Eurozonen-BIP im zweiten Quartal auf 0,6 % nach oben revidiert – Handel treibt Beschleunigung an
Wichtige Erkenntnisse
- •Das finale BIP der Eurozone im zweiten Quartal wurde auf 0,6 % gegenüber dem Vorquartal nach oben revidiert, nach einer zweiten Schätzung von 0,4 % und stagnierendem Wachstum im ersten Quartal.
- •Der Nettohandel trug 0,9 Prozentpunkte zum Wachstum im zweiten Quartal bei, während der private Konsum 0,2 % beisteuerte und Lagerbestände 0,5 % abzogen.
- •Das Wachstum fiel in den großen Volkswirtschaften ungleichmäßig aus: Spanien bei +0,7 %, Deutschland bei +0,3 % und Italien bei +0,2 %.
- •Der Bericht dürfte die Erwartungen an die EZB kaum wesentlich verschieben, da die rückwärtsgewandte Endveröffentlichung den Wirtschaftspolitikern wenig neue Informationen liefert.
- •Der Aufschwung im zweiten Quartal beruht stark auf externer Nachfrage, und ein vom Nettohandel abhängiges Wachstum könnte schwerer aufrechtzuerhalten sein, wenn die globale Nachfrage schwächer wird.

Das finale BIP der Eurozone im zweiten Quartal lag bei +0,6 % gegenüber dem Vorquartal und damit über der zweiten Schätzung von +0,4 %. Der Vorwert für das erste Quartal betrug 0,0 %.
Die nachträgliche Aufwärtsrevision ist für die Wirtschaftspolitiker des Euroraums eine willkommene Nachricht, insbesondere nach der eher stagnativen Dynamik im ersten Quartal. Das jährliche BIP-Wachstum des Euraraums stieg auf 1,2 %, übertraf damit die zweite Schätzung von 1,0 % und lag deutlich über den 0,3 % des ersten Quartals.
Die Detailzahlen
Der Handel war der dominierende Treiber und trug 0,9 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum des Euroraums bei. Der private Konsum steuerte bescheidene 0,2 % bei, was jedoch durch einen negativen Effekt der Lagerbestände ausgeglichen wurde, die dem BIP des zweiten Quartals 0,5 % abzogen.
Insgesamt erscheint der Aufschwung im zweiten Quartal an der Oberfläche stärker als in der Tiefe. Das Wachstum wurde stark von Exporten und dem Nettohandel getragen und nicht von einer breiten Beschleunigung der Inlandsnachfrage, während die Investitionen schwach blieben. Diese Zusammensetzung ist für den Ausblick relevant: Der Nettohandel kann von Quartal zu Quartal schwanken, und ein Wachstum, das auf der externen Nachfrage statt auf inländischem Konsum und Investitionen beruht, dürfte schwerer aufrechtzuerhalten sein, wenn die globale Nachfrage nachlässt.
Wie ist dies im Vergleich zur Wirtschaftstätigkeit im ersten Quartal einzordnen?
Das BIP der Eurozone lag im ersten Quartal quartalsweise unverändert, sodass die Expansion im zweiten Quartal eine deutliche Belebung der Wirtschaftstätigkeit markiert.
Was hat die Verbesserung der Wirtschaftsleistung verursacht?
Die Erholung war breit, aber ungleichmäßig. Spanien (+0,7 %) blieb eine der stärkeren großen Volkswirtschaften, während Deutschland (+0,3 %) und Italien (+0,2 %) nur moderater wuchsen.
Was sagt das über die Wirtschaft der Eurozone aus?
Die Wirtschaft hat nach der Stagnation im ersten Quartal wieder an Dynamik gewonnen, was darauf hindeutet, dass die Wirtschaftstätigkeit besser standhält als befürchtet. Das Wachstum bleibt jedoch moderat und zwischen den Mitgliedsländern ungleichmäßig.
Was bedeutet das für die EZB?
Der Bericht zeigt, dass es der Wirtschaft der Eurozone einigermaßen gut geht, doch selbst mit der besseren Revision liefert er den Wirtschaftspolitikern wenig neue Informationen. Die Märkte werden ihre Erwartungen an die EZB allein auf Basis dieser Veröffentlichung daher kaum wesentlich ändern. Als rückwärtsgewandte Endveröffentlichung erscheinen die Daten erst deutlich nach Quartalsende, sodass die kurzfristigen Entscheidungen der EZB eher von eingehenden Indikatoren wie Inflationsdaten, PMIs und Lohndaten für das laufende Quartal abhängen dürften.
Für die Zukunft wird die nächste Runde monatlicher Umfrage- und Aktivitätsdaten zeigen, ob die Belebung des extern getriebenen Wachstums im zweiten Quartal ins dritte Quartal übertragen wurde oder ob sich die Belastung durch schwache Investitionen und eine schwache Inlandsnachfrage wieder durchsetzte.