NachrichtenRohstoffe & ForexYen-Aufwertung könnte sich abzeichnen: BoJ-Straffung bereits eingepreist

Yen-Aufwertung könnte sich abzeichnen: BoJ-Straffung bereits eingepreist

Autor: OANDA MarketPulse·

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Markt preist bis Jahresende rund 45 Basispunkte an Zinserhöhungen der BoJ ein, wobei die Politikrate in zwölf Monaten einen neutralen Wert von 2 % erreichen soll.
  • Eine 50-Basispunkte-Erhöhung im September mit anschließenden aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen gilt angesichts schwachen japanischen Konsums und des governmentseinflusses auf das Tempo der Politik als unwahrscheinlich.
  • Spekulationen, dass der GPIF, der rund 2 Billionen USD verwaltet, inländische Anlagen erhöhen könnte, haben den Yen gestützt, doch eine offizielle Ankündigung dürfte erst Ende Oktober erfolgen.
  • Das Niveau 155 ist die wichtige technische Unterstützung für USD/JPY, und eine Konsolidierung darum gilt als wahrscheinlicher als eine sofortige Bewegung in den Bereich 150–152.
  • Eine weitere wesentliche Yen-Aufwertung würde entweder eine hawkische BoJ-Überraschung oder eine erhebliche Änderung inländischer Investitionsströme erfordern.
Yen-Aufwertung könnte sich abzeichnen: BoJ-Straffung bereits eingepreist

Der Yen erlebte eine weitere Woche starker Schwankungen, doch das Ausmaß der derzeit von der Bank of Japan erwarteten geldpolitischen Straffung deutet darauf hin, dass ein Großteil der positiven Nachrichten bereits in der Bewertung der Währung enthalten ist. Der Markt preist bis Jahresende rund 45 Basispunkte an Zinserhöhungen ein, und in den nächsten zwölf Monaten wird erwartet, dass die Politikrate 2 % erreicht – ein Niveau, das weithin als neutral gilt. Eine Zinserhöhung um 50 Basispunkte im September gefolgt von aufeinanderfolgenden Erhöhungen gilt als unwahrscheinlich, während auch mögliche Änderungen der Anlageallokation des GPIF den Yen gestützt haben. Die Zone um 155 könnte als wichtige Unterstützung für USD/JPY fungieren.

Aggressive BoJ-Straffung bereits eingepreist

Ein weiterer anhaltender Rückgang des USD/JPY würde wahrscheinlich erfordern, dass sich die Erwartungen in Richtung eines noch aggressiveren Straffungszyklus der BoJ verschieben. Ein extrem hawkisches Szenario wäre eine Erhöhung um 50 Basispunkte im September, gefolgt von weiteren Schritten im Oktober und Dezember. Dies würde die Politikrate vor Jahresende auf 2 % bringen und eine Gesamtstraffung von 100 Basispunkten darstellen.

Ein solches Szenario erscheint unwahrscheinlich. Der japanische Konsum bleibt schwach, was die Fähigkeit der Wirtschaft einschränkt, einen raschen Anstieg der Kreditkosten zu absorbieren. Die Regierung behält zudem erheblichen Einfluss auf die Richtung der Wirtschaftspolitik, was die BoJ zu einem graduelleren Vorgehen bewegen könnte. Die Wahrscheinlichkeit einer 50-Basispunkte-Bewegung im September mit anschließenden aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen bleibt daher gering.

Dieser Gradualismus wirkt über Japan hinaus. Da der Yen lange als Niedrigzins-Finanzierungswährung für globale Carry Trades diente, haben Erwartungen über das Tempo der BoJ-Normalisierung Auswirkungen auf Positionierungen weit über USD/JPY hinaus.

GPIF-Spekulationen stützen die Währung

Der Yen profitierte auch von Spekulationen, dass Japans Government Pension Investment Fund den Anteil inländischer Vermögenswerte in seinem Portfolio erhöhen könnte. Der GPIF verwaltet rund 2 Billionen USD, und jede Verlagerung hin zu japanischen Wertpapieren könnte eine zusätzliche Nachfrage nach Inlandsanlagen erzeugen und die Währung indirekt stützen. Der Fonds, einer der größten institutionellen Investoren der Welt, verteilt sein Portfolio derzeit auf in- und ausländische Anleihen und Aktien, weshalb jede Neugewichtung seiner Benchmark-Anteile ein marktbewegendes Ereignis darstellt.

Diese Erwartungen sind noch nicht bestätigt. Eine offizielle Ankündigung könnte erst Ende Oktober erfolgen, was bedeutet, dass der Markt lange auf ein klares Signal warten müsste. Ohne Bestätigung könnten die Spekulationen um den GPIF dem Yen nur noch begrenzte Unterstützung bieten.

USD/JPY könnte sich nahe 155,00 stabilisieren

Das Haupthindernis für eine weitere Yen-Aufwertung besteht darin, dass sowohl die erwarteten Zinserhöhungen der BoJ als auch eine mögliche Änderung der Anlagestrategie des GPIF weitgehend eingepreist erscheinen. Das Niveau 155 bleibt ein wichtiger Unterstützungsbereich für USD/JPY. Kurzfristig ist daher eine Konsolidierung um dieses Niveau wahrscheinlicher als eine sofortige Bewegung in den Bereich 150–152.

Auch die Positionierung spekulativer Investoren deutet auf ein begrenzteres Aufwertungspotenzial hin. Die Short-Positionen im Yen sind nicht mehr so groß wie vor zwei Jahren. Folglich wird die Glattstellung bärischer Positionen kaum einen Rallye hervorrufen, der mit früheren Episoden einer raschen Yen-Aufwertung vergleichbar wäre.

Ein neuer Katalysator ist erforderlich

Der mittelfristige Ausblick für den Yen bleibt konstruktiv, da die Bank of Japan ihre Geldpolitik weiter normalisiert. Nach der jüngsten Aufwertung könnte die Währung jedoch einen neuen Katalysator benötigen, um ihre Gewinne auszubauen.

Sofern die BoJ keinen aggressiveren Pfad der Zinserhöhungen signalisiert oder der GPIF eine höhere Allokation inländischer Vermögenswerte bestätigt, könnte USD/JPY in eine Konsolidierungsphase um 155 eintreten. Eine weitere wesentliche Stärkung des Yen würde entweder eine hawkische Überraschung der Notenbank oder eine erhebliche Änderung der inländischen Investitionsströme erfordern.

Technische Analyse USD/JPY

Ende Juli brach der USD/JPY unter seinen mittelfristigen Aufwärtskanal. Die Bewegung wurde durch Interventionen und die Auswirkungen koordinierter Maßnahmen Japans und der Vereinigten Staaten ausgelöst. Das Paar korrigierte anschließend nach oben in Richtung der Zone um 160, bevor es unter erneuten Verkaufsdruck geriet und auf 155 zurückfiel.

Das Niveau 155 ist nun die entscheidende technische Unterstützung, die von den Käufern derzeit erfolgreich verteidigt wird. Aus dieser Zone könnte sich daher eine Konsolidierungsphase oder eine weitere Erholung entwickeln. Ein Bruch unter 155 kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Bestätigt er sich, könnte der Weg Richtung 152 offenstehen, wo sich die Tiefs von Ende Januar und Februar 2026 befinden.

Die Meinungen sind die der Autoren; nicht notwendigerweise die von OANDA Business Information & Services, Inc. oder einer ihrer Tochtergesellschaften, Filialen, leitenden Angestellten oder Direktoren. Die vorliegende Veröffentlichung dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken.

Quelle: OANDA MarketPulse