EUR/USD-Aufwärtstrend hält vor erwarteter EZB-Zinserhöhung an
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Märkte erwarten weitgehend, dass die EZB ihren Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,50% anheben wird – die zweite Erhöhung des Jahres.
- •Stark gestiegene Energiepreise und eine Inflation von über 3% in der Eurozone erhöhen den Druck auf die EZB, eine restriktive geldpolitische Haltung beizubehalten.
- •Volkswirte betrachten die erwartete Zinserhöhung überwiegend als letzten Schritt im aktuellen Zyklus, während die Deutsche Bank eine mögliche Erhöhung im Dezember auf 2,75% prognostiziert.
- •Die Zinserwartungen an die Federal Reserve und die nächsten US-Verbraucherpreisdaten könnten EUR/USD über Veränderungen der Renditedifferenz zwischen den USA und der Eurozone maßgeblich beeinflussen.
- •EUR/USD ist über seinen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt gestiegen. Ein Halten der Marke 1.1604 stützt die bullische Struktur, während ein Ausbruch über 1.1654 zunächst Ziele bei 1.1680 und 1.1710 eröffnen könnte.

EUR/USD notierte vor dem geldpolitischen Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) nahe einem Zweiwochenhoch um 1,1640. Die Märkte erwarteten weithin eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte, da die Währungshüter auf den erneuten Inflationsdruck durch stark gestiegene Energiepreise reagieren.
Der erwartete Schritt würde den Einlagensatz der EZB von 2,25% auf 2,50% anheben und wäre die zweite Zinserhöhung der Zentralbank in diesem Jahr, nachdem sie im Juni ihre Straffung wieder aufgenommen hatte. Da die Erhöhung weitgehend eingepreist ist, dürfte der wichtigste richtungsweisende Impuls für EUR/USD von den Hinweisen der EZB-Präsidentin Christine Lagarde abhängen, ob eine weitere Straffung erforderlich sein wird.
Energieschock verändert den EZB-Zinsausblick
Der erneute Anstieg der Energiepreise ist zum wichtigsten makroökonomischen Faktor hinter der zunehmend restriktiven Haltung der EZB geworden. Brent-Rohöl ist nach einer weiteren Eskalation des US-iranischen Konflikts und Beeinträchtigungen der Schifffahrt im Nahen Osten wieder über US$100 je Barrel gestiegen. Die Inflation in der Eurozone liegt über 3% und damit deutlich über dem mittelfristigen Ziel der EZB von 2%.
Diese Kombination schafft ein schwieriges politisches Umfeld. Höhere Öl- und Gaspreise treiben gleichzeitig die Inflation nach oben und belasten das Wirtschaftswachstum. Die Währungshüter müssen daher entscheiden, wie entschlossen sie auf einen weiterhin überwiegend angebotsbedingten Inflationsschock reagieren sollten.
Auf ihrer Sitzung im Juli beließ die EZB den Einlagensatz unverändert bei 2,25% und erklärte, die vollständigen inflationären Auswirkungen des Energieschocks seien noch nicht eingetreten. Außerdem kündigte sie an, indirekte Effekte und Zweitrundeneffekte genau zu beobachten. Daher wird die Kommunikation der EZB im Anschluss an die heutige Entscheidung besonders wichtig sein. Hinweise darauf, dass sich die höheren Energiekosten auf Preise für Dienstleistungen, Löhne oder Inflationserwartungen ausbreiten, würden das Argument für weitere Zinserhöhungen stärken.
Die Märkte prüfen, ob die Zinserhöhung die letzte sein wird
Die zentrale Frage für EUR/USD lautet, ob 2,50% den Höhepunkt des aktuellen EZB-Zyklus markieren werden.
Eine in der vergangenen Woche veröffentlichte Reuters-Umfrage zeigte, dass Volkswirte allgemein mit der heutigen Erhöhung um 25 Basispunkte auf 2,50% rechneten. Die Mehrheit prognostizierte jedoch, dass dies die letzte Zinserhöhung im aktuellen Zyklus sein werde. Das Wachstum in der Eurozone dürfte relativ schwach bleiben, während sich der Lohndruck abgeschwächt hat. Dadurch sinkt das Risiko einer weiteren anhaltenden Lohn-Preis-Spirale.
Dennoch hat sich die Risikobilanz zugunsten einer restriktiveren Haltung verschoben, da sich der Konflikt im Nahen Osten verschärft hat. Die Deutsche Bank erwartet beispielsweise inzwischen eine weitere EZB-Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember, wodurch der potenzielle endgültige Einlagensatz auf 2,75% steigen könnte. Die Bank argumentiert, dass anhaltende inflationsbedingte Risiken durch die Energiepreise eine längerfristig straffere Geldpolitik erforderlich machen könnten.
Diese Unterscheidung ist für EUR/USD relevant. Sollte Lagarde signalisieren, dass 2,50% der Höchststand sein könnten, dürfte es dem Euro schwerfallen, seine jüngsten Gewinne auszubauen, da die erwartete Zinserhöhung bereits stark diskontiert ist. Eine Formulierung hingegen, die darauf hindeutet, dass der EZB-Rat insbesondere bei einem Durchschlagen der Energieinflation auf die Kernpreise weiterhin zu einer weiteren Zinserhöhung bereit ist, würde die Märkte dazu bewegen, einen höheren endgültigen EZB-Zinssatz einzupreisen, und könnte einen positiven Impuls für EUR/USD liefern.
EZB-Fed-Erwartungen bleiben für EUR/USD entscheidend
EUR/USD wird auch vom relativen Zinsausblick für die EZB und die Federal Reserve beeinflusst und nicht nur von der EZB-Entscheidung isoliert betrachtet.
Die Federal Reserve hält ihren Leitzins derzeit bei 3.50%-3.75%. Eine Reuters-Umfrage zeigte, dass rund 70% der Volkswirte erwarteten, dass die Fed bei ihrer Sitzung am 15.-16. September unverändert bleiben würde. Die Marktbewertung ist jedoch nach stärkeren US-Wirtschaftsdaten und erneut aufgekommenen Inflationssorgen deutlich restriktiver geworden.
Der Markt für Fed-Funds-Futures preiste eine Wahrscheinlichkeit von etwa 62% für eine Zinserhöhung der Fed in diesem Monat ein. Höhere Energiepreise schaffen zudem Aufwärtsrisiken für die US-Inflation (siehe Abb. 1).
Damit ergeben sich mehrere mögliche Szenarien für die relativen Zinserwartungen bei EUR/USD. Eine restriktive EZB bei zugleich stabilen Erwartungen an die Fed würde das Währungspaar stützen. Sollte die EZB dagegen signalisieren, dass ihr Straffungszyklus nahezu abgeschlossen ist, während die Erwartungen an eine Fed-Zinserhöhung steigen, geriete EUR/USD unter Abwärtsdruck. Wenn die Märkte weitere Zinserhöhungen beider Zentralbanken einpreisen, dürfte das Währungspaar stärker auf Wirtschaftswachstum und Renditedifferenzen von Anleihen reagieren.
Die morgige Veröffentlichung der US-Verbraucherpreisdaten könnte daher für EUR/USD beinahe ebenso wichtig sein wie die heutige EZB-Sitzung. Eine höher als erwartete US-Inflation würde die Erwartungen an eine Straffung durch die Fed verstärken und könnte die Renditedifferenz zwischen den USA und der Eurozone wieder zugunsten des US-Dollar ausweiten.
EUR/USD steigt wieder über den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt
Aus kurzfristiger technischer Sicht, bezogen auf die nächsten ein bis drei Tage, könnte der jüngste korrigierende Rückgang von EUR/USD um 1,23% beendet sein. Das Währungspaar fiel von einem Hoch von 1.1712 am 21. August 2026 auf ein Tief von 1.1566 am 2. September 2026.
Seit Freitag, dem 4. September 2026, notiert der Kurs nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten außerhalb der Landwirtschaft wieder über seinem steigenden gleitenden 20-Tage-Durchschnitt. Das Währungspaar bewegt sich zudem wieder über den wichtigen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt bei 1.1623. Zum Zeitpunkt der Erstellung lag der Intraday-Kurs bei 1.1638 (siehe Abb. 2).
Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass EUR/USD in eine neue kleinere bullische Impulsbewegung eintreten könnte. Die Marke von 1.1604 ist die kurzfristig entscheidende Unterstützung für den Erhalt dieser Struktur. Ein Anstieg über den kurzfristigen Widerstand bei 1.1654 würde zunächst die mittleren Widerstandsniveaus bei 1.1680 und 1.1710 ins Visier nehmen.
Ein Unterschreiten von 1.1604 und ein anschließender Stundenschluss unterhalb dieser Marke würden das bullische Bild hingegen neutralisieren. Dies könnte den Weg für eine unruhige kleinere Korrektur in Richtung der nächsten mittleren Unterstützungen bei 1.1583 und 1.1560 öffnen.
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