sich normalerweise allmählicher verändert, da Kontraktraten auf festen Bedingungen zwischen Verladern und Frachtführern verhandelt werden und in der Regel den Spotmarktbewegungen hinterherhinken.

Kapazitätsengpässe bestehen fort

In einer FreightWaves-Ergebniszusammenfassung wurde das KNX-Management zitiert: „Before adding any new tractors, management noted that there is significant opportunity to enhance utilization, particularly since some trucks remain unseated."

Diese Beobachtung unterstreicht ein prägendes Merkmal des aktuellen Zyklus: Die Kapazitäten kehren auch bei steigenden Raten nicht schnell zurück. In typischen Frachtzyklen locken erhöhte Raten neue Marktteilnehmer an und veranlassen bestehende Flotten zur Expansion, was letztlich Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht bringt. Mehrere strukturelle Barrieren erklären, warum diese normale Marktreaktion diesmal ausgeblieben ist:

  • Regulatorische Hürden: Zusätzliche Regulierungen rund um CDL-, DOT- und MC-Nummer-Anforderungen haben die Eintrittsbarrieren für neue Frachtführer erhöht.
  • Flottenstrategie: Große Flotten priorisieren die Auslastung vorhandener Ausrüstung gegenüber einer Expansion.
  • Fahrermangel: Die Rekrutierung und Bindung von Fahrern bleibt schwierig, sodass selbst bei großen Frachtführern Trucks ohne Fahrer bleiben.

Im Gegensatz zu früheren Frachtzyklen, die durch Nachfrageschübe getrieben wurden, ist diese Verknappung durch einen Rückgang der verfügbaren Kapazitäten verursacht worden – eine Dynamik, die der Analyst als beispiellos bezeichnete.

Kraftstoffkosten als zusätzlicher Druckfaktor

Brent-Rohöl erreichte nach Angriffen im Roten Meer 100 USD pro Fass. SONAR-Kraftstoffindizes zeigen, dass die Einzelhandelsraten schneller steigen als die Großhandelsraten, was eine Lücke schafft, die laut dem Analysten eine kurzfristige Arbitrage-Möglichkeit für Flotten bietet, die Kraftstoff im Großhandel einkaufen. Es wird erwartet, dass diese Lücke besteht, bis die Großhandelspreise aufholen.

Ausblick

Der Analyst geht davon aus, dass sich der kapazitätsgetriebene Verknappungszyklus weit in den Zyklus hinein fortsetzen wird, und verweist auf anhaltende Stärke bei den wichtigsten Kennzahlen: „All signs pointing towards a continued really strong freight market where we expect contract rates to continue to rise, spot rates to remain elevated, tender rejections to remain elevated.“ Für Frachtführer stellt das Umfeld eine Gelegenheit dar, zu Rateniveaus zurückzukehren, die Profitabilität ermöglichen.

Quelle: FreightWaves