Fed steht vor erster Zinserhöhung seit 2023: Was das für Bitcoin, Anleihen und Trump bedeutet
Wichtige Erkenntnisse
- •CME FedWatch beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Viertelpunkt-Zinserhöhung am Mittwoch auf 94,5 % – vor einem Monat lag sie unter 50 % –, was den Federal Funds Rate von derzeit 3,50 %–3,75 % auf eine Spanne von 3,75 %–4 % anheben würde.
- •Die Gesamte锣 CPI lag im August bei jährlich 3,4 %, die Kernrate bei 2,5 % – beide über dem 2-%-Ziel der Fed –, während die durch den Iran-Konflikt erhöhten Ölpreise zusätzlichen Preisauftrieb erzeugen.
- •Nahezu jede Großbank erwartet eine Erhöhung, die meisten prognostizieren insgesamt 50 Basispunkte Straffung bis Jahresende, während Bank of America, Deutsche Bank und RBC 75 Basispunkte fordern.
- •Die Rendite zehnjähriger Treasuries erreichte diese Woche 5,04 %, den höchsten Stand seit Juli 2007, und die Zwei-Jahres-Rendite ihren höchsten Stand seit Juli 2024, da Händler die Erhöhung und eine längere Phase erhöhter Renditen einpreisen.
- •Bitcoin wurde am Dienstag bei rund 75.700 $ gehandelt, rund 3,2 % niedriger, nachdem der Clarity Act die Abstimmung über die Sitzungsunterbrechung im Senatfehlt hatte; laut technischen Indikatoren könnte ein Tageschluss unter 73.200 $ die Tür zu 71.000 $ und 66.900 $ öffnen.

Die Wall Street stellt sich darauf ein, dass die Federal Reserve etwas tut, das sie seit 2023 nicht mehr getan hat: die Zinsen erhöhen.
Das Federal Open Market Committee beendet am Mittwoch seine zweitägige Sitzung, und CMEs FedWatch-Tool, dessen Wahrscheinlichkeiten aus dem Pricing von Federal Funds Futures abgeleitet werden, beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung um einen Viertelpunkt auf 94,5 % – vor einem Monat lag sie noch unter 50 %. Wird der Schritt vollzogen, würde das den Federal Funds Rate – den Overnight-Zinssatz zwischen Banken, der die kurzfristigen Kreditkosten in der gesamten Wirtschaft verankert – auf eine Zielspanne von 3,75 %–4 % anheben, von derzeit 3,50 %–3,75 %.
Der Wandel von unwahrscheinlich zu nahezu allgemeingültig vollzog sich schnell. Eine in dieser Woche veröffentlichte Umfrage des Wall Street Journal ergab, dass nahezu jede Großbank nun am Mittwoch eine Erhöhung erwartet, wobei die meisten – darunter Barclays, Citigroup, JPMorgan, Morgan Stanley und UBS – insgesamt 50 Basispunkte Straffung bis Jahresende prognostizieren. Bank of America, Deutsche Bank und RBC gehen noch hawkisher ins Feld und fordern 75 Basispunkte an Straffung in diesem Jahr.
Goldman Sachs steht am taubenende der Erhöhungs-Befürworter und plant nur den Viertelpunkt dieser Woche ein – und nichts weiter. Jefferies und Oxford Economics sind die Ausnahmen: Sie prognostizieren eine Senkung im Dezember bzw. 2027.
Höhere Zinsen verteuern Kredite, was den Konsum dämpft und Anlagen belastet, die vom bill Geld profitieren – etwa Aktien und Bitcoin. Zugleich werfen sichere Staatsanleihen mehr ab und ziehen Kapital aus riskanteren Wetten ab. Der Druck geht jedoch weniger von der Erhöhung selbst aus als davon, dass niemand weiß, wie viele weitere folgen werden: Die Märkte hassen diese Unsicherheit und preisen sie bereits ein, noch bevor die Fed überhaupt gesprochen hat.
Warum die Fed handelt
Das Argument für eine Erhöhung stützt sich auf eine Inflation, die sich nicht fügen will. Die Gesamte锣 CPI – inklusive Lebensmittel und Energie – lag im August bei jährlich 3,4 %, die Kernrate ohne diese Posten bei 2,5 % – beide klar über dem 2-%-Ziel der Fed. Die durch den anhaltenden Konflikt mit dem Iran getriebenen Ölpreise haben eine zusätzliche Preisschicht erzeugt, die weder Zölle noch Zinssenkungen leicht ausgleichen können.
Die Fed hielt die Zinsen im Juli bei 3,50 % bis 3,75 % stabil, doch die Entscheidung ging nur mit 9 zu 3 Stimmen der 12 stimmberechtigten Mitglieder durch – drei Währungshüter drängten damals bereits auf eine Erhöhung. Diese interne Spaltung, kombiniert mit einem stärker als erwarteten Arbeitsmarktbericht für August, brachte das Committee in dieser Woche auf Straffungskurs.
Auf Konfrontationskurs in der Politik
Die erwartete Erhöhung versetzt Fed-Chef Kevin Warsh in eine unangenehme Lage. Präsident Donald Trump hatte Warsh im Januar persönlich für den Posten ausgewählt und ihn bei seiner Vereidigung im Mai dazu aufgerufen, „total unabhängig“ zu sein – während er klar machte, dass er niedrigere Zinsen erwartete. Das ist nicht geschehen – zumindest nicht in dem Sinne, wie Trump „total unabhängig“ verstanden haben wollte.
Trump, Vizepräsident JD Vance und Finanzminister Scott Bessent haben sich in den vergangenen zwei Wochen alle öffentlich für Senkungen ausgesprochen, wobei Trump sogar drohte, den Handel mit Ländern mit Überschüssen gegenüber den USA einzustellen, falls die Zinsen nicht sinken. Warsh erklärte, der Präsident habe keinen Einfluss auf Fed-Entscheidungen genommen.
Die Erhöhung käme zwei Monate vor den Zwischenwahlen im November, bei denen Umfragen bereits eine frustrierte Wählerschaft wegen hoher Preise und Kreditkosten zeigen – und sie kommt teilweise infolge der Zoll- und Iran-Konfliktpolitik, die Trump selbst vorangetrieben hat.
Die Anleihemärkte haben bereits reagiert
Die Anleihemärkte haben nicht auf Mittwoch gewartet. Die Rendite zehnjähriger Treasuries – der Maßstab, der Hypothekenzinsen und Unternehmenskreditkosten zugrunde liegt – erreichte diese Woche 5,04 %, den höchsten Stand seit Juli 2007, da Händler sowohl die Erhöhung als auch eine längere Phase erhöhter Zinsen einpreisten. Die empfindlichere Zwei-Jahres-Rendite erreichte ihren höchsten Stand seit Juli 2024.
Höhere Renditen machen Treasuries im Vergleich zu Risikopapieren attraktiver und stärken tendenziell den Dollar – ein Gegenwind für Anlagen wie Krypto, die vom billigen Geld profitieren.
Was das für Bitcoin und Altcoins bedeutet
Der Kryptomarkt geht bereits angeschlagen in die Entscheidung. Bitcoin wechselte am Dienstag bei rund 75.700 $ den Besitzer, rund 3,2 % niedriger am Tag nachdem der Clarity Act – der lange erwartete Marktstruktur-Gesetzentwurf der Branche – bei der Sitzungsunterbrechungs-Abstimmung im Senat gescheitert war, dem Verfahrensschritt, der nötig ist, um einen Gesetzentwurf zur endgültigen Verabschiedung voranzubringen. Bitcoin liegt damit deutlich unter seinem September-Hoch von nahezu 82.000 $.
Bei 73.200 $ scheint BTC an einer roten Linie zu stehen: Ein Tageschluss darunter öffnet laut technischen Indikatoren die Tür zu 71.000 $ und sogar 66.900 $, was dem Kursausbruch faktisch zunichtemachen würde, der auch Bitcoins aktuellen Golden Cross erzeugt hat – ein Muster, das entsteht, wenn ein kürzerfristiger Durchschnitt einen längerfristigen nach oben kreuzt und typischerweise als bullisches Signal gelesen wird.
Nicht jeder liest eine Erhöhung als rein negativ. Einige Analysten argumentieren, dass ein Viertelpunktschritt, der in erster Linie langfristige Treasury-Renditen verankern soll, statt die Finanzbedingungen tatsächlich zu straffen, das mittelfristige Bild des Kryptomarkts weitgehend unberührt lassen könnte. Entscheidend sei in dieser Lesart, ob die Entscheidung und Warshs Ton bei der Pressekonferenz die Märkte im Verhältnis zu den bereits eingepreisten Erwartungen überraschen.
Höher-beta Altcoins dürften ohnehin in beide Richtungen stärkere prozentuale Schwankungen zeigen als Bitcoin – bedingt durch dünnere Liquidität und höhere Verschuldung.
Darauf zu achten ist
Die Fed-Erklärung und der aktualisierte Dot Plot – die Prognosen des Committees, wohin jedes einzelne Mitglied die Zinsen in den kommenden Jahren sehen wird – werden am Mittwoch um 14 Uhr ET erwartet, gefolgt von Warshs Pressekonferenz um 14:30 Uhr ET. Händler achten darauf, ob die Offiziellen weiterhin nur eine weitere Erhöhung in diesem Jahr einplanen – oder etwas näher an den zwei zusätzlichen Schritten, die Bank of America, Deutsche Bank und RBC inzwischen fordern.