Amazon-Aktie (AMZN) gibt nach, aber ein Wachstumsmotor beschleunigt sich
Wichtige Erkenntnisse
- •AWS erzielte im zweiten Quartal einen Umsatz von 42,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 36,7 Prozent im Jahresvergleich, mit beschleunigtem Wachstum im fünften Quartal in Folge.
- •Der AWS-Backlog erreichte 496 Milliarden US-Dollar und wuchs mit dreistelliger Jahresrate – ein Zeichen vertraglich gebundener künftiger Cloud-Nachfrage.
- •Amazons Geschäft mit eigenen Chips und die KI-bezogenen Geschäfte überschritten jeweils eine annualisierte Umsatzrate von 25 Milliarden US-Dollar.
- •Die Werbeerlöse stiegen im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 19,8 Milliarden US-Dollar, gestützt von Sponsored Products und der Expansion in Prime Video, Live-Sport und Alexa+.
- •Amazon erwartet, seinen Bestand an Roboterarmen mehr als zu verdoppeln, um durch Automatisierung die Logistikkosten zu senken.

Die Amazon-Aktie (AMZN) notiert weiterhin nahe den Rekordständen, nachdem das Unternehmen seine Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt und ein neues Allzeithoch erreicht hatte. Die Anteile gaben danach etwas nach, aber Amazons Kerngeschäfte verzeichneten weiterhin starkes Wachstum in den Bereichen Cloud-Computing, Werbung, E-Commerce und künstliche Intelligenz.
Amazon setzte zudem seine hohen Ausgaben für KI-Infrastruktur fort – ein Muster, das sich auch bei den größten Cloud-Anbietern zeigt, die im Wettlauf um den Ausbau von Rechenkapazität für KI-Workloads stehen. Starke operative Ergebnisse halfen, diesen Investitionsplan zu stützen, während das Unternehmen Rechenzentren, Chips, Automatisierung und Cloud-Kapazitäten ausbaute.
AWS-Wachstum stützt die Amazon-Aktie
Amazon Web Services erwirtschaftete im zweiten Quartal einen Umsatz von 42,2 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 36,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das AWS-Wachstum beschleunigte sich zum fünften Quartal in Folge, während der Umsatz gegenüber dem Vorquartal um mehr als 4,6 Milliarden US-Dollar zunahm. AWS bleibt trotz eines geringeren Anteils am Gesamtumsatz als das Einzelhandelsgeschäft der größter Gewinnbeitrager Amazons.
Der AWS-Backlog erreichte 496 Milliarden US-Dollar und wuchs im Jahresvergleich mit dreistelliger Rate. Der Backlog umfasst vertragliche Kundenzusagen, die noch nicht als Umsatz erfasst wurden, und gilt daher als eng beobachteter Indikator für die künftige Cloud-Nachfrage. Das Geschäft hat inzwischen eine annualisierte Umsatzrate von rund 169 Milliarden US-Dollar, da Kunden immer mehr Workloads in die Cloud verlagern.
AWS erzielte im Quartal zudem einen operativen Gewinn von 16,6 Milliarden US-Dollar, und das Umsatzwachstum beschleunigte sich laut Amazon-Management zum fünften Quartal in Folge. Das Tempo dieser Beschleunigung hat Aufmerksamkeit erregt, da AWS in direktem Wettbewerb mit Microsofts Azure und Google Cloud steht, die ebenfalls eine starke KI-getriebene Cloud-Nachfrage gemeldet haben.
Amazons Geschäft mit eigenen Chips überschritt eine annualisierte Umsatzrate von 25 Milliarden US-Dollar und wuchs mit dreistelligem Tempo. Auch der KI-bezogene Umsatz stieg über 25 Milliarden US-Dollar, da Kunden mehr für Rechenleistung und KI-Dienste ausgaben. Eigene Silizium-Chips sind zu einem strategischen Schwerpunkt für Cloud-Anbieter geworden, die nach Alternativen zu Nvidias GPUs für kosteneffizientes KI-Computing suchen.
Auch die Nachfrage nach Amazons Graviton-Prozessoren stieg. Die Umsatzzusagen für die Plattform verdreifachten sich nahezu gegenüber dem Vorquartal, während die Adoption von Graviton5 unter großen AWS-Kunden weiter zunahm.
Werbeerlöse wachsen weiter
Amazons Werbeerlöse erreichten im zweiten Quartal 19,8 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sponsored Products blieb das größte Werbeformat des Unternehmens und trug weiterhin zum Wachstum der Einzelhandelsplattform bei. Das Werbegeschäft hat sich zu einer der am schnellsten wachsenden Umsatzquellen Amazons und zu einem bedeutenden Gewinntreiber entwickelt, indem es Einkaufsdaten nutzt, die es von Werbeplattformen ohne direkte Handelstätigkeit unterscheidet.
Amazon baute die Werbung zudem über Prime Video, Live-Sport, Alexa+ und Shopping-Tools aus. Diese Dienste bieten Marken mehr Möglichkeiten, Verbraucher über Amazons digitale Plattformen zu erreichen.
Investitionen in Logistik und Automatisierung
Amazon verbesserte sein E-Commerce-Netzwerk weiter, indem es Lagerbestände näher zu den Kunden platzierte und Transportwege von Paketen verkürzte. Das Unternehmen reduzierte zudem Verarbeitungsschritte und verbesserte die Paketkonsolidierung, um Lieferkosten zu senken. Die regionalisierte Logistik ist eine mehrjährige Anstrengung, die Kosten pro Paket zu senken, während die Liefergeschwindigkeit steigt.
Automatisierung bleibt Teil dieser Strategie. Amazon erwartet, seinen Bestand an Roboterarmen mehr als zu verdoppeln, was die Produktivität in den Lagern steigern könnte, wenn die Bestellvolumina wachsen.
Insgesamt bleiben Cloud-Wachstum, Werbezuwächse, KI-Ausgaben und Verbesserungen in der Logistik zentral für die aktuelle Amazon-Aktienstory. Wie schnell AWS seinen Rekord-Backlog in Umsatz umwandelt und wie sich steigende KI-Kapitalausgaben in den kommenden Quartalen auf den Cashflow auswirken, gehören zu den Faktoren, die Investoren als Nächstes beobachten.