NachrichtenMakroEZB-Ratmitglied Rehn: Noch keine klaren Anzeichen für Second-Round-Effekte der Inflation

EZB-Ratmitglied Rehn: Noch keine klaren Anzeichen für Second-Round-Effekte der Inflation

Autor: ForexLive·

Wichtige Erkenntnisse

  • Olli Rehn, Mitglied des EZB-Rates und Gouverneur der Bank von Finnland, erklärte, dass im Euroraum bislang keine klaren Anzeichen für Second-Round-Effekte der Inflation zu erkennen seien und das Lohnwachstum sowie sein Ausblick gemäßigt blieben.
  • Rehn betonte, dass eine stabile Verankerung der Inflationserwartungen entscheidend ist, um zu verhindern, dass Second-Round-Effekte entstehen.
  • Berichten zufolge steht die EZB weiterhin kurz davor, auf ihrer Sitzung im September zu handeln, um sich für weitere Leitzinserhöhungen besser zu positionieren, falls Second-Round-Effekte konkret werden.
  • Selbst mit einer weiteren Zinserhöhung würde der Einlagensatz der EZB nur auf 2,50 % steigen – ein Niveau, das gegenüber dem neutralen Zinsniveau als nur geringfügig restriktiv gilt.
  • Händler preisen eine Zinserhöhung im September mit rund 90 % Wahrscheinlichkeit ein; bis Juni nächsten Jahres werden etwa 58 Basispunkte an kumulierten Erhöhungen erwartet.
EZB-Ratmitglied Rehn: Noch keine klaren Anzeichen für Second-Round-Effekte der Inflation

Olli Rehn, Mitglied des EZB-Rates, erklärte am Mittwoch, dass im Euroraum bislang keine klaren Anzeichen für Second-Round-Effekte der Inflation zu erkennen seien und das Lohnwachstum weiterhin eingedämmt bleibe.

In Äußerungen, die von ForexLive berichtet wurden, führte Rehn, der auch Gouverneur der Bank von Finnland ist – ein Amt, das er seit 2018 innehat und das mit einem Sitz im für Leitzinsentscheidungen zuständigen EZB-Rat verbunden ist –, folgende Punkte an:

  • Das Lohnwachstum und der Lohnausblick sind bislang gemäßigt geblieben.
  • Es gibt keine klaren Anzeichen für Second-Round-Effekte.
  • Eine stabile Verankerung der Inflationserwartungen wird entscheidend sein, um sicherzustellen, dass dies so bleibt.

„Second-Round-Effekte“ bezeichnen eine Situation, in der zunächst gestiegene Preise in Lohnforderungen und ein breiteres Preissetzungsverhalten einfließen, wodurch die Inflation hartnäckiger wird und sich schwerer wieder eindämmen lässt. Die Verhinderung solcher Dynamiken ist ein zentrales Anliegen der EZB, deren Mandat Preisstabilität lautet – definiert als eine Inflation von 2 % mittelfristig. Sie ist auch der Grund, warum die Notenbank Tariflohnindikatoren und surveybasierte Messgrößen der Inflationserwartungen genau im Blick behält – die Kanäle, über die sich solche Dynamiken zuerst zeigen würden.

Geringer Neuigkeitsgehalt der Äußerungen

In Rehns Kommentaren war nichts Wesentliches enthalten. Laut Bericht steht die EZB weiterhin kurz davor, im September erneut zu handeln, um sich für den Fall weiterer Leitzinserhöhungen besser zu positionieren, sollten Second-Round-Effekte konkret werden.

Wo die Leitzinsen stehen

Wie bereits ausgeführt, hatte die EZB ihre Zinsen vor dem jüngsten Anpassungszyklus bereits auf etwa neutrales Niveau gesenkt. Selbst mit einer weiteren Zinserhöhung würde der Einlagensatz – der als wichtigster Leitzins der EZB dient – nur wieder auf 2,50 % steigen. Auf diesem Niveau gilt er wohl nur als geringfügig restriktiv. Ein neutrales Niveau regt die Wirtschaft weder an noch bremst es sie, sodass der Schritt von neutral auf 2,50 % im Wesentlichen das gesamte Ausmaß der Restriktion darstellt, das die EZB bis dahin aufgebaut hätte.

Das bedeutet: Sollte die EZB tatsächlich vor einem Inflationsproblem stehen, dürften darüber hinaus zahlreiche weitere Zinserhöhungen erforderlich sein – insbesondere in einem Szenario mit möglichen Second-Round-Effekten.

Was der Markt einpreist

Zur Einordnung: Händler preisen eine Zinserhöhung auf der EZB-Sitzung im September mit rund 90 % Wahrscheinlichkeit ein; bis Juni nächsten Jahres sind rund 58 Basispunkte an kumulierten Zinserhöhungen eingepreist. Dieser kumulierte Wert entspricht etwas mehr als zwei Schritten von einem Viertelpunkt, wobei das von Rehn beschriebene Bild aus Lohnwachstum und Inflationserwartungen bis dahin der entscheidende Prüfpunkt bleibt.