NachrichtenKryptoWintermute sichert sich US-Broker-Dealer-Lizenz und nimmt Wall-Street-Giganten ins Visier

Wintermute sichert sich US-Broker-Dealer-Lizenz und nimmt Wall-Street-Giganten ins Visier

Autor: Crypto Valley Journal·

Wichtige Erkenntnisse

  • Wintermute USA hat sich als SEC Broker-Dealer registriert und ist FINRA beigetreten. Dadurch darf das Unternehmen traditionelle Wertpapiere handeln, als Authorized Participant für ETPs einschließlich Krypto-ETFs auftreten und digitale Wertpapiertransaktionen intern abwickeln.
  • Erstmals kann damit ein kryptonatives Market-Maker-Haus als Authorized Participant für Krypto-Exchange-Traded Products fungieren; diese Rolle lag bislang ausschließlich bei traditionellen Wall-Street-Firmen wie Jane Street, JPMorgan und Citadel Securities.
  • Wintermute hatte bereits vor Erhalt der Lizenz ETF-Emittenten als Kunden gewonnen und arbeitet im US-Wertpapiergeschäft mit bestehender Nachfrage statt bei null zu beginnen.
  • Institutionelle Kunden machten im ersten Halbjahr 2026 72% des Spot-OTC-Volumens aus, nach 59% im Vorjahreszeitraum, was die strategische Verschiebung hin zu regulierten Institutionen unterstreicht.
  • Gaevoys Fahrplan sieht zunächst Commodity- und Digital-Asset-ETFs vor, danach tokenisierte Aktien und schließlich den Status als Designated Market Maker an einer großen Börse; jede Stufe erfordert eine eigene Genehmigung.
Wintermute sichert sich US-Broker-Dealer-Lizenz und nimmt Wall-Street-Giganten ins Visier

Wintermute USA hat sich Anfang August bei der US-Börsenaufsicht SEC als Broker-Dealer registriert und ist FINRA beigetreten, der Selbstregulierungsorganisation für US-Broker-Dealer. Mit der Lizenz will CEO Evgeny Gaevoy nun innerhalb von drei bis fünf Jahren zu Citadel Securities und Jane Street aufschließen.

Wintermute zählt zu den größten Market Makern im Kryptomarkt und stellt auf mehr als 60 zentralisierten und dezentralisierten Handelsplätzen kontinuierlich Kauf- und Verkaufskurse für digitale Vermögenswerte. Das durchschnittliche tägliche Volumen liegt über USD 10 Milliarden. Das Unternehmen etablierte seine Präsenz in den USA im Mai 2025 mit einer eigenen Zentrale in New York. Ohne Broker-Dealer-Status war das Handelshaus jedoch vom Settlement für Krypto-ETFs ausgeschlossen. Allein BlackRocks iShares Bitcoin Trust hielt Ende Juni 2026 Vermögenswerte von USD 43.2 Milliarden und wurde von rund einem Dutzend Authorized Participants bedient — keiner davon war kryptonativ. Die Gelegenheit geht weit über ein einzelnes Produkt hinaus: Seit dem Start der US-Spot-Bitcoin-ETFs im Januar 2024 und der Spot-Ethereum-ETFs später im selben Jahr hat sich die Kategorie zu einem der erfolgreichsten ETF-Starts nach verwaltetem Vermögen entwickelt und den adressierbaren Markt für jedes Unternehmen erweitert, das als Authorized Participant agieren kann.

Was die Broker-Dealer-Lizenz für Wintermute freischaltet

Die Registrierung bei der SEC und die FINRA-Mitgliedschaft öffnen für die US-Einheit von Wintermute gleichzeitig drei Geschäftsbereiche. Das Unternehmen darf nun traditionelle Aktien und Aktienoptionen für eigene Rechnung handeln. Außerdem kann es als Authorized Participant für Exchange-Traded Products (ETPs) einschließlich Krypto-ETFs auftreten. Darüber hinaus wickelt es Transaktionen mit digitalen Wertpapieren nun intern ab, ohne einen externen Clearing-Broker einzuschalten. Zuvor war das Unternehmen für jede dieser Funktionen auf lizenzierte Partner angewiesen.

Authorized Participants sind der zentrale Kontrollpunkt jedes ETFs. Nur sie dürfen neue Fondsanteile schaffen oder bestehende Anteile zurückgeben, indem sie den zugrunde liegenden Vermögenswert gegen Anteile tauschen, wodurch der Marktpreis eines börsengehandelten Produkts nahe am Nettoinventarwert bleibt. Bei einem Bitcoin-ETF liefert der AP beispielsweise Bitcoin oder den entsprechenden Barwert und erhält im Gegenzug neue Anteile. Weicht der Marktpreis vom Wert der Bestände ab, vereinnahmt der AP die Differenz. Ohne diesen Arbitragezyklus würde ein Fonds systematisch von seinem inneren Wert abdriften. Genau diese Rolle war kryptonativen Handelsfirmen bislang faktisch verschlossen.

Self-Clearing senkt Kosten und verkürzt die Abwicklungswege, da keine dritte Partei zwischen Handelsausführung und Settlement sitzt. Krypto-ETFs liegen an der Schnittstelle zweier Abwicklungswelten: Die Fondsanteile laufen über die traditionelle Wertpapierinfrastruktur, während der zugrunde liegende Vermögenswert über Blockchains abgewickelt wird. An dieser Nahtstelle sitzt ein kryptonativer Market Maker näher am Basiswert als ein klassisches Wall-Street-Haus. Bislang endeten Wintermutes Möglichkeiten jedoch an der Grenze zur US-Wertpapierinfrastruktur. Das Unternehmen stellte weltweit Kurse für digitale Vermögenswerte, konnte aber nicht an der Schaffung und Rücknahme von ETF-Anteilen teilnehmen. Das Geschäft blieb daher auf Spot- und Derivatemärkte beschränkt. Die Lizenz beseitigt diese Trennung. Der Anbieter bewegt sich damit innerhalb desselben regulatorischen Rahmens wie die Wall-Street-Häuser, mit denen er konkurrieren will.

Institutionelle Kunden stehen bereits Schlange

Wintermute startet das US-Wertpapiergeschäft nicht bei null. Das Unternehmen hatte bereits vor Inkrafttreten der Lizenz ETF-Emittenten als Kunden gewonnen. Da Emittenten für jeden neuen Fonds mindestens einen Authorized Participant benötigen, der Anteile schaffen und zurückgeben kann, arbeitet das Unternehmen nun eine bestehende Nachfrage ab, statt auf sie zu warten. Für einen Neueinsteiger im US-Wertpapiergeschäft ist das ein vergleichsweise komfortabler Start.

Die Kundenstruktur hat sich zuletzt deutlich verschoben. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 72% des Spot-OTC-Volumens auf institutionelle Kunden, nach 59% ein Jahr zuvor. Das OTC-Geschäft läuft über bilateral ausgehandelte Blöcke statt über offene Orderbücher. Institutionelle Kunden verlangen regulierte Gegenparteien mit dokumentierten Abwicklungswegen. Der Broker-Dealer-Status liefert genau diesen Nachweis. Folglich verschiebt sich der Geschäftsschwerpunkt vom reinen kryptonativen Eigenhandel hin zu Dienstleistungen für regulierte Institutionen.

Das Unternehmen hat diesen Schritt seit mehr als einem Jahr vorbereitet. Im Mai 2025 kam mit der Eröffnung der New Yorker Zentrale eine prominente Verstärkung hinzu. Ron Hammond, der zuvor für die Blockchain Association gearbeitet hatte, übernahm die Rolle des Head of Policy and Advocacy. Im September 2025 reichte das Unternehmen zudem eine Stellungnahme bei der SEC Crypto Task Force ein. Darin argumentierte Wintermute, dass Broker-Dealer tokenisierte Wertpapiere frei für eigene Rechnung handeln sollten. Die Eingabe forderte außerdem die Verwahrung in Wallet-Software. Die Behörde hielt das Treffen später in einem separaten Memo fest. Diese Positionen decken genau die Stufen ab, die auf die aktuelle Lizenz folgen sollen.

Das Oligopol, in das Wintermute vorstößt

BlackRocks iShares Bitcoin Trust startete im Januar 2024 mit vier Authorized Participants: Jane Street, JPMorgan, Macquarie und UBS. Im April 2024 kamen Goldman Sachs, Citigroup, Citadel Securities und ABN AMRO hinzu. Die Liste, die in jedem Fondsprospekt erscheint, ist seitdem Schritt für Schritt gewachsen. Ende Juni 2026 zählte der Kreis rund ein Dutzend Häuser — weiterhin ohne ein einziges kryptonatives Unternehmen. Damit bedienen aus der traditionellen Wall Street hervorgegangene Häuser den größten Bitcoin-Fonds der Welt.

Eine Ebene darüber ist der Kreis noch enger. An der NYSE verfügen nur drei Häuser über den Status als Designated Market Maker: Citadel Securities, Virtu Americas und GTS Securities. Die Börse weist jeder gelisteten Aktie genau einen DMM zu, und dieses Unternehmen muss Liquidität bereitstellen. Wer diesen Status anstrebt, muss zudem vor Inventarrisiko über mindestens USD 75 Millionen an Kapital verfügen. Citadel Securities betreut mehr als 1,900 NYSE-Werte und damit rund 62% aller Listings. Bei über 80% der jüngsten NYSE-IPOs leitete dasselbe Haus zudem die Eröffnungsauktion.

Die Größenordnung des Gegners lässt sich leicht beziffern. Citadel Securities erzielte 2025 Handelserlöse von USD 12.2 Milliarden. Allein im ersten Quartal 2026 kamen weitere USD 4.3 Milliarden hinzu. Außerdem laufen rund 35% aller US-Privatkunden-Orderflows über das Unternehmen. Gleichzeitig schrumpft der Kreis lizenzierter Marktteilnehmer weiter. FINRA beaufsichtigte Ende 2025 3,184 Broker-Dealer, gegenüber 3,394 im Jahr 2021. Freie Plätze werden in diesem Bereich nur selten frei. Wintermute tritt dennoch als Herausforderer ohne Aktienmarkt-Historie an.

Gaevoys gestufter Plan in Richtung Market-Maker-Status

Die Roadmap verläuft in Stufen, und jede einzelne benötigt eine eigene Genehmigung. Zuerst zielt Wintermute auf Commodity- und Digital-Asset-ETFs, also das Segment, das dem bestehenden Handelsgeschäft am nächsten liegt. Danach folgen tokenisierte Aktien, sofern die Aufseher zustimmen. Den Abschluss bildet der Status als Designated Market Maker an einer großen Börse. Die Kapitalanforderung von USD 75 Millionen gilt erst in dieser letzten Stufe. Insgesamt veranschlagt Gaevoy drei bis fünf Jahre, um zu Jump Trading, Jane Street und Citadel Securities aufzuschließen.

Auch der regulatorische Rahmen bewegt sich in dieselbe Richtung. Im März 2026 genehmigte die SEC eine Nasdaq-Regel für den Handel mit tokenisierten Aktien. Im Juni 2026 gründete Intercontinental Exchange, Eigentümerin der NYSE, gemeinsam mit der Handelsplattform OKX ein Joint Venture. Beide Schritte bringen die Tokenisierung traditioneller Wertpapiere näher an die Marktinfrastruktur. Der regulierte Handel mit tokenisierten Aktien wäre letztlich die Voraussetzung für die zweite Stufe von Wintermute. Dennoch hängt jeder weitere Schritt von einer individuellen Entscheidung durch Aufseher und Börsen ab. Bislang haben die Regulierer nur die erste Stufe genehmigt.

Gaevoy begründet den Vorstoß mit der Konvergenz beider Märkte.

"Digital assets and traditional financial markets will continue to develop in parallel, intersect in new ways and ultimately converge more strongly. As that plays out, the firms that succeed will be those with the technical and operational expertise to act in both worlds." - Evgeny Gaevoy, founder and CEO, Wintermute

"Digital assets and traditional financial markets will continue to develop in parallel, intersect in new ways and ultimately converge more strongly. As that plays out, the firms that succeed will be those with the technical and operational expertise to act in both worlds." - Evgeny Gaevoy, founder and CEO, Wintermute

Die Aussage beschreibt zugleich das Geschäftsmodell, das das Unternehmen in den USA aufbauen will. Hier trifft kryptonative Handelstechnologie auf regulierte Wertpapierinfrastruktur. Ob daraus ein ernsthafter Konkurrent für Citadel Securities wird, entscheiden jedoch erst die kommenden Genehmigungen.