Inflation im Euro-Raum steigt im Juli auf 2,9 % – Kernpreise ziehen ebenfalls an und halten die EZB unter Druck
Wichtige Erkenntnisse
- •Die jährliche Kopfnoteninflation im Euro-Raum stieg im Juli von 2,8 % im Juni auf 2,9 % und lag damit im Einklang mit den Markterwartungen.
- •Die Kerninflation übertraf die Prognosen und stieg gegenüber dem Vorjahr auf 2,5 % – von 2,4 % im Juni –, was darauf hindeutet, dass sich die Preisdrucke nicht allein auf Energiekosten beschränken.
- •Die Energiepreis-Inflation beschleunigte sich deutlich auf 10,0 % gegenüber dem Vorjahr, während die Dienstleistungs-Inflation auf 3,3 % anstieg – ein Zeichen für anhaltendes binnenwirtschaftliches, nachfragegetriebenes Preiswachstum.
- •Sowohl die Kopf- als auch die Kerninflationsrate liegen weiterhin deutlich über dem mittelfristigen Ziel von 2,0 % der Europäischen Zentralbank, was die Argumentation für eine kurzfristige Pause der Geldpolitik erschwert.
- •Der Markt preiste eine Wahrscheinlichkeit von etwa 66 % für eine EZB-Zinserhöhung im September ein, wobei bis Jahresende mit rund 38 Basispunkten zusätzlicher Straffung gerechnet wird.

Vorläufige Daten vom 31. Juli zeigten, dass die jährliche Kopfnoteninflation im Euro-Raum im Juli 2,9 % erreichte – ein Anstieg gegenüber 2,8 % im Juni und in Übereinstimmung mit den Markterwartungen von 2,9 %.
Die Kerninflation, die volatile Nahrungsmittel- und Energiekosten ausschließt, zog ebenfalls an: Sie stieg gegenüber dem Vorjahr auf 2,5 % und lag damit über den von Ökonomen erwarteten 2,4 % sowie dem im Juni verzeichneten Wert von 2,4 %. Dieser Anstieg der zugrundeliegenden Preisdrucke deutet darauf hin, dass sich die Inflationstendenzen nicht allein auf die Energiekosten beschränken. Die Dienstleistungspreise werden von EZB-Entscheidern besonders aufmerksam beobachtet, da sie als Indikator für binnenwirtschaftliche, nachfragegetriebene Preissteigerungen dienen. Ihr anhaltend hohes Niveau signalisiert, dass Lohnwachstum und Konsumausgaben der privaten Haushalte weiterhin Aufwärtsdruck ausüben.
Inflationsaufschlüsselung für Juli:
- Nahrungsmittelpreis-Inflation: +1,2 % (gegenüber +1,5 % zuvor)
- Energiepreis-Inflation: +10,0 % (gegenüber +8,5 % zuvor)
- Dienstleistungs-Inflation: +3,3 % (gegenüber +3,2 % zuvor)
Auf monatlicher Basis stiegen die Energiepreise um 2,4 % und die Dienstleistungspreise um 1,1 %, während die Nahrungsmittelpreise unverändert blieben.
Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig eine Inflation von 2,0 % an. Sowohl die Kopf- als auch die Kernrate für Juli liegen weiterhin deutlich über dieser Schwelle, was darauf hindeutet, dass die Preisdrucke in mehreren Bereichen der Wirtschaft des Euro-Raums fortbestehen. Die EZB befindet sich in einem anhaltenden Straffungszyklus, dessen Ziel darin besteht, die Inflation wieder auf dieses Zielniveau zurückzuführen. Die aktuellsten Zahlen erschweren die Argumentation für eine kurzfristige Pause.
Die Daten stützen die Einschätzung, dass die EZB ihren Kurs nicht auflockern kann, wenn die Entscheidungsträger nach der Sommerpause wieder zusammentreten. Sollten die August-Daten einen ähnlichen Trend zeigen, rechnen Marktteilnehmer weitgehend mit einer weiteren Leitzinserhöung auf der EZB-Sitzung im September.
In Übereinstimmung mit diesen Erwartungen preisten Trader auf Basis der aktuellsten Daten eine Wahrscheinlichkeit von etwa 66 % für eine Zinserhöhung im September ein – ein moderater Anstieg gegenüber rund 64 % zu Beginn der Woche. Bis Jahresende preiste der Markt rund 38 Basispunkte zusätzliche Straffung ein, wobei etwa 52 Basispunkte an Zinserhöhungen vor Mitte 2027 eingepreist waren.