US-Warenhandelsdefizit größer als vor der Wahl – Überraschung nach oben um 18 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Konsens
Wichtige Erkenntnisse
- •Das Warenhandelsdefizit der USA übersteigt inzwischen sein Niveau vor der Wahl; die jüngsten Zahlen lagen mit einer Überraschung nach oben um 18 Milliarden US-Dollar über der Bloomberg-Konsensprognose.
- •Die Warenimporte steigen, statt auf ihr Niveau vor Einführung der Zölle zurückzufallen – entgegen den Erwartungen, dass die Zölle sie senken würden.
- •Der Warenhandelssaldo auf Census-Basis lag im Mai und Juni rund 2 Milliarden US-Dollar über der Zahlungsbilanzbasis – eine Abweichung, die neben der um 18 Milliarden US-Dollar verfehlten Konsensprognose kaum ins Gewicht fällt.
- •Die monatlichen US-Handelszahlen werden gemeinsam vom Census Bureau und vom BEA erstellt; die Warenzahlen auf Census-Basis erscheinen zuerst in einem Vorbericht.
- •Die monatlichen Warenhandelssalden gehören zu den Eingangsdaten, die das BEA für die BIP-Schätzung verwendet; das dauerhafte US-Warenhandelsdefizit wird teilweise durch einen Überschuss bei den Dienstleistungen ausgeglichen.

Das Warenhandelsdefizit der USA ist inzwischen größer als vor der Wahl, berichtet Econbrowser; die jüngsten Zahlen bedeuteten gegenüber der Bloomberg-Konsensprognose eine Überraschung nach oben um 18 Milliarden US-Dollar.
„So much for tariffs reducing goods imports relative to pre tariff“, schreibt der Autor und stellt fest, dass die Warenimporte steigen, statt auf ihr Niveau vor Einführung der Zölle zurückzufallen.
Abbildung 1: Warenhandelssaldo, Zahlungsbilanzbasis (schwarz), Census-Basis (rot), Bloomberg-Konsens (blau +), jeweils in Millionen US-Dollar, saisonbereinigt. Quelle: BEA via FRED, Census und Berechnungen des Autors.
Abbildung 2: Warenimporte (schwarz), Zahlungsbilanzbasis bis April, danach Census-Basis, jeweils in Millionen US-Dollar, saisonbereinigt. Quelle: BEA via FRED, Census und Berechnungen des Autors.
Was die Lücke zwischen den beiden Erfassungsbasen betrifft, so liegt die Census-Basis im Mai und Juni rund 2 Milliarden US-Dollar über der Zahlungsbilanzbasis – ein geringer Unterschied gemessen an den Standards der monatlichen Handelsdaten. Die Verfehlung des Konsenses um 18 Milliarden US-Dollar übertrifft die Abweichung zwischen den beiden Basen damit bei weitem und liegt eine Größenordnung über jedem Unterschied, der auf die Wahl des Erfassungskonzepts zurückzuführen ist.
Der Referenzpunkt „vor der Wahl“ ist die US-Präsidentschaftswahl im November 2024, nach der die neue Regierung ein breit angelegtes Zollprogramm für Importe in die Vereinigten Staaten umsetzte.
Die monatlichen US-Handelszahlen werden gemeinsam vom Census Bureau und vom Bureau of Economic Analysis (BEA) erstellt. Die Census-Basis erfasst den Warenhandel so, wie er in Zolldokumenten gemeldet wird, während die Zahlungsbilanzbasis (BoP-Basis) diese Zahlen um Unterschiede bei Zeitpunkten, Bewertung und Abdeckung korrigiert, sodass die Handelsströme mit den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen übereinstimmen. Die Warenzahlen auf Census-Basis erscheinen zuerst in einem Vorbericht, der der vollständigen Veröffentlichung für Waren und Dienstleistungen vorausgeht; der Wechsel der Importgrafik von BoP- zu Census-Daten nach April spiegelt diese frühere Verfügbarkeit wider. Die in den Abbildungen dargestellten BEA-Reihen werden über FRED verbreitet, die wirtschaftsstatistische Datenbank der Federal Reserve Bank of St. Louis. Der Bloomberg-Konsens gibt Prognosen wieder, die aus Umfragen unter von Bloomberg befragten Ökonomen aggregiert werden.
Der Warenhandelssaldo umfasst ausschließlich den Handel mit Waren. Die USA verzeichnen ein dauerhaftes Defizit im Warenhandel, das in der gesamten Handelsbilanz teilweise durch einen Überschuss bei den Dienstleistungen ausgeglichen wird. Da die Nettoexporte unmittelbar in die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen eingehen, gehören die monatlichen Warenhandelssalden zu den Eingangsdaten, die das BEA für die Schätzung des BIP verwendet; die kommenden Monatsveröffentlichungen werden zeigen, ob die Warenimporte über ihrem Niveau vor der Wahl bleiben – der Vergleich, der im Zentrum der Zolldebatte steht, mit der sich der Artikel befasst.