Korruption überholt die Wirtschaft als größte Sorge der Wähler, wie neue Umfragen zeigen
Wichtige Erkenntnisse
- •Neue Umfragen von Fox News und CNBC zeigen, dass Regierungskorruption die Wirtschaft als wichtigstes Thema der amerikanischen Wähler ersetzt hat und über Gesundheitsversorgung, Inflation und Benzinpreisen rangiert.
- •Umfragen der Financial Times ergaben, dass rund 69 Prozent der registrierten Wähler und fast die Hälfte derer, die Trump 2024 unterstützten, Besorgnis über Korruption, Eigennutzung oder Interessenkonflikte im Trump-Weißen Haus äußerten.
- •Der Atlantic-Autor David A. Graham argumentiert, dass – anders als bei prägenden früheren Skandalen wie Teapot Dome, Watergate oder Whitewater – keine einzelne Geschichte durchgedrungen ist, sondern die Wähler dem Präsidenten stattdessen allmählich immer skeptischer gegenüberstehen.
- •Laut Graham können Herausforderer auf Themen zurückgreifen, darunter Projekte im Weißen Haus, die von nicht offengelegten Geldgebern finanziert werden, Trumps antagonistische Ukraine-Politik und der unpopuläre Iran-Krieg, die Kritiker mit den Geschäftsbeziehungen der Trump-Familie in Verbindung bringen.
- •Eine Partei, die im November eine Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnt, erhielte Untersuchungsbefugnisse, um die Aktionen der Trump-Administration zu prüfen – die Entscheidung fällt an der Wahlurne.

Die Bewegung "Make America Great Again" von Präsident Donald Trump war bisher ein Bollwerk gegen Ausrutscher, Skandale, Fehltritte, stagnierende Löhne und explosive Inflation. Nun scheint etwas diese Schale endlich zum Bersten gebracht zu haben, wie eine neue Analyse in The Atlantic zeigt – und Beobachter überrascht es, dass es nicht die Wirtschaft war. Die Ergebnisse fallen in die Schlussphase eines Zwischenwahlzyklus – der ersten landesweiten Abstimmung seit Trumps Rückkehr ins Amt – bei der alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel des Senats zur Disposition stehen.
"Eine grundlegende Wahrheit der Politik ist, dass alle Wählerentscheidungen letztlich auf Geld hinauslaufen", schrieb der Atlantic-Mitarbeiter David A. Graham. Er verwies auf Dwight Eisenhowers Erdrutschsieg über Adlai Stevenson im Jahr 1956, James Carvilles berühmten Ausspruch aus dem Präsidentschaftswahlkampf von Bill Clinton 1992 – "It's the economy, stupid" – und Präsident Joe Bidens erfolglosen Versuch, den Amerikanern während seiner Amtszeit zu vermitteln, dass es ihnen besser ging, als sie glaubten.
Diese Logik, so Graham, erkläre auch, warum manche Demokraten und Strategen ihren Kandidaten rieten, Trump und seine Skandale nicht in den Mittelpunkt ihrer Kampagnen zu stellen, und stattdessen auf "Kitchen Table"-Themen wie Inflation und Wohnkosten zu setzen.
Wirtschaftssorgen waren bei unzähligen Zwischenwahlen ein verlässliches Argument, und dieser Zyklus wurde auch von Trump selbst befeuert, der "sich nicht nur Sorgen über die Erschwinglichkeit der Lebenshaltungskosten als 'Hoax' abtat, sondern es auch darauf anlegte, die Inflation durch die Entfesselung eines Krieges im Iran noch zu verschärfen", schrieb Graham.
Doch neue Umfragen zeigen, dass Korruption in den Köpfen der Amerikaner die Wirtschaft überholt hat – darunter auch Umfragen aus konservativen Quellen wie Fox News. Eine Fox-News-Umfrage ergab, dass Korruption zum neuen wichtigsten Thema der Wähler wurde und Gesundheitsversorgung, Inflation und sogar Benzinpreise übertraf. CNBC erzielte dasselbe Ergebnis, so Graham, wobei die Wähler inzwischen mehr Sorge über Regierungskorruption als über jedes andere Thema haben, einschließlich hoher Lebenshaltungs- und Benzinpreise. Die Financial Times berichtete ähnliche Ergebnisse: Rund 69 Prozent der registrierten Wähler und fast 50 Prozent derer, die 2024 für Trump stimmten, gaben an, "sehr" oder "teilweise" besorgt über "Korruption, Eigennutzung oder Interessenkonflikte" im Trump-Weißen Haus zu sein.
Graham stellte fest, dass seine Atlantic-Kollegin, die Historikerin Anne Applebaum, unter den vielen Beobachtern, die dies als die korrupteste Präsidentschaft in der Geschichte der USA bezeichnet haben, an vorderster Front steht. Auch wenn der Präsident und seine Familie durch sein Amt Milliarden verdient haben, so sagte er, scheint keine einzelne Geschichte durchgedrungen zu sein – kein Teapot Dome, kein Watergate, nicht einmal ein Whitewater. Jede dieser Referenzen verweist auf einen prägenden Skandal einer früheren Ära: die Teapot-Dome-Affäre der 1920er Jahre über bundesstaatliche Ölreserven, den Watergate-Einbruch und die Vertuschung, die Richard Nixons Präsidentschaft 1974 beendeten, und die Whitewater-Immobilienuntersuchung, die Bill Clintons Weißen Haus begleitete. "Die neuen Umfragen zur Korruption in Kombination mit Trumps stetig sinkender Beliebtheit legen nahe, dass – anders als eine einzelne Nachrichtengeschichte, die einen Wendepunkt erzeugt, wie die schnelle Abkehr von Joe Biden nach dem chaotischen Rückzug aus Afghanistan – die Wähler dem Präsidenten schlicht allmählich immer skeptischer gegenüberstehen, wobei Korruption ein Hauptgrund ist", schrieb er.
Für Herausforderer, die sich gegen republikanische Amtsinhaber stellen, gebe es reichlich Munition, so Graham: Trumps Förderung von Künstlicher Intelligenz und Rechenzentren, seine Fixierung auf Projekte im Weißen Haus, die undurchsichtige, verdeckte Geldgeber finanzieren, und seine antagonistische Politik gegenüber der Ukraine – von der Graham und andere Kritiker behaupten, sie sei von russischen Geschäftsinteressen beeinflusst. Trumps überaus unpopulärer Iran-Krieg, fügte er hinzu, scheint "teilweise durch Nahost-Verbündete gefördert worden zu sein, mit denen Mitglieder der Trump-Familie Geschäftsbeziehungen haben".
Und sollte eine Partei das Korruptionsthema bis zur Kontrolle des Kongresses tragen, so Graham, wäre sie in der Lage, mit Untersuchungen zu Trumps umstritteneren Geschäften weiter Druck zu machen. "Aber eine Alleinmehrheit im Repräsentantenhaus allein hätte Untersuchungsbefugnisse und könnte damit in Aktionen der Trump-Administration eintauchen, die sowohl die Rechtsstaatlichkeit als auch die Brieftaschen der Wähler bedrohen", schrieb er. Ob diese Untersuchungsmaschinerie tatsächlich Realität wird, wird im November an der Wahlurne entschieden.
Quelle: Alternet