WSJ's Timiraos: Die bevorstehende Sitzung der Federal Reserve gehört zu den unvorhersehbarsten seit Jahren
Wichtige Erkenntnisse
- •Die bevorstehende geldpolitische Sitzung der Federal Reserve gilt als eine der unvorhersehbarsten seit Jahren, wobei die Zinsentscheidung zwischen Beibehaltung und Erhöhung äußerst knapp ausfällt.
- •Schwächere Inflationsdaten vom Juni und ein nicht überhitzter Arbeitsmarkt sprechen für eine Beibehaltung der Zinsen, während steigende Ölpreise infolge erneuter Nahostkonflikte für eine weitere Erhöhung plädieren.
- •Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh hat sein Bekenntnis zur Preisstabilität betont, aber keine bevorzugte geldpolitische Richtung erkennen lassen, was seine Haltung besonders entscheidend macht.
- •Der Markt preist derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 40 % für eine Zinserhöhung bei der Septembersitzung ein, da sich die interne Debatte auf der bevorstehenden Sitzung voraussichtlich nicht klären wird.
- •Die US-Aktienmärkte stehen im Vorfeld der Entscheidung weiter unter Druck, wobei der NASDAQ 2,5 % und der S&P 500 1,3 % im Minus notieren.

Die Federal Reserve steuert nach Angaben des Wall Street Journal-Korrespondenten Nick Timiraos, der als einer der bestinformierten Journalisten über die Zentralbank gilt, auf eine ihrer unsichersten geldpolitischen Sitzungen seit Jahren zu. Die Entscheidung über eine erneute Leitzinserhöhung ist zu einem äußerst knappen Fall geworden, da widersprüchliche wirtschaftliche und geopolitische Kräfte die Notenbanker in entgegengesetzte Richtungen ziehen.
Erneute Spannungen im Nahen Osten und steigende Ölpreise stärken das Argument für eine weitere Zinserhöhung, während schwächere Inflationsdaten weiterhin für eine Beibehaltung der Geldpolitik sprechen. Die größte Unbekannte ist laut Timiraos der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh, der wiederholt sein Bekenntnis zur Wiederherstellung der Preisstabilität betont, aber keine Andeutung darüber gemacht hat, in welche Richtung er tendiert. Die Fed handelt nach einem vom Kongress erteilten Doppelmandat, das sowohl maximale Beschäftigung als auch Preisstabilität anstrebt, und die aktuelle Lage bringt die Spannung zwischen diesen beiden Zielen auf die Probe.
Argumente für eine Beibehaltung der Zinsen
Die Inflationsdaten vom Juni fielen schwächer als erwartet aus, wobei die zugrundeliegenden Preissteigerungstendenzen Anzeichen einer Abschwächung zeigten. Die Beschäftigungszahlen deuten nicht auf einen überhitzten Arbeitsmarkt hin, der eine restriktivere Geldpolitik erforderlich machen würde.
Viele Fed-Verantwortliche betrachten Zölle und höhere Ölpreise als vorübergehende Angebotsschocks, die die Geldpolitik größtenteils ignorieren sollte. Einige Notenbanker glauben, dass die Inflation ihren Höhepunkt wahrscheinlich überschritten hat und in den kommenden Quartalen allmählich sinken wird. Eine Beibehaltung der Zinsen auf dieser Sitzung würde der Fed zusätzliche Zeit geben, einzuschätzen, ob der jüngste Ölpreisanstieg tatsächlich vorübergehend ist.
Argumente für eine Zinserhöhung
Auf der anderen Seite der Debatte haben erneute Kampfhandlungen unter Beteiligung des Iran die Ölpreise nach oben getrieben und die Inflationsrisiken verschärft. Die Kerninflation bleibt trotz jüngster Verbesserungen über dem 2 %-Ziel der Fed. Die Wirtschaft hat weiterhin Widerstandsfähigkeit gezeigt, wobei die finanziellen Bedingungen verhältnismäßig akkommodierend bleiben.
Mehrere Fed-Verantwortliche glauben, dass die aktuelle Geldpolitik möglicherweise nicht mehr restriktiv genug ist. Einige argumentieren, dass eine moderate Zinserhöhung jetzt den Bedarf an späteren, größeren Erhöhungen verringern könnte, falls sich die Inflation als hartnäckiger erweist.
Kernbotschaft
Timiraos stellt fest, dass die Fed offensichtlich eng gespalten ist, was die Haltung von Vorsitzendem Warsh besonders entscheidend macht. Selbst wenn die Zinsen in der nächsten Woche unverändert bleiben, wird sich die Debatte kaum auflösen. Viele Notenbanker könnten ihre Aufmerksamkeit auf eine mögliche Zinserhöhung bei der Septembersitzung richten, falls die Inflationsrisiken bestehen bleiben.
Der Markt preist derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 40 % für eine Erhöhung bei der Septembersitzung ein.
Die US-Aktienmärkte stehen weiter unter Druck, wobei der NASDAQ 2,5 % und der S&P 1,3 % im Minus notieren. Der NASDAQ-Index testet einen wichtigen Schwankungsbereich zwischen 24.913 und 25.109, wobei der aktuelle Kurs bei 25.037 liegt. Der 100-Tage-Durchschnitt steigt ebenfalls an und nähert sich bei 24.686,59. Der Index hatte zuletzt am 13. April unter diesem Durchschnitt gehandelt.
Quelle: ForexLive / InvestingLive