Ethereum-Entwickler schlagen Maßnahmen zum Schutz des ETH-Stakings vor Quantenbedrohungen vor
Wichtige Erkenntnisse
- •Der Entwurf wurde am 24. August von Ethereum-Forschern einschließlich Kevaundray Wedderburn und Thomas Coratger eingereicht.
- •Das Design hält bestehende BLS-Validatoren kompatibel und schafft zugleich einen Pfad zu quantensicheren kryptografischen Verfahren.
- •Der Vorschlag enthält einen irreversiblen Schalter, der BLS-Signaturen außer Betrieb setzen würde, sobald das Netzwerk bereit ist.
- •Er ist Teil der Strawmap-Roadmap der Ethereum Foundation, die um 2029 eine vollständige Migration zu leanXMSS anstrebt.
- •Die unmittelbaren Auswirkungen auf aktuelle Validatoren sind begrenzt; in der ersten Übergangsphase sind keine Maßnahmen erforderlich.

Ethereum-Forscher reichten am 24. August einen Entwurf für einen post-quantum-fähigen Validator-Deposit-Contract ein und legten damit den Grundstein für ein Sicherheitsupgrade, das in den kommenden Jahren zu den bedeutendsten des Netzwerks werden könnte. Ziel ist es sicherzustellen, dass die rund 37 Millionen ETH, die derzeit im Staking gebunden sind, nicht angreifbar werden, falls Quantencomputer schneller als erwartet ausreifen.
Der Vorschlag, unter anderem von den Forschern Kevaundray Wedderburn und Thomas Coratger verfasst, führt ein Deposit-Framework ein, das Public Keys variabler Länge sowie Metadaten über Scheme-Identifikatoren unterstützt. Es ist darauf ausgelegt, einen flexiblen Einstiegspunkt für künftige quantensichere kryptografische Verfahren zu schaffen, ohne dass das Netzwerk von Grund auf neu aufgebaut werden muss.
Warum die Dringlichkeit, und warum jetzt
Im März 2026 veröffentlichte Google Quantum AI Forschungsergebnisse, die nahelegen, dass die Zahl der Qubits, die nötig ist, um elliptische-Kurven-Kryptografie zu brechen — das mathematische Fundament der meisten Blockchain-Signaturen —, etwa 20-mal niedriger liegen könnte als bisher geschätzt.
Die Ethereum Foundation hat erklärt, dass derzeit keine brauchbare Quantenbedrohung besteht. Dennoch verlaufen kryptografische Migrationen in der Regel langsam und komplex, und ihre ordnungsgemäße Umsetzung kann Jahre dauern. Dieser Zeitrahmen ist für Ethereum wichtig, weil Konsensänderungen über einen großen Validator-Satz und mehrere Client-Teams koordiniert werden. Je früher also ein Migrationspfad definiert ist, desto mehr Spielraum gibt es für Tests und Kompatibilitätsarbeiten, bevor ein Notfall eintritt.
Rund 1 Million Validatoren sichern das Ethereum-Netzwerk derzeit mit BLS-Signaturen. Diese Signaturen beruhen auf derselben elliptischen-Kurven-Mathematik, die Quantenalgorithmen wie Shors Algorithmus möglicherweise irgendwann aufbrechen könnten. Der neue Deposit-Contract erhält während der Übergangsphase die vollständige BLS-Kompatibilität aufrecht, sodass bestehende Validatoren zunächst nichts unternehmen müssen. Zudem enthält er einen irreversiblen Abschaltmechanismus für BLS, der das anfällige Signaturschema nach Aktivierung dauerhaft auslaufen lassen würde.
Die Strawmap und das Ziel für 2029
Der Vorschlag ist Teil dessen, was die Ethereum Foundation als „I* milestone“ auf ihrer Strawmap-Roadmap bezeichnet, einem mehrjährigen Plan zur Migration der Konsensschicht hin zu quantenresistenter Kryptografie.
Der Zielzustand, der auf etwa 2029 ausgerichtet ist, sieht eine vollständige Migration zu leanXMSS-basierten Signaturen vor. LeanXMSS ist ein hashbasiertes Signaturschema, dessen Sicherheit also nicht von mathematischen Problemen abhängt, für die Quantencomputer speziell entwickelt wurden.
Das flexible Design des vorgeschlagenen Deposit-Contracts ist bewusst algorithmusagnostisch, damit die Community konkurrierende Verfahren bewerten kann, während sich das Feld weiterentwickelt.
Unabhängig davon wird EIP-8141 für die Integration in den Hegota-Hard-Fork geprüft, der für Ende 2026 erwartet wird. Dieser Vorschlag befasst sich mit Account Abstraction für optionale quantensichere Signaturen und adressiert einen ergänzenden Teil des Puzzles auf der Execution Layer. Zusammen würden diese Maßnahmen Quantenresistenz sowohl auf der Konsens- als auch auf der Execution-Layer des Netzwerks schaffen.
Ein spezialisiertes Team und gemeinsame Entwicklung
Die Ethereum Foundation hat ihr Engagement formell durch die Einrichtung eines Post-Quantum-Security-Teams unter der Leitung von Thomas Coratger untermauert. Das Team betreibt wöchentliche Interoperations-Entwicklungsnetzwerke, sogenannte Devnets, an denen mehr als zehn Client-Teams beteiligt sind.
Was das für Staker und den breiteren Markt bedeutet
Für die rund 1 Million Validatoren, die derzeit auf Ethereum aktiv sind, sind die unmittelbaren Auswirkungen gering. Der Vorschlag ist so konzipiert, dass er in seiner Anfangsphase nicht störend wirkt und von bestehenden Stakern keine Aktion verlangt, bis das Ökosystem für eine vollständige Umstellung bereit ist.