Coinbase beantragt SEC-Zulassung für rund um die Uhr handelbare Aktien-Perpetuals in den USA
Wichtige Erkenntnisse
- •Coinbase reichte Ende August 2026 ein Notification-Registrierungsformular bei der SEC für rund um die Uhr handelbare Perpetual Futures auf Einzelaktien ein; Chief Policy Officer Faryar Shirzad bestätigte den Schritt Anfang September öffentlich.
- •Da Aktien-Perpetuals Derivate auf Wertpapiere sind, benötigt Coinbase sowohl eine SEC- als auch eine CFTC-Genehmigung, bevor US-Kunden handeln dürfen; ein Zeitplan wurde nicht genannt.
- •Coinbase bietet Aktien-Perpetuals seit März 2026 für Nutzer außerhalb der USA an, mit Apple, Microsoft, NVIDIA und Amazon als Basiswerten.
- •Kalshi reichte am 18. August 2026 bei der CFTC Anträge für Perpetuals auf den MerQube U.S. Large Cap Index und auf Kupfer ein und benötigt nur eine CFTC-Zulassung, da Indizes und Rohstoffe in deren Zuständigkeit fallen.
- •Die CFTC genehmigte im Mai 2026 erstmals onshore Perpetual Futures auf Krypto-Basiswerte und bat im Juni 2026 öffentlich um Stellungnahmen zu Perpetuals und zum 24/7-Handel insgesamt.

Coinbase hat die US-Börsenaufsicht SEC gebeten, Aktien-Perpetuals zuzulassen, die rund um die Uhr handelbar wären. Vor einem US-Start benötigt die Börse jedoch zusätzlich die Zustimmung der Terminbörsenaufsicht CFTC.
Aktien-Perpetuals sind Futures ohne Laufzeitende. Händler nutzen sie, um auf die Kursbewegung einer Aktie zu spekulieren, ohne die Aktie selbst zu besitzen; zudem muss die Position nicht gerollt werden. Solche Kontrakte laufen durchgehend und nicht nur während der regulären Handelszeiten – der Handel wäre also auch am Wochenende möglich. Das ist eine deutliche Abkehr von den konventionellen US-Aktienmärkten, auf denen Einzelaktien zu festen Wochenhandelssitzungen an Börsen gehandelt werden und Nachrichten außerhalb dieser Zeiten erst bei Wiedereröffnung eingepreist werden können. Perpetuals entstanden im Kryptosektor, wo Börsen den Kontraktpreis über einen Funding-Rate-Mechanismus an den Basiswert koppeln statt über eine Abrechnung zum Verfall – dieses Design wurde auf die inzwischen entstehenden Aktien-Varianten übertragen. Coinbase reichte das sogenannte Notification-Registrierungsformular Ende August bei der Behörde ein; Chief Policy Officer Faryar Shirzad bestätigte den Schritt Anfang September auf X. Die Börse bietet das Produkt tatsächlich seit März 2026 an, allerdings ausschließlich für Nutzer außerhalb der USA – mit Apple, Microsoft, NVIDIA und Amazon als Basiswerten.
Der doppelte Zulassungsweg über SEC und CFTC
Bei dem eingereichten Dokument handelt es sich um ein Notification-Registrierungsformular, mit dem die Börse die Aufsicht über die Listung informiert. Die SEC prüft das Wertpapierelement, die CFTC das Terminelement. Bislang hat das Unternehmen nicht offengelegt, welche Formularnummer und welches Regelwerk dahinterstehen. Shirzad machte die Einreichung Anfang September öffentlich, nachdem sie bei der SEC eingegangen war.
Die Zustimmung der Wertpapieraufsicht allein reicht jedoch nicht für den Handelsstart. Perpetuals sind Derivate, und die Commodity Futures Trading Commission beaufsichtigt den US-Terminmarkt. Coinbase braucht daher zusätzlich zur SEC-Zulassung ein grünes Licht der CFTC; erst dann dürfen US-Kunden die Kontrakte handeln. Der Zeitplan hängt somit an zwei unabhängigen Verfahren, für die Coinbase keine Termine genannt hat.
Die Zuständigkeit der Wertpapieraufsicht ergibt sich daraus, dass Einzelaktien als Wertpapiere gelten und ein Derivat auf einen einzelnen Titel folglich demselben Regime unterliegt. Für Krypto-Perpetuals hält Coinbase bereits seit Mai 2026 eine CFTC-Zulassung, doch diese deckt Aktien als Basiswerte nicht ab. Ohne beide Genehmigungen kann Coinbase das Produkt US-Kunden nicht anbieten. Shirzad verwies zudem auf die Nachfrage außerhalb der USA, die das Unternehmen seit dem Frühjahr selbst bedient:
„Equity perps have demonstrated demand internationally, and we look forward to the prospect of a regulated access route for US investors.“ - Faryar Shirzad, Chief Policy Officer, Coinbase
Aktien-Perpetuals laufen seit März außerhalb der USA
Der Antrag ist kein neues Produkt, sondern die Ausweitung eines laufenden Geschäfts in den Heimatmarkt. Seit März 2026 bietet die Börse Perpetual Futures auf Einzelaktien an, zunächst nur für Nutzer außerhalb der USA. Vier Basiswerte sind dort verfügbar – Apple, Microsoft, NVIDIA und Amazon –, alle vier aus dem US-Technologiesektor. Die technische und operative Infrastruktur existiert somit bereits; offen ist im Wesentlichen der regulatorische Zugang.
Der Antrag fällt zudem in eine Phase, in der die CFTC dem 24/7-Handel aufgeschlossener gegenübersteht – eine Öffnung, die die Aufsicht Schritt für Schritt vorbereitet hat. Im Mai 2026 genehmigte die CFTC erstmals auf Mitarbeiterebene Bitcoin-Perpetual Futures für den US-Markt; Coinbase und die Terminbörse KalshiEX erhielten ihre Zulassungen zeitgleich. Zuvor hatte eine Genehmigung dieser Art in den USA nicht existiert – die Aufsicht ließ damit erstmals unbefristete Terminkontrakte onshore zu, allerdings nur für Krypto-Basiswerte.
Einen Monat später weitete die Behörde den Rahmen aus. Im Juni 2026 veröffentlichte sie ein Request for Comment zu Perpetuals auf Rohöl sowie zum 24/7-Handel allgemein – damit stand nicht ein einzelnes Produkt zur Diskussion, sondern die Handelszeiten des gesamten regulierten Terminmarkts. Die Aktien-Perpetuals von Coinbase fügen sich in diese Öffnung ein: Innerhalb von vier Monaten verschob sich der Rahmen von Krypto-Basiswerten über Rohstoffe bis hin zu Einzelaktien.
Kalshi schlägt dieselbe Richtung über den Indexweg ein
Coinbase konkurriert bei der neuen Produktkategorie nicht allein. Kalshi reichte am 18. August 2026 bei der CFTC einen Antrag für Perpetuals auf einen Aktienindex ein; Basiswert ist der MerQube U.S. Large Cap Index – ein Gegenstück zum S&P 500 aus US-Large-Cap-Aktien. Die Plattform beantragte zudem Perpetuals auf Kupfer, das als Rohstoff ebenfalls unter die Zuständigkeit der CFTC fällt. Beide Kontrakte zielen auf klassische TradFi-Basiswerte statt auf Kryptowährungen.
Der entscheidende Unterschied liegt im Zulassungsweg. Kalshis Indexantrag benötigt keine SEC-Freigabe, da breit gestreute Aktienkörbe regulatorisch bei der CFTC angesiedelt sind. Coinbase muss dagegen zuerst die Wertpapieraufsicht passieren: Kalshi durchläuft ein Verfahren, Coinbase zwei. Wirtschaftlich erfüllen beide Produkte dieselbe Funktion – eine Position auf US-Aktienrisiko, rund um die Uhr handelbar.
Beide Anbieter kommen aus derselben Richtung. Ursprünglich hielten Kalshi und Coinbase nur CFTC-Zulassungen für Krypto-Perpetuals, bevor sie in Aktien, Indizes und Rohstoffe expandierten. Der Wettbewerb um 24/7-Derivate verlagert sich damit von Krypto-Basiswerten hinein ins Kerngeschäft der etablierten Terminbörsen.
Hyperliquid dominiert den Markt außerhalb der US-Regulierung
Der Großteil des weltweiten Perpetuals-Handels läuft traditionell außerhalb der US-Regulierung. Dieses Volumen liegt vor allem bei krypto-nativen und dezentralen Plattformen, angeführt von Hyperliquid – einer dezentralen Handelsplattform für Perpetuals ohne zentralen Betreiber. Regulierte US-Plattformen konnten dieses Segment gar nicht bedienen, bis die CFTC aktiv wurde; diese erste Zulassung erfolgte im Mai 2026. Nun konkurrieren die regulierten US-Anbieter genau um dieses Volumen.
Auch die Politik adressiert diesen Weg offen. Im Weißen Haus sprach Präsident Donald Trump im August 2026 die Plattform direkt an: CFTC-Vorsitzender Michael Selig arbeite daran, Hyperliquid vollständig regelkonform in die USA zu holen. Gleichzeitig verhandelt Hyperliquid Labs Berichten zufolge mit Payvard, der Muttergesellschaft von Kraken, über einen regulierten US-Markteintritt. Auch die Offshore-Seite bewegt sich damit auf eine US-Autorisierung zu.
Für Coinbase wird das Ergebnis beider Verfahren seine Position in einem Markt entscheiden, der sich gerade neu ordnet. Bei einer Zulassung kann die Börse ein international erprobtes Produkt in den größten Aktienmarkt der Welt tragen. Ohne Zulassung werden andere Plattformen die Nachfrage weiterhin bedienen – entweder über den Indexweg oder von Offshore aus. Über den Zeitpunkt entscheiden am Ende zwei Aufsichtsbehörden, nicht das Unternehmen.