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BRICS-CBDC-Gespräche bringen XRP-Ledger-Behauptungen unter Druck

Autor: Crypto Valley Journal·

Wichtige Erkenntnisse

  • RBI-Gouverneur Sanjay Malhotra bestätigte, dass die BRICS-Gespräche über die Anbindung von Zahlungssystemen über CBDCs noch in einem frühen Stadium sind, ohne konkrete Architektur, Zeitplan oder Teilnehmerzusagen.
  • Das Projekt mBridge hat USD 55,49 Milliarden über mehr als 4.000 Transaktionen abgewickelt, wobei rund 95 % des Volumens auf den digitalen Yuan Chinas entfallen, obwohl es formal keine BRICS-Initiative ist.
  • Weder ein BRICS-Mitgliedsstaat noch Ripple haben eine XRP-bezogene Partnerschaft bestätigt, und ein unabhängiger Faktencheck kam zu dem Schluss, dass die kursierenden Behauptungen unbelegt sind.
  • Russland wird den digitalen Rubel ab dem 1. September 2026 verpflichtend einführen, während der Pilot der digitalen Rupie Indiens den im Umlauf befindlichen Wert trotz 12 Millionen Nutzer um 24 % gegenüber dem Vorjahr sinken sah.
  • Brasilien entfernte 2025 die Blockchain-Komponente aus seinem Drex-CBDC-Projekt aufgrund ungeklärter Privatsphäre- und Skalierungsfragen und beschränkte den Start 2026 auf das Kolateralmanagement.
BRICS-CBDC-Gespräche bringen XRP-Ledger-Behauptungen unter Druck

Die Reserve Bank of India hat Gespräche zwischen den BRICS-Staaten über die Anbindung von Zahlungssystemen über digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) bestätigt. Gleichzeitig gibt es für die kursierende Behauptung, BRICS setze auf XRP oder das XRP Ledger, keinerlei Belege.

BRICS ist ein Bündnis aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, das seit 2024 weitere Mitglieder aufgenommen hat. Die Gruppe arbeitet an einer Zahlungsinfrastruktur, die ohne SWIFT und ohne Dollar-Clearing funktionieren soll. CBDCs sind staatlich ausgegebenes, zentral gesteuertes digitales Geld von Zentralbanken und somit keine Krypto-Assets im Sinne von Bitcoin oder XRP. Diese Unterscheidung ist relevant, da es in der aktuellen Debatte um staatliche Zahlungsschienen und Interoperabilität geht, nicht um die Einführung eines öffentlichen Krypto-Netzwerks. Die Zahlungsagenda wird seit über zehn Jahren diskutiert, entbehrt jedoch bis heute einer gemeinsamen technischen Grundlage. Indien hat 2026 den Vorsitz inne. Medienberichten zufolge möchte das Land eine „CBDC Bridge" auf die Tagesordnung des Gipfels in Neu-Delhi setzen. Gouverneur Sanjay Malhotra bestätigte die Gespräche im August 2026, stellte jedoch klar, dass sie sich noch in einem frühen Stadium befinden.

Was die indische Zentralbank zu den BRICS-Gesprächen sagt

Malhotra sprach von einer Diskussion, nicht von einer Entscheidung. Die Mitgliedsstaaten prüfen, ob ihre nationalen Schnellzahlungssysteme miteinander verbunden werden können. Solche Systeme wickeln inländische Zahlungen nahezu in Echtzeit ab. Eine Anbindung an die jeweiligen digitalen Zentralbankwährungen wird ebenfalls geprüft. Grenzüberschreitende Zahlungen laufen derzeit über Korrespondenzbanken, was Kosten und Abwicklungszeiten erhöht. Das erklärte Ziel der Gespräche ist folglich, Zahlungen zwischen den Mitgliedsstaaten billiger und schneller zu machen.

„Various options are on the table, including CBDCs and the linking of fast payment systems, but it is still at the discussion stage." - Sanjay Malhotra, Governor of the Reserve Bank of India

Bislang gibt es keine konkreten Zusagen. Der Gouverneur nannte weder eine Architektur noch einen Zeitplan. Es bleibt offen, ob das Ergebnis eine gemeinsame Plattform, bilaterale Verbindungen oder lediglich koordinierte technische Standards sein werden. Auch ist noch nicht geklärt, welche Mitgliedsstaaten überhaupt teilnehmen würden.

Das Projekt selbst ist nicht neu. Die erste grenzüberschreitende Zahlungsinitiative der Gruppe geht auf das Jahr 2015 zurück. Russland brachte das CBDC-Thema beim Gipfel 2024 in Kasan wieder auf die Agenda. Ein Jahr später forderte die Gipfelerklärung aus Brasilien eine stärkere Interoperabilität der Zahlungssysteme. Dennoch existiert bis heute keine gemeinsame technische Grundlage. Indien möchte die Akte 2026 voranbringen. Der 18. BRICS-Gipfel in Neu-Delhi ist für den 12. und 13. September 2026 anberaumt. Nach elf Jahren Vorarbeit verfügt die Gruppe noch immer über keine gemeinsame Infrastruktur, sondern nur über eine Reihe von Absichtserklärungen.

mBridge ist die einzige aktive Multi-CBDC-Brücke

Es existiert bereits eine funktionierende Multi-CBDC-Plattform, diese befindet sich jedoch außerhalb formaler BRICS-Strukturen. Das Projekt mBridge verbindet die Zentralbanken Chinas, Hongkongs, Thailands, der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens. Die teilnehmenden Geschäftsbanken tauschen digitales Zentralbankgeld direkt untereinander aus und umgehen dabei Korrespondenzbanken. Die Teilnehmerliste überschneidet sich nur teilweise mit dem Bündnis, und die Plattform ist formal kein BRICS-Projekt.

Ursprünglich lief mBridge unter dem Dach der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS). Die BIS beendete ihr Engagement im Oktober 2024 und bezeichnete den Schritt offiziell als „Graduierung". Seitdem betreiben die teilnehmenden Zentralbanken die Plattform eigenständig. Insgesamt hat mBridge USD 55,49 Milliarden über mehr als 4.000 Transaktionen abgewickelt. Gemessen am globalen Korrespondenzbankgeschäft ist das ein vergleichsweise geringer Betrag. Unter den grenzüberschreitenden CBDC-Projekten nimmt die Plattform dennoch eine Sonderstellung ein.

Etwa 95 % des über mBridge abgewickelten Volumens entfallen auf den digitalen Yuan. Folglich fungiert die Plattform in der Praxis als eine e-CNY-Infrastruktur mit angegliederten Partnern. China treibt das Projekt zudem aus einer Position der Stärke voran. Bis Ende 2025 hatte der e-CNY ein kumuliertes Volumen von USD 2,3 Billionen (RMB 16,7 Billionen) über 3,4 Milliarden Transaktionen verarbeitet. Kein anderes Projekt für digitale Zentralbankwährungen erreicht diese Größenordnung. Dennoch taucht das XRP Ledger in den Projektbeschreibungen der beteiligten Zentralbanken nirgendwo auf.

Warum die BRICS-XRP-Ledger-These schwach ist

Weder ein BRICS-Staat noch Ripple haben eine Partnerschaft rund um XRP bestätigt. Ein unabhängiger Faktencheck kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass die kursierenden Behauptungen unbewiesen sind. Ripple führt jedoch dokumentierte Pilotprojekte mit Zentralbanken und Regierungen durch. Diese Mandate umfassen Bhutan seit September 2021, Palau seit November 2021 und Montenegro seit April 2023. Auch Kolumbien und Georgien stehen auf der Liste. Alle diese Mandate stammen aus der Zeit vor der aktuellen BRICS-Debatte, und keiner der Partner ist BRICS-Mitglied.

Auch die politische Logik des Projekts spricht gegen die These. Ripple hat seinen Sitz in San Francisco und unterliegt somit US-Recht und US-Aufsicht. Das zentrale Motiv der BRICS-Zahlungsagenda besteht gerade darin, die Abhängigkeit von US-kontrollierter Finanzinfrastruktur zu verringern – von SWIFT bis zum Dollar-Clearing. Russland und Iran gehören als Vollmitglieder dem Bündnis an und stehen beide unter westlichen Sanktionen. Beobachter sehen darin einen Grund für den Rückzug der BIS aus mBridge. Die BIS weist politische Motive zurück und verweist auf eine geplante Übergabe. Die Wahl eines US-Anbieters als Rückgrat eines Systems, das dazu dienen soll, die US-Kontrolle zu umgehen, wäre daher widersprüchlich.

Auch die architektonische Frage ist relevant. Einer Forbes-Analyse aus Mai 2026 zufolge hat sich die multilaterale CBDC-Interoperabilität in zwei unvereinbare Lager gespalten. Auf der einen Seite ersetzt mBridge das Korrespondenzbankensystem durch direkte Abwicklung zwischen Zentralbanken. Auf der anderen Seite verfolgt die von der BIS geleitete Agorá-Initiative das gegenteilige Design: Sieben Zentralbanken und mehr als 40 private Institutionen möchten das bestehende Korrespondenzbankenmodell durch Tokenisierung erhalten. Zur Gruppe gehören JPMorgan, Citi, HSBC und SWIFT. Laut der Analyse sind die beiden Ansätze strukturell inkompatibel. Keiner von beiden lässt Raum für eine dritte Brücke auf Basis eines öffentlichen Krypto-Ledgers.

Die BRICS-Staaten sind sich über ihre eigenen CBDCs nicht einig

Selbst auf nationaler Ebene verfolgen die BRICS-Mitglieder sehr unterschiedliche CBDC-Wege. Diese ungleiche Fortschrittlichkeit erklärt, warum eine blockweite Brücke eher eine politische Diskussion als ein operationelles Projekt ist. Russland wird den digitalen Rubel ab dem 1. September 2026 verpflichtend einführen. Große Banken müssen ihren Kunden dann Transaktionen mit der Währung ermöglichen, und Händler mit einem Vorjahresumsatz von mehr als RUB 120 Millionen müssen sie akzeptieren. Weitere Stufen folgen später: 2027 gilt eine Schwelle von RUB 30 Millionen, die übrigen Banken und Händler folgen 2028.

Indiens digitaler Rupie entwickelt sich vergleichsweise langsam. Bis Juli 2026 verzeichnete der Pilot 12 Millionen Nutzer und 175 Millionen Transaktionen. Der im Umlauf befindliche Wert sank jedoch bis Ende März 2026 auf INR 771,7 Crore, was einem Rückgang von 24 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Reichweite und tatsächliche Nutzung driften somit auseinander.

Brasilien stufte sein Projekt 2025 deutlich zurück. Die Zentralbank entfernte die Blockchain-Komponente der Drex-CBDC aufgrund ungeklärter Fragen zu Privatsphäre und Skalierbarkeit. Die erste Phase soll nun 2026 ohne Blockchain starten und anfangs nur das Kolateralmanagement für Kreditgarantien abdecken.

Insgesamt wirken diese Programme neben dem e-CNY mit seinem abgewickelten Volumen von USD 2,3 Billionen noch unfertig. Eine gemeinsame Brücke würde ausgereifte nationale Systeme voraussetzen. Gegenwärtig verfügen mehrere Seiten noch nicht darüber.