EyePoint-Aktie (EYPT) stürzt um 71 % auf 52-Wochen-Tief – DURAVYU verpasst primären Endpunkt der Phase-3-Studie
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Aktie von EyePoint Pharmaceuticals brach nach den LUGANO-Topline-Ergebnissen um mehr als 71 % ein, da DURAVYU den primären Endpunkt im Gesamtdatensatz verfehlte.
- •Eine Ad-hoc-Analyse ergab eine Nicht-Unterlegenheit von DURAVYU gegenüber Aflibercept, nachdem eine kleine Patientengruppe ausgeschlossen worden war, deren Sehverlust nicht auf die feuchte AMD zurückzuführen war.
- •Zu den sekundären Befunden gehörten eine um 42 % geringere Behandlungslast, hohe Raten ohne ergänzende Injektionen bis Woche 56, eine solide anatomische Kontrolle und ein sauberes Sicherheitsprofil.
- •EyePoint erwartet die Daten seiner zweiten pivotalen Phase-3-Studie, LUCIA, für Ende 2026; eine Einreichung bei den US-Behörden bleibt in der ersten Jahreshälfte 2027 möglich, sofern die Ergebnisse dies stützen.
- •Das Unternehmen betreibt zudem Phase-3-Programme beim diabetischen Makulaödem und hat angegeben, über liquide Mittel bis zum vierten Quartal 2027 zu verfügen.

Die Aktie von EyePoint Pharmaceuticals (EYPT) fiel am 17. August 2026 um mehr als 71 % auf ein 52-Wochen-Tief von 4,06 US-Dollar, nachdem das Unternehmen die Topline-Ergebnisse seiner pivotalen Phase-3-Studie LUGANO veröffentlicht hatte. In der Studie wurde DURAVYU 2,7 mg bei Patienten mit feuchter altersbedingter Makuladegeneration geprüft; das Präparat verfehlte dabei den primären Endpunkt der Sehschärfe, gemessen am vollständigen Patientendatensatz.
Dieser Endpunkt im Gesamtdatensatz ist die entscheidende regulatorische Hürde – und die Schlagzeile, auf die die Anleger reagiert haben. Der Kursverfall kam rasch und zeigte, wie stark die kurzfristige Entwicklung von EyePoint an dieser einen Datenauswertung hing.
Ad-hoc-Analyse zeigt Nicht-Unterlegenheit
EyePoint lieferte gleichwohl eine Einordnung des Fehlschlags. In einer Ad-hoc-Analyse, die eine kleine, asymmetrische Kohorte von Patienten ausschloss, deren Sehverlust nicht auf die feuchte AMD zurückzuführen war, zeigte DURAVYU Nicht-Unterlegenheit gegenüber Aflibercept gemäß Zulassung. Ad-hoc-Analysen haben jedoch ein geringeres regulatorisches Gewicht als der vorab festgelegte primäre Endpunkt – ein Unterschied, den der Markt rasch eingepreist hat.
Die sekundären Ergebnisse waren ausgesprochen stark. DURAVYU senkte die Behandlungslast im Vergleich zu Aflibercept um 42 %. Darüber hinaus zeigten die Patienten bis Woche 56 hohe Raten ohne ergänzende Injektionen, eine solide anatomische Kontrolle der Erkrankung sowie ein sauberes Sicherheitsprofil bei wiederholter Verabreichung.
Für eine Therapie der feuchten AMD ist diese Kombination relevant, da der kommerzielle Erfolg bei Netzhauterkrankungen häufig nicht allein von den visuellen Ergebnissen abhängt, sondern auch davon, ob ein Präparat die Häufigkeit der Injektionen senken und dabei die Kontrolle über die Erkrankung bewahren kann.
Was die Daten tatsächlich zeigen
Das Präparat ist nicht vollständig gescheitert. Es verfehlte den primären Endpunkt im Gesamtdatensatz – die entscheidende regulatorische Kennzahl –, doch das Gesamtbild fällt gemischter aus, als der Kursrückgang vermuten lässt.
EyePoint verweist nun auf seine zweite pivotalle Phase-3-Studie, LUCIA, deren Daten Ende 2026 erwartet werden. Eine Einreichung bei den US-Behörden bleibt für die erste Jahreshälfte 2027 im Raum, vorbehaltlich der LUCIA-Ergebnisse; dieser Weg hängt jedoch stark davon ab, was die zweite Studie liefert.
Zudem führt das Unternehmen parallel Phase-3-Programme beim diabetischen Makulaödem durch. Damit bleibt die Pipeline über die Indikation der feuchten AMD hinaus aktiv, und die Anleger haben nach dem LUGANO-Rückschlag einen weiteren klinischen Katalysator im Blick.
Analystenziele weiterhin weit über dem aktuellen Kurs
Vor Bekanntgabe der Studienergebnisse hatte Mizuho sein Kursziel für EYPT auf 39 US-Dollar angehoben und die Einstufung „Outperform“ aufrechterhalten. Stifel hatte die Berichterstattung mit einem „Buy“-Rating und einem Kursziel von 40 US-Dollar aufgenommen.
Die jüngste erfasste Analysteneinstufung lautet „Buy“ bei einem Kursziel von 39 US-Dollar. Das impliziert ein enormes Kurspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau, wobei diese Ziele vor den neuen Daten erstellt wurden und angepasst werden könnten.
EYPT weist eine Beta von 1,74 auf, was die hohe Volatilität der Aktie widerspiegelt. Selbst vor dem Kurssturz hatte die Aktie über die vergangenen zwölf Monate 33 % zugelegt – ein Beleg dafür, wie stark binäre klinische Datenauswertungen eine Biotech-Aktie bewegen können.
Unternehmensführung und Finanzlage
Die Aktionäre haben kürzlich einer Änderung des Langfristigen Anreizplans 2023 (2023 Long-Term Incentive Plan) von EyePoint zugestimmt, die 4,9 Millionen zusätzliche genehmigte Aktien vorsieht. Auf der Jahreshauptversammlung 2026 wurden unter anderem Göran Ando, M.D., und Jay S. Duker, M.D., als Direktoren gewählt, deren Amtszeit bis 2027 reicht.
Die Marktkapitalisierung von EyePoint liegt derzeit bei rund 1,27 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen hat erklärt, dass seine liquiden Mittel bis ins vierte Quartal 2027 reichen, wodurch es Zeit hat, die nächste Datenauswertung und seine weiteren Spätphasenprogramme voranzutreiben. Die Daten der Phase-3-Studie LUCIA werden für Ende 2026 erwartet.