Bitcoin hält Unterstützung bei $64.500, während Short-Liquidationen im Zuge der BIP-110-Debatte zurückgehen
Wichtige Erkenntnisse
- •Bitcoin hielt am Donnerstag die Unterstützung oberhalb von $64.500 und hat seit Monatsbeginn um etwa 3% zugelegt, während sich die Marktkapitalisierung der Marke von $1,3 Billionen näherte.
- •Die liquidierten Short-Positionen in Bitcoin beliefen sich auf über $30 Millionen und lagen damit mehr als 10% unter den am Mittwoch verzeichneten $35 Millionen.
- •Der Vorschlag BIP 110 spaltet die Community deutlich: Befürworter betonen die Reduzierung von Spam und niedrigere Node-Kosten, Kritiker warnen vor Chain-Split-Risiken und Zensur auf Protokollebene.
- •Kritiker von BIP 110 befürchten, dass Reibungen in der Governance die Ordinals- und NFT-Ökosysteme stören und die breitere Marktdynamik dämpfen könnten.
- •Kommt es durch BIP 110 zu einem Netzwerk-Fork, würden Bitcoin-Halter vor dem Snapshot-Datum auf der entstehenden Chain Guthaben eines neu geschaffenen Tokens erhalten.

Bitcoin hält Unterstützung bei $64.500, während Short-Liquidationen im Zuge der BIP-110-Debatte zurückgehen
Intraday-Kursentwicklung und Marktdynamik
Bitcoin näherte sich am Donnerstag der Marke von $65.000 und setzte damit einen allmählichen Aufwärtstrend fort, der seit Monatsbeginn anhält. Zwar belastete Verkaufsdruck den Markt zeitweise, doch die Tageschart zeigte bei Rücksetzern eine anhaltende Unterstützung oberhalb von $64.500.
Bitcoin fiel jedoch in zwei getrennten Handelssitzungen unter diese Schwelle. Der erste Rückgang erfolgte zwischen 21 Uhr und Mitternacht, als der Kurs auf etwa $64.480 oder tiefer sank. Bitcoin erholte sich bis 1:30 Uhr EST wieder auf über $64.900, doch kurz nach 8 Uhr folgte ein weiterer Rückgang, der das Asset auf ein 24-Stunden-Tief von $64.144 drückte. Eine schnelle Erholung machte diese Verluste wieder wett und hob Bitcoin erneut über $64.800.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wurde Bitcoin oberhalb von $64.500 gehandelt, mit einem Tagesplus von 0,2%. Seit Monatsbeginn ist der US-Dollar-Wert der Kryptowährung um mehr als $2.000 oder rund 3% gestiegen.
Marktkapitalisierung und Derivate
Die Marktkapitalisierung von Bitcoin lag nur wenige Millionen Dollar unter $1,3 Billionen, während die Gesamtmarktkapitalisierung der breiteren Kryptowirtschaft in Richtung $2,29 Billionen stieg.
Am Derivatemarkt führte die Kursentwicklung von Bitcoin zu weniger Liquidationen. Liquidierte Short-Positionen beliefen sich auf mehr als $30 Millionen, was einem Rückgang von über 10% gegenüber den am Mittwoch verzeichneten $35 Millionen entspricht. Über den gesamten Kryptomarkt hinweg erreichten die Liquidationen $212 Millionen und verteilten sich nahezu gleichmäßig auf Short- und Long-Positionen. Der Rückgang der Short-Liquidationen deutet darauf hin, dass bärischer Hebel in früheren Sitzungen bereits erheblich abgebaut worden war, ein Muster, das typischerweise mit Phasen geringerer Richtungsüberzeugung unter Futures-Händlern einhergeht.
BIP-110-Streit dominiert die Marktstimmung
Während die Kontroverse um den CLARITY Act und geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Entwicklung von Bitcoin in den vergangenen Wochen beeinflusst haben, schien die Marktstimmung am Donnerstag stärker von der Debatte über BIP 110 und die Möglichkeit eines Chain-Splits geprägt zu sein.
Bitcoin Improvement Proposals, kurz BIPs, sind der formale Mechanismus, über den Entwickler Protokolländerungen für das Bitcoin-Netzwerk vorschlagen. Besonders BIP 110 steht unter genauer Beobachtung, weil es potenzielle Auswirkungen auf die Transaktionsfilterung und die Dateninskription auf der Basisschicht hat — Fähigkeiten, die dem Ordinals-Protokoll und dem breiteren NFT-Ökosystem zugrunde liegen, das 2023 auf Bitcoin entstanden ist.
Auf sozialen Medienplattformen wie X blieben die Meinungen stark gespalten. Befürworter argumentieren, dass BIP 110 notwendig sei, um nichtfinanziellen Spam zu entfernen, die Betriebskosten von Nodes zu senken und Bitcoins Kernfunktion als monetäres Netzwerk zu bewahren.
Eine lautstarke Mehrheit aus Händlern und Entwicklern lehnt den Vorschlag jedoch entschieden ab. Kritiker warnen vor Risiken eines Chain-Splits, möglicher Zensur auf Protokollebene und Störungen der Ordinals- und Non-Fungible-Token-(NFT)-Ökosysteme. Sie äußern zudem die Sorge, dass Reibungen in der Governance die Marktdynamik bremsen könnten.
Die Episode erinnert an frühere Konflikte um die Bitcoin-Governance, insbesondere an die Skalierungsdebatte von 2017, die im Hard Fork von Bitcoin Cash mündete. In jener Zeit nahm die Marktvolatilität zu, als sich Marktteilnehmer im Vorfeld von Chain-Splits positionierten und das Handelsvolumen rund um Snapshot-Daten anstieg.
Mögliche Fork-Dynamik
Einige Händler sehen die Situation als potenzielle Chance. Führt der Vorschlag zu einer Netzwerktrennung und damit zu zwei getrennten Chains, würden Anleger, die Bitcoin vor dem Snapshot-Datum halten, erwarten, auf der entstehenden Chain ein entsprechendes Guthaben des neuen Tokens zu erhalten. Diese Erwartung erzeugt häufig Kaufdruck vor dem Fork, da Händler das Asset akkumulieren, um die neu geschaffenen Token zu beanspruchen, und dadurch Kursuntergrenzen entstehen.
Wenn der Kaufdruck hingegen hauptsächlich durch die Snapshot-Berechtigung motiviert ist, dürfte nach der Umsetzung des Forks eine deutliche Welle von Gewinnmitnahmen folgen, die kurzfristige Rücksetzer auslösen könnte. Historisch hat Bitcoin, sobald ein Hard Fork abgeschlossen ist und die technische Unsicherheit nachlässt, dazu tendiert, seinen breiteren makroökonomischen Aufwärtstrend wieder aufzunehmen — ein Muster, das vorsichtige Marktteilnehmer beruhigen dürfte.