Brasilianische Banken bauen Kryptoangebote aus, ohne digitale Assets in ihre Bilanz aufzunehmen
Wichtige Erkenntnisse
- •Itaú bietet inzwischen 15 Kryptoassets an, Nubank listet 28, und der Banco do Brasil hat seit dem Start des Handels mit Bitcoin und Ether im Januar mehr als 11 Millionen Reais an Kundentransaktionen abgewickelt.
- •Bei den im März 2026 geprüften Unterlagen der Zentralbank zeigte sich, dass brasilianische Banken keine virtuellen Assets in ihren eigenen Bilanzen halten, obwohl sie Transaktionen abwickeln und Verwahrdienstleistungen für Kunden anbieten dürfen.
- •Brasiliens gemeldetes Kryptotransaktionsvolumen stieg 2025 auf rund 505,5 Milliarden Reais, gegenüber 94,9 Milliarden Reais im Jahr 2020.
- •Dollargebundene Stablecoins machten 2025 rund 80 % der gemeldeten brasilianischen Kryptoaktivität aus.
- •Das Vermittlungsmodell, das mit den Kapitalstandards des Basler Ausschusses vereinbar ist, könnte den Umgang anderer regulierter Finanzinstitute mit digitalen Assets beeinflussen.

Brasiliens größte Banken weiten den Kryptozugang für Privatkunden rasch aus und halten dabei ihre eigenen Bilanzen frei von virtuellen Assets. Diese Strategie ermöglicht es den Banken, die wachsende Kundennachfrage zu bedienen, ohne direkter Exposition gegenüber Kursschwankungen von Kryptowährungen ausgesetzt zu sein.
Itaú bietet über seine Anlageplattform inzwischen 15 Kryptoassets an, darunter Bitcoin, Ether und der Stablecoin USDC. Nubank listet 28 digitale Assets. Der Banco do Brasil nahm im Januar den Handel mit Bitcoin und Ether auf und hat mehr als 11 Millionen brasilianische Reais an Kundentransaktionen abgewickelt.
Banken trennen Kundennachfrage vom eigenen Risiko
Bei den im März 2026 geprüften Unterlagen der Zentralbank zeigte sich, dass brasilianische Banken keine virtuellen Assets in ihren eigenen Bilanzen halten. Die Institute können jedoch weiterhin Transaktionen abwickeln und Verwahrdienstleistungen für Kunden anbieten.
Diese Unterscheidung ist wichtig. Wenn eine Bank einem Kunden Krypto verkauft, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sie das Asset für sich selbst gekauft hat. Stattdessen können die Banken als Vermittler agieren und so die Markt-, Liquiditäts- und Kreditrisiken vermeiden, die mit eigenen Beständen einhergehen. Der Ansatz entspricht zudem internationalen Aufsichtsstandards: Der Krypto-Asset-Rahmen des Basler Ausschusses unterwirft direkte Kryptoexpositionen von Banken einer konservativen Kapitalbehandlung, was global tätige Banken zusätzlich dazu anhält, digitale Assets von ihren eigenen Büchern fernzuhalten.
Brasiliens Großbanken haben ihr Angebot schrittweise erweitert, je klarer die Regulierung wurde. Itaú, Bradesco, Santander, Banco do Brasil und Nubank haben ihre Kryptoexposition über kundenorientierte Produkte allesamt erhöht.
Regulierung öffnet traditionellen Banken die Tür
Brasiliens Kryptomarkt ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Daten der Steuerbehörde zeigen, dass das gemeldete Kryptotransaktionsvolumen 2025 rund 505,5 Milliarden Reais erreichte – nach 94,9 Milliarden Reais im Jahr 2020.
Neue Vorschriften der brasilianischen Zentralbank haben zudem einen klareren Rahmen für Unternehmen mit virtuellen Assets geschaffen. Die Regeln betreffen Zulassung, Kapitalanforderungen, die Trennung von Kundenvermögen, Cybersicherheit sowie Geldwäschepräventionskontrollen. Insbesondere die Anforderungen zur Trennung von Kundenvermögen stützen das Modell der brasilianischen Banken, indem sie Kundenbestände rechtlich von den Eigenmitteln der Institute trennen.
Stablecoins haben eine besonders wichtige Rolle eingenommen. Dollargebundene Token machten 2025 rund 80 % der gemeldeten brasilianischen Kryptoaktivität aus, was die Nachfrage nach digitalen Alternativen zu traditionellen Devisentransaktionen unterstreicht.
Brasiliens Bankenmodell ist nun ein genau beobachteter Testfall für die Branche. Banken können Kryptoprodukte vertreiben, entsprechende Erlöse erzielen und die Kundennachfrage bedienen, während sie ihre direkte Kryptowährungsexposition von den eigenen Bilanzen fernhalten. Diese Trennung könnte beeinflussen, wie andere regulierte Finanzinstitute mit digitalen Assets umgehen.