Michael Burry wird bei Berkshire Hathaway skeptisch und verweist auf Buffetts Nachfolger ohne dessen Geduld
Wichtige Erkenntnisse
- •Michael Burry erklärte auf X, dass er Berkshire Hathaway nach Buffetts Rückzug als CEO nicht mehr als attraktive Anlage betrachtet.
- •Greg Abel übernahm Anfang 2026 offiziell den CEO-Posten und genehmigte im Q2 Aktienrückkäufe in Höhe von 4,5 Mrd. US-Dollar, deutlich mehr als 234,2 Mio. US-Dollar im Q1.
- •Burry wertete Abels ersten Kapitaleinsatz als 'more framing moves than investment moves' und nicht als Beleg für echte Überzeugung.
- •Berkshire schloss das Q2 2026 mit 365,5 Mrd. US-Dollar an Cash und Äquivalenten ab, nur rund 2 % unter dem Stand zum Jahresende 2025 trotz der erhöhten Rückkäufe.
- •Berkshires Class-B-Aktien legten 2026 bislang nur 3,8 % zu und blieben damit deutlich hinter dem Plus von 13,3 % beim S&P 500 zurück.

Michael Burry, der Investor, der weithin für die Vorhersage des Immobiliencrashs von 2008 bekannt ist, ist bei Berkshire Hathaway (BRK-B) öffentlich skeptisch geworden und erklärte, dass er das Unternehmen nach Warren Buffetts Ausscheiden nicht mehr als attraktive Anlage betrachtet.
Burry teilte seine Einschätzung am Sonntag auf X mit und formulierte dabei eine Sorge, die er eigenen Angaben zufolge seit Jahren hegt.
Langjährige Sorge von Burry bestätigt
Burry hatte sich lange gefragt, was geschehen würde, wenn Buffett irgendwann zurücktritt. Seine Hauptsorge war, dass ein Nachfolger nicht über Buffetts legendäre Geduld verfügen würde — also die Bereitschaft, auf das zu warten, was Buffett bekanntlich einen "fat pitch" nannte. Der Begriff stammt von Baseball-Legende Ted Williams und beschreibt eine Anlage, deren Chancen-Risiko-Profil so klar attraktiv ist, dass entschlossenes Handeln geboten erscheint.
Burry schrieb auf X: "My biggest fear for Berkshire Hathaway was that Warren Buffett's eventual successor would lack Buffett's patience and discipline to wait for the right fat pitch. I believe this fear has come true."
Er fügte hinzu: "I do not find Berkshire an attractive investment going forward."
Die Sorge berührt eine Frage, die Berkshire seit Jahrzehnten begleitet: ob irgendeine Führungskraft einen Stil reproduzieren kann, der auf jahrzehntelanger Erfahrung, einem großen Netzwerk an Dealflow und einer außergewöhnlichen Bereitschaft basiert, bei schwachen Marktchancen untätig zu bleiben.
Greg Abels erste Schritte als CEO
Greg Abel übernahm die CEO-Rolle offiziell zu Beginn von 2026 von Buffett, Monate nachdem Buffett auf der jährlichen Hauptversammlung im Mai 2025 seinen Rücktritt angekündigt hatte. Abel, der zuvor als stellvertretender Vorsitzender alle Nicht-Versicherungsgeschäfte von Berkshire leitete und 2021 offiziell als Nachfolger benannt wurde, steht nun nach zwei vollen Quartalen im Amt unter genauer Beobachtung, wie er mit Berkshires enormer Cash-Reserve umgeht.
Abel hat damit begonnen, Kapital einzusetzen. Im Q2 2026 kaufte Berkshire eigene Aktien im Wert von 4,5 Mrd. US-Dollar zurück — ein deutlicher Anstieg gegenüber 234,2 Mio. US-Dollar im Q1, dem ersten Rückkauf seit Mai 2024.
Burry räumte ein, dass der Cash-Bestand weiterhin erheblich sei. Er bezeichnete Abels bisherige Schritte jedoch als "more framing moves than investment moves", was darauf hindeutet, dass er die Aktivitäten eher als Positionierung denn als Ausdruck echter Überzeugung sieht. Anleger und Analysten beobachten genau, ob Abel eine größere Übernahme anstrebt — etwas, das Buffett selbst in den vergangenen Jahren trotz des wachsenden Cash-Bestands in großem Maßstab nicht hatte oder nicht bereit war umzusetzen.
Bargeldreserven weitgehend intakt
Trotz der erhöhten Ausgaben beendete Berkshire das Q2 mit 365,5 Mrd. US-Dollar in Cash, Zahlungsmitteläquivalenten und kurzfristigen Wertpapieren — rund 2 % weniger als zum Jahresende 2025, als Buffett die Führung übergab. Diese Zahl spiegelt einen seit Jahren anhaltenden Trend wider: Buffett hatte kontinuierlich Cash aufgebaut, was viele als Signal dafür interpretierten, dass er nur begrenzte Chancen zu attraktiven Bewertungen sah.
Berkshire meldete dennoch starke Quartalsergebnisse. Der Gewinn mehr als verdoppelte sich im Q2, getragen von Anlageerträgen und soliden Ergebnissen in den Industrie- und Einzelhandelsgeschäften.
Aktie hinkt dem Gesamtmarkt hinterher
Die Aktie entwickelte sich jedoch schwächer. Berkshires Class-B-Aktien legten im Jahr 2026 bislang nur 3,8 % zu, verglichen mit einem Anstieg des S&P 500 um 13,3 % im selben Zeitraum. Am Montag notierten die Class-B-Aktien bei 534,47 US-Dollar, etwa 2,43 % höher an diesem Tag.
Burrys Beitrag löste auf X mehr als 1.500 Antworten aus. Die Kritik fällt ins Gewicht, da Berkshire seit Langem als stabiler, verlässlicher Wert und nicht als spekulative Wette gilt, außerdem als häufige Kernposition für langfristig orientierte Privatanleger.
Die zentrale Frage, die Burry aufwirft, ist, ob Berkshire weiterhin den Aufschlag verdient, den das Unternehmen historisch am Markt erzielen konnte, nachdem der Mann, der diesen Ruf aufgebaut hat, nicht mehr an der Spitze steht.