BYD-Aktien fallen um fast 5 %, da Auslandswachstum den starken Umsatzrückgang im Heimatmarkt in den Halbjahreszahlen ausgleicht
Wichtige Erkenntnisse
- •BYDs Auslandsumsatz wuchs um 34 % auf 27 Milliarden US-Dollar und überstieg erstmals 50 % des Gesamtumsatzes, während der Umsatz in Greater China um 31 % sank.
- •Der Gesamtumsatz im ersten Halbjahr sank um 7,1 % auf 344,8 Milliarden Yuan und der Nettogewinn der Aktionäre um 20,5 % auf 12,3 Milliarden Yuan, obwohl der Nettogewinn im zweiten Quartal um 30 % gegenüber dem Vorjahr stieg.
- •BYDs Exporte stiegen um 68 % auf 792.000 Fahrzeuge, wodurch das Unternehmen Tesla bei den gesamten EV-Verkäufen der ersten sechs Monate übertraf.
- •Ausländische Autobauer wie Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW und Porsche verzeichneten im zweiten Quartal Jahresrückgänge der China-Verkäufe zwischen 30 % und 41 %.
- •BYD baut Werke in Thailand, Brasilien und Ungarn, um Zölle auszugleichen, während die EU neben bestehenden EV-Importzöllen neue Abgaben auf chinesische Hybridfahrzeuge erwägt.

Die BYD-Aktie fiel nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen am Freitag in Hongkong um fast 5 %. Zwar konnte der Elektroauto-Riese seine fünf Quartale andauernde Negativserie beenden, doch der Aufschwung wurde von boomenden internationalen Verkäufen angetrieben – inzwischen mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes –, die einen deutlich abkühlenden chinesischen Markt ausglich. Dieser Meilenstein markiert einen strukturellen Wandel für ein Unternehmen, das seine Größe auf dem größten EV-Markt der Welt aufgebaut hat, und er fällt in eine Zeit, in der die gesamte chinesische Automobilbranche – inländische wie ausländische Anbieter – mit sinkender Nachfrage und verschärftem Preiswettbewerb zu kämpfen hat.
Die Halbjahreszahlen des Unternehmens zeigen, dass der Auslandsumsatz um 34 % auf 27 Milliarden US-Dollar stieg und damit mehr als 50 % des Gesamtgeschäfts ausmachte. Diese internationale Expansion federte einen schmerzhaften Rückgang von 31 % in Greater China ab.
Der inländische Preiskrieg belastete dennoch das Ergebnis: Der Gesamtumsatz im ersten Halbjahr sank um 7,1 % auf 344,8 Milliarden Yuan (51 Milliarden US-Dollar), und der Nettogewinn der Aktionäre sank um 20,5 % auf 12,3 Milliarden Yuan (1,8 Milliarden US-Dollar). Daten von Citi zeigen jedoch, dass BYDs Nettogewinn im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 30 % auf 8,2 Milliarden Yuan – rund 1,2 Milliarden US-Dollar – stieg.
Fortschritte im Ausland trotz geopolitischer Risiken
BYD stand im Inland unter großem Druck durch den harten Wettbewerb mit Unternehmen wie Geely und Xiaomi. Da die staatlichen Subventionen ausliefen, drängte der Autobauer zur Wahrung seines Wachstums verstärkt nach Europa und in andere globale Märkte.
Die wachsende Auslandspräsenz fällt mit eskalierenden globalen Handelskonflikten zusammen, insbesondere mit protektionistischen Politiken in Europa, die darauf abzielen, die heimische Automobilbranche vor chinesischer Konkurrenz zu schützen. In seinem jüngsten Geschäftsbericht räumte das Unternehmen ein, dass der globale Markt angesichts steigender politischer Spannungen deutlich komplizierter geworden sei, und stellte fest, dass schwache Konsumnachfrage in China, aggressiver lokaler Wettbewerb und steigende Kosten für Rohstoffe, Commodities und Halbleiter die Gewinnmargen stark gedrückt haben. Nach Veröffentlichung des Berichts fiel die Aktie in Hongkong um fast 5 %.
Dennoch übertraf BYD Tesla bei den gesamten EV-Verkäufen in den ersten sechs Monaten des Jahres, trotz eines Umsatzrückgangs im heimischen Markt China. Der Auslandsumsatz stellte erstmals die Mehrheit der BYD-Halbjahresumsätze, gestützt auf ein Exportplus von 68 % auf 792.000 Fahrzeuge. Für die Zukunft setzt der Autobauer zudem auf seine Marke Denza, um im europäischen Premiumsegment stärker Fuß zu fassen und dem Preiskampf in China entgegenzuwirken.
Ein schwieriger Weg voraus
Das Auslandswachstum bietet einen Puffer gegen die Schwäche in China, doch BYDs internationale Expansion ist nicht ohne Herausforderungen: höhere Versandkosten, Handelshemmnisse, Zölle, regulatorische Hürden und wachsende Prüfung durch Regierungen, die besorgt über die Auswirkungen chinesischer EV-Importe auf heimische Hersteller sind – Faktoren, die die internationale Wachstumsrate begrenzen könnten. Ein Teil der Reaktion der Branche bestand in der Lokalisierung der Produktion: BYD baut Kapazitäten im Ausland auf, darunter Werke in Thailand und Brasilien sowie eine geplante Anlage in Ungarn – ein Ansatz, der Importzölle umgehen kann, aber Kapitalkosten und Umsetzungsrisiken erhöht.
Der starke Rückgang der Inlandsumsätze unterstreicht zudem den Druck auf den Kern des Geschäfts. BYD dürfte eine aggressive Expansion im Ausland mit Anstrengungen zum Schutz der Margen in China ausbalancieren müssen. Da internationale Verkäufe die schwache Inlandsnachfrage ausgleichen, sorgen sich Anleger zunehmend, dass die Strategie kein nachhaltiges Gewinnwachstum liefern könnte, wenn sich Wettbewerb und Handelshemmnisse verschärfen.
Auch ausländische Autobauer kämpfen in China
Über BYD hinaus erleiden auch traditionelle ausländische Autobauer in China einen scharfen Glücksumschwung – ein Markt, der zuvor jahrzehntelange exponentielles Wachstum befeuert hat. Daten des zweiten Quartals offenbaren einen schweren Abschwung: Die China-Verkäufe von Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW und Porsche stürzen im Jahresvergleich um 30 % bis 41 % ab.
Alle diese Autobauer verzeichneten im ersten Halbjahr Jahresrückgänge bei den China-Umsätzen von mehr als 20 %. Die steilen Rückgänge drückten ihre globale Profitabilität und tilgten faktisch die in anderen internationalen Märkten erzielten Gewinne. Nach Angaben des unabhängigen Autoanalysten Lei Xing haben deutsche Autobauer soeben einige ihrer schwersten quartalsweisen Verkaufseinbrüche in China überhaupt erlebt.
Manche Analysten führen die Schwäche darauf zurück, dass chinesische Käufer einst beliebte ausländische Autos nun als zu teuer und realitätsfern empfinden. Selbst der US-Konzern General Motors spürt den Schmerz: Das Unternehmen erwirtschaftete einst 2 Milliarden US-Dollar Gewinn pro Jahr in China, hat dort in den letzten beiden Jahren jedoch erhebliche Verluste erlitten.
Auch die chinesischen Aufsichtsbehörden gehen härter gegen die Automobilbranche vor und kündigen strenge Prüfungen verkürzter Entwicklungszyklen an, um Sicherheitskompromisse bei neu veröffentlichten Modellen zu verhindern – ein regulatorischer Kurs, der sowohl ausländische als auch heimische Autobauer abschreckt.
Während chinesische Hersteller zunehmend auf europäische Hybridverkäufe setzen, erwägt die Europäische Union neue Zölle auf chinesische Hybridfahrzeuge. Dieser regulatorische Gegenwind baut auf bestehenden EU-Strafzöllen für Importe reiner Elektrofahrzeuge auf – Zölle, die auch Länder wie Brasilien und Mexiko eingeführt haben, um die massive Flut chinesischer Fahrzeuge einzudämmen.