EUR/AUD: Ein leises RSI-Signal fordert den Abwärtstrend heraus
Wichtige Erkenntnisse
- •EZB-Entscheidungsträger sind Berichten zufolge bereit, die Zinsen vom aktuellen Niveau von 2,25 % auf der Sitzung am 9.–10. September anzuheben, mit Verweis auf Inflationsrisiken aus dem Nahostkonflikt und wieder anziehenden Ölpreisen.
- •Der australische Dollar erreichte ein neues Dreimonatshoch, nachdem das Q2-BIP die Erwartungen mit 0,4 % im Quartalsvergleich übertroffen hat; der Markt preist eine Wahrscheinlichkeit von 50–58 % für eine RBA-Erhöhung im September ein, ein Schritt im November gilt als nahezu sicher.
- •EUR/AUD bewegt sich seit den Höchstständen Mitte August nahe 1,6441 in einer absteigenden Trendlinie und testiert nun das 0-Fibonacci-Niveau nahe 1,6086.
- •Der RSI bildet trotz eines neuen Kurstiefs diese Woche eine bullische Divergenz mit höheren Tiefs, was auf nachlassenden Verkaufsdruck hindeutet, ohne eine Umkehr zu garantieren.
- •Ein Ausbruch über die Trendlinie könnte den Weg zum 0,382-Retracement nahe 1,6222 und zum 0,5-Niveau um 1,6264 öffnen, während eine Abweisung an der Trendlinie neue Tiefs unterhalb von 1,6086 ermöglichen würde.

Der Euro geht mit echter hawkischer Rückendeckung in die EZB-Sitzung dieser Woche (9.–10. September). Insider deuten darauf hin, dass die Entscheidungsträger bereit sind, die Zinsen erneut anzuheben, um den inflationsfördernden Nebenwirkungen des Nahostkonflikts entgegenzuwirken – auch wenn sie kaum Bereitschaft zeigen, darüber hinaus zu straffen. Im Juli hielt die EZB die Zinsen bei 2,25 %, wobei Lagarde ausdrücklich davor warnte, dass erneute Feindseligkeiten und der daraus resultierende Ölpreisanstieg Aufwärtsrisiken für die Inflationsaussichten darstellen. Das hält die Tür für eine Rückkehr zu 2,50 % in dieser Woche deutlich offen.
Der australische Dollar erlebt derweil eine seiner stärksten Phasen seit Monaten und erreichte ein neues Dreimonatshoch, nachdem das Q2-BIP die Erwartungen mit 0,4 % im Quartalsvergleich übertroffen hat. Das hat die Wetten verstärkt, dass die RBA in diesem Monat die Straffung wieder aufnehmen könnte. Der Markt preist inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 50–58 % für eine September-Erhöhung ein, während ein Schritt im November als praktisch sicher gilt. Die Stärke der Rohstoffe und Australiens wachsende Rolle im KI-Infrastruktur-Boom bieten der Währung zusätzliche strukturelle Unterstützung.
Das Ergebnis: Zwei hawkische Notenbanken, deren Zinsentscheidungen nur Tage auseinanderliegen – der nächste Schritt von EUR/AUD hängt davon ab, ob Frankfurt oder Canberra das überzeugendere Signal sendet. Bei einem Kreuzkurs wie EUR/AUD – keine der beiden Währungen ist der US-Dollar – zählt der relative Politikpfad mehr als die Entscheidung jeder Notenbank für sich, weshalb das Zusammentreffen der beiden Sitzungen die Empfindlichkeit des Paares gegenüber Überraschungen bei den Daten, der Sprache der Forward Guidance und der Neubewertung an den Zinsmärkten auf beiden Seiten verstärkt hat.
Technische Analyse von EUR/AUD
Wie das EUR/AUD-Chart zeigt, bewegt sich das Paar seit den Höchstständen Mitte August nahe 1,6441 in einer steilen absteigenden Trendlinie, wobei der Kurs nun die Übereinstimmung dieser Trendlinie mit dem 0-Fibonacci-Niveau nahe 1,6086 testet. Zusätzliche Spannung erhält das Bild durch eine bullische RSI-Divergenz: Der RSI bildet höhere Tiefs, obwohl der Kurs diese Woche ein neues Tief ausgebildet hat. Divergenzen dieser Art – bei denen das Momentum ein neues Kurstief nicht bestätigt – werden von Tradern als Frühwarnung betrachtet, dass der Verkaufsdruck nachlassen könnte; sie bleiben jedoch ein Momentum-Signal und keine Garantie für eine Umkehr, solange der Kurs selbst den Abwärtstrend respektiert.
Bullisches Szenario
Sollten Käufer über die absteigende Trendlinie ausbrechen, würde die Divergenz echte technische Glaubwürdigkeit gewinnen und den Weg in Richtung der 0,382-Retracement nahe 1,6222 öffnen; eine stärkere Bewegung könnte das 0,5-Niveau um 1,6264 ins Visier nehmen.
Bären-Szenario
Umgekehrt würde eine fortgesetzte Abweisung an der Trendlinie die Verkäufer in der Kontrolle behalten, die Divergenz ungültig machen und neue Tiefs unterhalb von 1,6086 ermöglichen, während der übergeordnete Abwärtstrend von den August-Höchstständen unversehrt bleibt.
Während der Kurs unmittelbar an der Trendlinie ein neues Tief testet und der RSI leise auf nachlassendes Abwärtsmomentum hindeutet, scheint EUR/AUD für eine entscheidende Reaktion bereit. Wird sich die hawkische Haltung der EZB endlich im Chart zeigen, oder hält die eigene Straffungsdynamik der RBA diesen Abwärtstrend am Leben?