Blockchain Association fordert Ausnahme für Peer-to-Peer-Transfers bei Stablecoin-Identitätsregeln
Wichtige Erkenntnisse
- •Die vorgeschlagene Regel würde Emittenten zugelassener Zahlungs-Stablecoins verpflichten, Kundenidentifikationsprogramme vorzuhalten.
- •Die Blockchain Association möchte Peer-to-Peer-Transfers von der Identitätsprüfungspflicht ausnehmen.
- •Der Verband hat seine Position im Rahmen einer formalen Stellungnahme im Bundesregulierungsverfahren eingereicht.
- •Die Debatte dreht sich darum, wie Compliance-Regeln anzuwenden sind, wenn bei einem direkten Transfer kein Vermittler beteiligt ist.
- •Das endgültige Ergebnis hängt davon ab, wie die Aufsichtsbehörden auf die eingereichten Stellungnahmen reagieren, bevor sie eine endgültige Regel erlassen.

Die Blockchain Association, ein Branchenverband der Kryptoindustrie, fordert die Aufsichtsbehörden auf, Peer-to-Peer-Transfers aus den neuen Stablecoin-Identitätsregeln herauszuhalten, und mischt sich damit in eine gemeinsame Regulierungsinitiative des Bundes ein, bei der es darum geht, welche Stablecoin-Transaktionen Kundenidentitätsprüfungen auslösen sollten – und welche nicht.
Hintergrund: die gemeinsame Regulierungsinitiative
Die Debatte geht auf eine gemeinsame Regulierungsinitiative des Bundes zu Stablecoin-Emittenten zurück. Der Entwurf würde Emittenten zugelassener Zahlungs-Stablecoins dazu verpflichten, ein Kundenidentifikationsprogramm vorzuhalten, wie aus der Einreichung im Federal Register hervorgeht. Ein Kundenidentifikationsprogramm ist eine Reihe von Regeln, mit denen Unternehmen überprüfen, wer ihre Kunden sind. Solche Programme sind ein seit langem etablierter Bestandteil des traditionellen Bankwesens – US-Banken sind aufgrund des USA PATRIOT Act seit Langem verpflichtet, die Identität ihrer Kunden zu überprüfen –, sodass der Entwurf ein bankenähnliches System zur Identitätsprüfung auf Stablecoin-Emittenten ausdehnen würde.
Die Kategorie der „zugelassenen Zahlungs-Stablecoins“ („permitted payment stablecoin“) stammt selbst aus dem GENIUS Act, dem im Juli 2025 verabschiedeten Bundesgesetz zu Stablecoins, das einen regulatorischen Rahmen für Zahlungs-Stablecoins schuf und die Umsetzungsdetails Regulierungsverfahren wie diesem überließ.
Das Regulierungsverfahren wurde zuvor von den Bundesbehörden eingeleitet, wie The Block berichtete.
Was die Blockchain Association fordert
Die Blockchain Association, eine der wichtigsten Lobbystimmen der Kryptoindustrie in Washington, möchte, dass die Regeln Peer-to-Peer-Transfers ausnehmen. Ein Peer-to-Peer-Transfer ist eine direkte Zahlung von einem Nutzer an einen anderen, ohne dass ein Unternehmen dazwischengeschaltet ist. Der Verband legte diese Auffassung in einer formalen Stellungnahme zum Regulierungsverfahren dar, die auf seiner Website veröffentlicht wurde – dem üblichen Kanal für Stellungnahmen von Industrie und Öffentlichkeit zu einem vorgeschlagenen Bundesrecht. Das zentrale Anliegen ist eine Ausnahmeregelung (Carveout), also eine Ausnahme, die bestimmte Transaktionen von der Identifikationspflicht ausnimmt.
Warum Peer-to-Peer-Transfers im Mittelpunkt stehen
Die Argumentation dreht sich um den Anwendungsbereich der Regel. Der Anwendungsbereich bezeichnet, wie weit die Anforderung reicht und welche Transaktionsarten sie abdeckt. Direkte Transfers zwischen Nutzern stehen im Zentrum der Debatte, weil dabei kein Vermittler beteiligt ist, der üblicherweise Identitätsdaten erheben würde. Die Anwendung derselben Identifikationsanforderungen auf diese Transfers wirft eine praktische Compliance-Frage auf: Wer ist für die Identitätsprüfung verantwortlich, wenn kein Unternehmen beteiligt ist?
Die weiterreichende Arbeit der Blockchain Association zu diesem Thema ist auf ihrer Stablecoin-Politikseite dargelegt. Die Compliance-Debatte dreht sich hier darum, die Regel an den Transaktionstyp anzupassen, statt jeden Stablecoin-Transfer auf dieselbe Weise zu behandeln.
Was dies für die Debatte zur Stablecoin-Regulierung bedeuten könnte
Die Position der Industrie signalisiert Uneinigkeit darüber, wie direkte Krypto-Transfers unter den vorgeschlagenen Regeln behandelt werden sollten. Identitäts- und Compliance-Regeln waren in diesem Jahr ein wiederkehrendes Thema der Kryptopolitik – von ausgeweiteten Sanktionen des US-Finanzministeriums mit Krypto-Bezug bis hin zu Brancheninitiativen gegen illegale Aktivitäten wie den Anstieg der Verluste durch Deepfake-Betrug. Der Antrag auf eine Stablecoin-Ausnahmeregelung eröffnet dieser laufenden Debatte eine neue Front.
Die Tragweite hängt davon ab, wie verbreitet Stablecoins genutzt werden. Auf Anlagen wie den US-Dollar gekoppelte Token – angeführt von Tethers USDT und Circles USDC, den beiden größten nach Umlaufmenge – gehören zu den am stärksten gehandelten Vermögenswerten im Kryptobereich und bewegen rund um die Uhr Werte zwischen Börsen, Unternehmen und Einzelpersonen.
Für gewöhnliche Krypto-Nutzer sind die praktischen Auswirkungen unmittelbar. Wird die Ausnahmeregelung gewährt, könnten direkte Stablecoin-Sendungen an andere Personen außerhalb formeller Identitätsprüfungen bleiben. Wird sie verwehrt, könnten künftig mehr alltägliche Transfers Identitätsanforderungen unterliegen. Nichts ist bisher endgültig: Nach dem Verfahren der Bundesregulierung müssen die Aufsichtsbehörden die eingereichten Stellungnahmen prüfen, bevor sie eine endgültige Regel erlassen, und das Ergebnis hängt von ihrer Reaktion ab.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Kryptowährungs- und digitale Asset-Märkte bergen erhebliche Risiken. Führen Sie vor Entscheidungen immer Ihre eigene Recherche durch.