Londons Square Mile braucht einen eigenen großen Sportstandort, um mit den Rivalen Schritt zu halten
Wichtige Erkenntnisse
- •Simon Hunt argumentiert, dass die Square Mile einen eigenen großen Sportstandort braucht, um Tausende Büroangestellte unter einem Dach zu versammeln und die Zukunft der City of London zu sichern.
- •Die 2023 gestartete Strategie „Destination City“ der City of London Corporation zielt auf die Abend- und Wochenendflaute des Gebiets ab, indem mehr Freizeit, Kultur und Veranstaltungen angezogen werden sollen, um ein Ziel an sieben Tagen in der Woche zu schaffen.
- •Die Square Mile verfügt derzeit über keinen großen Sportstandort; das nächstgelegene Stadion, The Den von Millwall, liegt mehr als zwei Meilen entfernt.
- •Hunt verweist auf die bestehende Infrastruktur – die Bahnhöfe Liverpool Street, Cannon Street und London Bridge, sechs U-Bahn-Linien und die Elizabeth Line – als Unterstützung für einen großen Veranstaltungsort, weist jedoch darauf hin, dass die Bauplanungspolitik die geplante London Sphere in Stratford zu Fall gebracht hat.
- •Der Pariser Finanzdistrikt La Défense beherbergt die Penitude Arena, Europas größte Multifunktionshalle mit 45.000 Plätzen, in der während der Olympischen Spiele 2024 Wettkämpfe stattfanden.

Nach der Sommerpause nimmt der Sportbetrieb wieder Fahrt auf, und Simon Hunt argumentiert, dass die Square Mile einen eigenen großen Sportstandort braucht – zum Wohle der Zukunft der City of London.
Stellt man sich die Szene vor: Es ist gerade 17:30 Uhr an einem sonnigen Donnerstagabend, und die Büroangestellten suchen nach etwas, das sie tun können. Für die Journalisten von City AM lauten die Optionen: der Oyster Shed, der Banker oder der Walrus. In der Square Mile insgesamt bleibt es beim Pub oder Heimweg – mehr wird kaum geboten.
Hunt schreibt, dass der Besuch eines britischen Pubs zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehört und dass er selbst bei 32 Grad Hitze ein lauwarmes Kentish Bitter einem spanischen Lager vorzieht – so groß ist seine Hingabe zur Sache. Aber selbst ein begeisterter Pub-Gänger wie er, gibt er zu, verspürt gelegentlich den Wunsch nach etwas anderem.
Rund um die City gibt es ein oder zwei Alternativen, etwa Lokale für Teambuilding-Aktivitäten wie interaktives Darts oder Karaoke. Doch diese sind bestenfalls eine Frage des Geschmacks.
Was der City wirklich fehlt, so Hunt, ist ein richtiger Sportstandort – etwas, das die Square Mile sportlich auf die Landkarte bringt und Tausende Büroangestellte unter einem Dach versammeln könnte.
Dabei geht es um mehr als um Unterhaltung nach Feierabend. Die Square Mile zieht an einem Wochentag Hunderttausende Arbeitnehmer an, hat aber weniger als 10.000 Einwohner. Die City of London Corporation hat die daraus resultierende Abend- und Wochenendflaute zu einem ausdrücklichen politischen Ziel erklärt: Ihre 2023 gestartete Strategie „Destination City“ soll die Square Mile durch mehr Freizeit-, Kultur- und Veranstaltungsangebote zu einem Ziel an sieben Tagen in der Woche machen.
Eine fehlende Perle im Londoner Sportangebot
London selbst hat keinen Mangel an großen Stadien: Es gibt Wembley, Wimbledon, Twickenham, das Olympiadorf und natürlich sechs Premier-League-Klubs. Londons größte Indoor-Arena, die O2 mit 20.000 Plätzen, liegt auf der Halbinsel North Greenwich. Doch betritt man die Mauern der City, findet sich nichts. Das nächstgelegene Stadion der Square Mile ist The Den von Millwall – über zwei Meilen entfernt und ohnehin kaum zu Fuß erreichbar, wie Hunt anmerkt.
Das war nicht immer so. Vor Jahrhunderten herrschte innerhalb der dicken Steinmauern der City ein reges Treiben an Sport und Unterhaltung. Zu den beliebtesten Beschäftigungen zählte das Lanzenstechen neben Pferderennen und Tennis. Geht man tausend Jahre zurück, war der Gladiatorenkampf en vogue – er fand häufig im Amphitheater statt, dessen Spuren noch heute unter der Guildhall zu sehen sind.
Hunt fordert nicht die Rückkehr von Lanzenstechen, Gladiatorenkämpfen auf Leben und Tod oder den Enthauptungen, die einst ein beliebter Zuschauersport waren. Aber, fragt er, können wir nicht wenigstens etwas haben? Die City ist ohnehin dicht bebaut – doch wenn die Büros den Himmel einnehmen, lässt sich unter der Erde graben.
Ein solches Vorhaben müsste sich zudem durch Londons Bauplanungspolitik navigieren, die zuletzt eines der weltweit bekanntesten Venue-Projekte zu Fall gebracht hat: Die US-Gruppe hinter der Sphere in Las Vegas verwarf ihren geplanten Londoner Gegenpart in Stratford, nachdem dem Vorhaben die Baugenehmigung verweigert worden war.
Die Grundlagen sind vorhanden
Die Infrastruktur für einen großen Veranstaltungsort existiert bereits, wie Hunt betont: riesige Bahnhöfe wie Liverpool Street, Cannon Street und London Bridge sowie sechs U-Bahn-Linien und dazu Dutzende Restaurants und Hotels. Die Elizabeth Line, die an Farringdon und Liverpool Street hält, verbindet die City inzwischen direkt mit dem West End, Canary Wharf und Heathrow.
Außerdem ist reichlich Raum für Konferenzvenues reserviert, in denen Männer in grauen Anzügen Broschüren austauschen und die spannenden Kooperationsmöglichkeiten diskutieren, zu denen sie nie kommen werden. Hätte nicht jeder sehr viel mehr Spaß, so seine Anregung, wenn diese Gespräche beim Zuschauen von Spitzensportlern stattfänden, statt auf die Uhr zu schauen?
Konkurrierende Finanzdistrikte haben bereits mehr zu bieten. In La Défense, dem Finanzdistrikt von Paris, liegt die Penitude Arena, die größte Multifunktionshalle Europas. Der Veranstaltungsort mit 45.000 Plätzen war Schauplatz von Wettkämpfen der Olympischen Spiele 2024 und wird neben Rugbyspielen im September auch Konzerte von Celine Dion ausrichten.
Die City of London, so Hunts Fazit, ist in Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Es ist Zeit aufzuholen und in der Square Mile ein Stadion zu bauen.