CFTC verfolgt Crypto-Notfallplan, während das CLARITY-Gesetz im Senat blockiert bleibt
Wichtige Erkenntnisse
- •CFTC-Kommissar Selig wies die Mitarbeiter am 20. August an, einen Rahmen zu prüfen, in dem Kryptobörsen als CFTC-regulierte „Krypto-Vermögenswertmärkte“ für den Hebel- und Margin-Handel zugelassen werden könnten.
- •Die Anweisung enthält keinen Regelungsentwurf, keine Zeitpläne, keine Antragsrichtlinien und keine Liste in Frage kommender Plattformen; keine Börse hat die Zulassung erhalten.
- •Selig präsentierte den Plan als Notfalllösung, solange das CLARITY-Gesetz, das im Juli 2025 das Repräsentantenhaus passiert hat, im Senat blockiert bleibt.
- •Die Befugnisse der CFTC aus dem Commodity Exchange Act reichen nicht bis zu Spotmärkten, daher kann eine Verwaltungsregel den SEC-CFTC-Zuständigkeitsstreit nicht beilegen.
- •Selig wies die Mitarbeiter zudem an, einen Dialog mit DeFi-Protokoll-Entwicklern über konforme Operationen zu eröffnen, was jedoch keinen Sicherheitshafen oder eine formale Ausnahme schafft.

In einer Rede vom 20. August wies CFTC-Kommissar Selig die Mitarbeiter der Behörde an, einen regulatorischen Notfallplan für digitale Vermögenswerte auf Grundlage der bestehenden gesetzlichen Befugnisse der Kommission zu prüfen. Nach dem von ihm skizzierten Rahmen könnten bestimmte Kryptobörsen eine Zulassung als CFTC-regulierte „Krypto-Vermögenswertmärkte“ beantragen, die speziell für den Hebel- oder Margin-Handel vorgesehen sind.
Der Schritt bringt eine bundesbehördliche Blaupause unmittelbar in eine politische Debatte ein, die im Senat festgefahren ist, wo das übergreifende Marktstruktur-Paket – der Digital Asset Market Clarity Act, der im Juli 2025 das Repräsentantenhaus passiert hat – weiter blockiert ist. Er bleibt deutlich hinter der Schaffung einer neuen Regel, der Zulassung einer Börse oder der Einräumung der weitreichenden Spotmarkt-Befugnisse zurück, die das CLARITY-Gesetz ermöglichen soll.
Selig ordnet Vorbereitungen an, kein fertiges Regelwerk
Selig machte deutlich, dass der Kongress weiterhin der bevorzugte Weg bleibt, und betonte, dass das CLARITY-Gesetz neben zentralen Branchenstandards die Grenze zwischen der SEC und der CFTC sauber festlegen könnte. Sollte das Gesetz jedoch weiter blockiert bleiben, will die CFTC auf ihr derzeitiges gesetzliches Instrumentarium zurückgreifen. Selig machte eine „obstruktive Haltung der Demokraten“ für die Verzögerung verantwortlich – eine Einschätzung, die eher seine politische Position widerspiegelt als einen Konsens über die Pattsituation im Senat.
Für Compliance-Teams lautet die unmittelbare Erkenntnis recht einfach: Die Behörde prüft, was sie eigenständig umsetzen kann. Das entscheidende Wort ist jedoch „prüfen“. Die Rede enthält keinen Regelungsentwurf, keine Zeitpläne, keine Antragsrichtlinien und keine Liste in Frage kommender Plattformen.
Was ein CFTC-„Krypto-Vermögenswertmarkt“ abdecken könnte
Seligs Blaupause würde es sowohl derzeit registrierten als auch nicht registrierten Kryptobörsen ermöglichen, eine Zulassung als spezielle Form eines Designated Contract Market (DCM) zu beantragen – der traditionelle Begriff für einen CFTC-regulierten Handelsplatz. Kryptoderivate sind in diesem System keine Neuheit: Die CME Group notiert seit 2017 bar abgerechnete Bitcoin-Futures unter DCM-Registrierung. Seligs Ansatz konzentriert sich jedoch strikt darauf, eine Form davon auf den Hebel- und Margin-Handel unter bundesstaatlicher Aufsicht auszuweiten.
Dieser Zuschnitt ist wichtig. Die Rede skizziert einen Weg für bestimmte risikotragende Handelsplätze, statt ein pauschales Bundesrahmenwerk für jede Krypto-Transaktion auf dem Kassamarkt im Land zu schaffen.
Was sich für Börsen nicht geändert hat
Keine Plattform hat die vorgeschlagene Zulassung erhalten. Keine formale Regel hat das öffentliche Kommentierungsverfahren erreicht. Keine Compliance-Fristen sind im Kalender vermerkt. Keine gesetzliche Kompetenzverteilung mit der SEC ist tatsächlich verabschiedet worden.
Diese fehlenden Bausteine werden darüber entscheiden, ob sich der Vorschlag als tatsächlich nützlich erweist oder lediglich als Druckmittel in der laufenden CLARITY-Debatte dient. Jede konkrete Regel müsste heikle operative Fragen beantworten: welche Produkte in Frage kommen, welche Anleger- und Kundenschutzvorschriften gelten, wie Verwahrung und Überwachung gehandhabt werden und ob die bestehende Börsentechnologie den Anforderungen genügen kann.
Der Notfallplan kann das Zuständigkeitsrätsel nicht lösen
Der Kernwert des CLARITY-Gesetzes besteht nicht nur darin, Behörden zum Erlass weiterer Vorschriften aufzufordern – es beantwortet die grundlegende Frage, wer was reguliert. Diese Lücke ist gesetzlich verwurzelt: Die Befugnisse der CFTC stammen aus dem Commodity Exchange Act, der ihr die direkte Zuständigkeit über Futures und Swaps gibt, den Kassahandel mit Waren jedoch im Allgemeinen außerhalb ihres Regelwerks lässt – abgesehen von der Durchsetzung bei Betrug. Eine Verwaltungsregel verdeutlicht, wie die CFTC ihre bestehenden Befugnisse auszuüben gedenkt, doch sie kann kein völlig neues Kongressmandat schaffen, das einer verabschiedeten Gesetzgebung gleichkäme. Damit bleiben die Grenze zwischen SEC und CFTC sowie die Aufsicht über Spotmärkte an überkommene Gesetze gebunden und künftigen behördlichen Auslegungen ausgesetzt.
Diese Verwundbarkeit wird durch die derzeitige Zusammensetzung der Behörde verstärkt. Die Seite der CFTC-Kommissare führt Selig zum Zeitpunkt der Veröffentlichung als einziges amtierendes Mitglied auf, obwohl die Behörde als Fünferkommission strukturiert ist. Wie unser Team festgestellt hat, könnte eine derart große Personalücke die langfristige Beständigkeit jeder von einer einzelnen Person vorangetriebenen Kryptoregel leicht untergraben.
Eine von der Behörde erarbeitete Regel hätte zwar Gewicht, ließe sich aber von einer nachfolgenden Regierung weit leichter zurücknehmen als ein vom Kongress verabschiedetes Gesetz und würde sofort rechtliche Herausforderungen wegen regulatorischer Überschreitung nach sich ziehen.
Entwickler erhalten ein vorläufiges Signal
Selig wies die Mitarbeiter außerdem an, einen Dialog mit Entwicklern von DeFi-Protokollen (dezentrale Finanzen) über rechtlich konforme On-Chain-Operationen zu eröffnen. Die Anweisung ist ein konstruktives politisches Signal an den Sektor, stellt aber keinen Sicherheitshafen, keine formale Ausnahme und keine Compliance-Garantie dar.
Entwickler sollten aufmerksam verfolgen, wie sich diese Gespräche konkretisieren. Informelle Gespräche signalisieren lediglich die Prioritäten der Behörde, während formale Leitlinien die tatsächlichen rechtlichen Risiken offenlegen würden. Bis dahin ändert eine Rede nichts am aktuellen regulatorischen Status eines Protokolls.
Worauf es als Nächstes zu achten gilt
Die Ankündigung der CFTC liefert dem Markt eine konkrete Checkliste zur Beobachtung:
- Ein veröffentlichter Entwurf: Er wird die rechtliche Grundlage, den Umfang und die Kosten für die Branche des Notfallplans offenlegen.
- DCM-Standards: Börsen müssen sehen, ob die Behörde bestehende Regeln anpasst oder ein maßgeschneidertes Rahmenwerk schafft.
- Zusammenarbeit zwischen den Behörden: Selig verwies auf die laufende Zusammenarbeit mit der SEC über Project Crypto an einer Token-Taxonomie.
- Entwicklungen im Kongress: Eine Abstimmung im Senat und ein endgültiger Gesetzestext bleiben die letztentscheidenden Faktoren dafür, ob ein übergangsweiser behördlicher Notfallplan überhaupt erforderlich ist.
Seligs Anweisung ist ein Warnschuss an den Kapitol, kein sofortiges grünes Licht für Börsen. Bis ein tatsächlicher Entwurf im Register veröffentlicht wird, können Compliance-Abteilungen beruhigt in Bereitschaft bleiben.