Geschäftstätigkeit im Euroraum legt im August trotz Schwäche in Frankreich und Deutschland weiter zu
Wichtige Erkenntnisse
- •Die vorläufigen August-PMIs übertrafen die Erwartungen: Dienstleistungen bei 51,7 gegenüber 51,5 erwartet, Industrie bei 52,8 gegenüber 51,8 und der Composite bei 52,1 gegenüber 51,7 – allesamt expansiv.
- •Der Index des verarbeitenden Gewerbes stieg auf ein 51-Monats-Hoch, die Industrieproduktion erreichte ein 54-Monats-Hoch, und neue Exportgeschäfte legten erstmals seit etwa viereinhalb Jahren wieder zu.
- •Das Wachstum außerhalb von Frankreich und Deutschland beschleunigte sich deutlich; der Rest der Region verzeichnete das schnellste Dienstleistungswachstum seit mehr als drei Jahren, unterstützt durch höhere Tourismuseinnahmen.
- •Die Inflation der Inputkosten sank auf den niedrigsten Stand seit Februar, blieb jedoch deutlich erhöht und über dem Niveau vor Beginn des Konflikts im Nahen Osten.
- •S&P Global erwartet für das dritte Quartal ein BIP-Wachstum im Euroraum von rund 0,3% und geht davon aus, dass die EZB ihre restriktive Haltung wahrscheinlich beibehält; weitere baldige Zinserhöhungen sind nicht ausgeschlossen.

Die Geschäftstätigkeit im Euroraum gewann im August laut vorläufigen PMI-Schätzungen weiter an Dynamik, wobei sowohl der Dienstleistungs- als auch der Industriesektor die Konsenserwartungen übertrafen, obwohl die Werte aus Frankreich und Deutschland schwächer ausfielen.
Die wichtigsten Zahlen:
- August vorläufiger Dienstleistungs-PMI: 51,7 gegenüber erwarteten 51,5; der Juli-Wert lag bei 51,7.
- August vorläufiger Industrie-PMI: 52,8 gegenüber erwarteten 51,8; der Juli-Wert lag bei 51,9.
- August vorläufiger Composite-PMI: 52,1 gegenüber erwarteten 51,7; der Juli-Wert lag bei 52,0.
Auf der Purchasing Managers' Index-Skala signalisieren Werte über 50 einen Anstieg der Aktivität gegenüber dem Vormonat, während Werte unter 50 auf einen Rückgang hindeuten. Alle drei Hauptindizes weisen damit auf Wachstum hin. Der Composite-Index bündelt die Umfragen für Industrie und Dienstleistungen zu einem Gesamtindikator für die Bedingungen im privaten Sektor. Als vorläufige Schätzungen — auf Grundlage von rund 85% der üblichen Umfrageteilnehmer — liefern sie jeden Monat das früheste Bild der Konjunktur im Euroraum und werden von Entscheidungsträgern und Märkten vor den offiziellen Wachstums- und Inflationsdaten genau beobachtet.
Die Ergebnisse kamen nach den zuvor schwächeren Daten aus Frankreich und Deutschland, den beiden größten Volkswirtschaften Europas, überraschend — besonders bei den Dienstleistungen. Das Wachstum im Dienstleistungssektor blieb gegenüber Juli unverändert, fiel aber dennoch besser aus als in Frankreich und Deutschland, während sich das Wachstum im übrigen Euroraum deutlich beschleunigte.
Auch das verarbeitende Gewerbe entwickelte sich stark. Der Sektorindex stieg auf ein 51-Monats-Hoch, den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren, während die Industrieproduktion im August ein 54-Monats-Hoch erreichte.
Insgesamt stützten der weitere Anstieg von Produktion und Auftragseingängen sowie die erste Ausweitung neuer Exportgeschäfte seit rund viereinhalb Jahren die Aktivität im privaten Sektor im zweiten Quartal. Für die Europäische Zentralbank mildern die Daten weitere Sorgen vor Stagflation, auch wenn insbesondere Frankreich und Deutschland in den kommenden Monaten stärker unter Beobachtung stehen dürften.
Bei den Preisdruckfaktoren verlangsamte sich die Inflation der Inputkosten auf den schwächsten Wert seit Februar, blieb jedoch deutlich erhöht und lag weiterhin klar über dem Niveau vor Beginn des Konflikts im Nahen Osten.
S&P Global kommentierte dazu:
"A sustained solid rise in business activity in August sets the eurozone up for a robust increase in third quarter GDP of around 0.3%. The manufacturing sector is again the star performer, enjoying its strongest growth for four-and-a-half years, with the services economy providing a supporting role, notching up another month of decent growth after the malaise seen in the second quarter.
"We are again seeing reports of precautionary stock building helping support the goods-producing sector amid the ongoing supply chain disruptions emanating out of the Middle East, with supply chain delays again remaining worryingly widespread in August. However, there are also encouraging signs of rising demand for AI-related tech goods and rising equipment demand thanks to higher defence spending, notably helping Germany in particular achieve increasingly impressive production gains.
"In the service sector, rising tourism spending is helping boost economic growth, notably outside of France and Germany, where the region collectively saw the fastest services growth for over three years.
"Although high prices reportedly continue to dampen demand, price pressures have shown signs of further easing. Policymakers will be especially encouraged to see services selling price inflation back down to the joint-lowest so far this year (alongside March), with goods price inflation also continuing to moderate. However, with the flash PMI signalling solid third quarter GDP growth, a return to hiring by companies for the first time this year, and inflation remaining elevated by historical standards, a hawkish bias is likely to be maintained and further imminent rate hikes cannot be ruled out."
Die endgültigen PMI-Schätzungen, die Anfang nächsten Monats veröffentlicht werden, werden zeigen, ob das vorläufige Bild Bestand hat. Zugleich bleibt die Divergenz zwischen Frankreich und Deutschland einerseits und dem übrigen Währungsraum andererseits in den kommenden Monaten im Fokus — ebenso wie die Frage, wie die EZB robusteres Wachstum gegen weiterhin erhöhte Inflation abwägt.
Quelle: ForexLive