Goldman Sachs und Bank of America unter 21 Banken, die einen gemeinsamen Dollar-Stablecoin planen
Wichtige Erkenntnisse
- •Einundzwanzig große Banken, darunter Goldman Sachs, Bank of America und Citi, haben sich verpflichtet, ein Unternehmen zur Ausgabe eines US-Dollar-Stablecoins zu gründen – mit anvisierter Markteinführung in der ersten Hälfte 2027.
- •Der Token des Konsortiums wäre eine private, durch Reserven gedeckte Verbindlichkeit eines kommerziellen Unternehmens, keine digitale Zentralbankwährung.
- •Das Vorhaben soll dem US-amerikanischen GENIUS Act von Juli 2025 entsprechen, der zugelassenen Bankorganisationen die Ausgabe von Stablecoins erlaubt, sowie, wo anwendbar, dem EU-MiCA-Rahmenwerk.
- •Die Aktien von Circle fielen nach der Ankündigung um rund 6 %, da Anleger bankgestützte Konkurrenz für USDC einpreisten.
- •Die Banken wollen zunächst grenzüberschreitende Zahlungen und die Abwicklung digitaler Vermögenswerte priorisieren; ein Euro-Token soll auf die Dollar-Version folgen.

Einundzwanzig der größten Finanzinstitute der Welt – darunter Goldman Sachs, Bank of America und Citi – haben sich am Dienstag dazu verpflichtet, ein Unternehmen zu gründen, das einen US-Dollar-Stablecoin ausgeben soll. Angestrebt wird eine Markteinführung in der ersten Hälfte 2027.
Das Konsortium hat sich seit der ersten Ankündigung eines explorativen Vorhabens mit zunächst zehn Banken im Oktober 2025 mehr als verdoppelt und umfasst nun Institute aus Nordamerika, Europa, Ostasien, dem Nahen Osten und Afrika. Die Gründung des noch namenlosen Unternehmens ist für die zweite Hälfte 2026 geplant und steht laut einer gemeinsamen Erklärung noch unter dem Vorbehalt abschließender Bedingungen.
Die Ankündigung belastete Circle: Die Aktien fielen am Dienstag um rund 6 %, da Anleger neue, von Banken getragene Konkurrenz für USDC einpreisten. Stablecoins – an Fiatwährungen gekoppelte und durch Reserven gedeckte Token – sind zu einem Markt mit einem Volumen von Hunderten Milliarden Dollar herangewachsen, der heute von Tethers USDT und Circles USDC dominiert wird. Die Banken haben zudem beobachtet, wie Nicht-Krypto-Akteure von Visa bis Stripe Zahlungsströme auf Token aufbauen, die sie nicht kontrollieren.
Was der Token ist – und was nicht
Das Vorhaben ist keine digitale Zentralbankwährung. Eine CBDC ist eine direkte Verbindlichkeit einer Zentralbank – digitales Bargeld, das die Federal Reserve selbst ausgeben und garantieren würde. Der Token des Konsortiums ist das Gegenteil: eine private Verbindlichkeit eines kommerziellen Unternehmens, gedeckt durch Reserven, die die Banken selbst halten – ohne Beteiligung der Bilanz der Fed.
Diese Unterscheidung ist gerade in den USA relevant, da Präsident Donald Trump im Januar 2025 eine Executive Order unterzeichnete, die Bundesbehörden von der Entwicklung oder Ausgabe einer CBDC ausschließt und die Regierung ausdrücklich anweist, stattdessen private, an den Dollar gekoppelte Stablecoins zu unterstützen. Ein von Banken ausgegebener Stablecoin ist daher keine hintertürige CBDC – er ist die Alternative, für die sich Washington ausdrücklich entschieden hat.
Die regulatorischen Grundlagen wurden anschließend durch den im Juli 2025 in Kraft gesetzten GENIUS Act geschaffen, der bundesweite Regeln für Emittenten von Zahlungs-Stablecoins festlegt – einschließlich Anforderungen an Reserven und Offenlegung – und bemerkenswerterweise einen Weg für zugelassene Bankorganisationen eröffnet, selbst Stablecoins auszugeben. Das seit Mitte 2024 geltende MiCA-Rahmenwerk der EU bildet das europäische Pendant.
Eine Teilnehmerliste aus fünf Regionen
Aus Nordamerika stammen Goldman Sachs, Bank of America, Citi, Capital One, Fidelity Investments, PNC Financial Services, Scotiabank, TD Bank Group, Wells Fargo und WisdomTree. Aus Europa kommen Santander, BBVA, Commerzbank, Crédit Agricole, Deutsche Bank, Lloyds Banking Group, Rabobank und UBS, während MUFG Bank, Sirius International Holding und Standard Bank Ostasien, den Nahen Osten und Afrika vertreten.
Die Banken beabsichtigen den Einsatz des Tokens auf Groß-, institutionellen und Einzelhandelsmärkten, wobei grenzüberschreitende Zahlungen und die Abwicklung digitaler Vermögenswerte als erste Anwendungsfälle gelten – ein Bereich, in dem die heutige Korrespondenzbankkette mehrere Tage und zahlreiche Zwischenstationen pro Überweisung erfordern kann. Nach dem Dollar-Token ist eine Version in Euro geplant, noch vor weiteren G7-Währungen. Das Vorhaben soll dem US-amerikanischen GENIUS Act sowie, wo anwendbar, dem EU-MiCA-Rahmenwerk entsprechen.
Ein lange gereifter Plan
Die Idee ist nicht neu. JPMorgan, Bank of America, Citi und Wells Fargo erwägen seit 2025 einen gemeinsamen Token, Monate bevor zunächst zehn Institute das Vorhaben offiziell ankündigten. Bemerkenswerterweise ist JPMorgan nicht unter den 21 Namen auf der Liste dieser Woche, obwohl das Institut bereits den JPM Coin betreibt – einen internen, auf Blockchain basierenden Zahlungstoken für institutionelle Kunden.
Die Banken sind nicht die Einzigen, die gemeinsame Zahlungsinfrastrukturen aufbauen. Im August gründeten 39 staatliche Bankenverbände die BankChain Alliance, ein separates Netzwerk, das Community- und Regionalbanken Zugang zu tokenisierten Einlagen verschaffen soll. Und bereits im Juni unterstützten Circles eigene Vertriebspartner – darunter Visa, Mastercard und Stripe – Open USD, einen konkurrierenden Stablecoin, was einen Kursverfall von Circles Aktie zur Folge hatte.
Die Boston Consulting Group und die Brunswick Group beraten das Vorhaben, wobei beide betonen, keine Befugnis zu haben, das Konsortium oder seine Mitglieder zu binden. Das Ziel der Gruppe bleibt unverändert: ein US-Dollar-Stablecoin bis zur ersten Hälfte 2027 am Markt – bis dahin sind der Umsetzungszeitplan des GENIUS Act und die Fähigkeit des Konsortiums, die abschließenden Bedingungen zu erfüllen, die entscheidenden Meilensteine.