NachrichtenMakroUK-Verbraucherpreisindex rückt heute in Europas Wirtschaftskalender in den Mittelpunkt

UK-Verbraucherpreisindex rückt heute in Europas Wirtschaftskalender in den Mittelpunkt

Autor: ForexLive·

Wichtige Erkenntnisse

  • Für die britische Jahresinflation wird im Juli ein Anstieg auf 2,9% nach 2,6% im Juni erwartet, getrieben von Energiepreisschwankungen und der höheren Ofgem-Preisobergrenze für das dritte Quartal.
  • Die Kerninflation dürfte im Juli auf 2,5% sinken, während die Dienstleistungsinflation voraussichtlich von 3,6% im Juni auf 3,4% zurückgeht.
  • Händler preisen für die Bank of England im September rund 78% Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen ein; die Entscheidung im November gilt als offen.
  • Die endgültige Juli-Inflationsschätzung für die Eurozone dürfte kaum Marktreaktionen auslösen, da solche Revisionen meist nur wenig vom vorläufigen Wert abweichen.
  • Die Marktpreise für eine Zinserhöhung der EZB im September haben sich auf etwa 91% erhöht, gestützt durch restriktive Äußerungen, höhere Energiepreise und jüngste Entwicklungen zwischen den USA und Iran.
UK-Verbraucherpreisindex rückt heute in Europas Wirtschaftskalender in den Mittelpunkt

Heute steht in Europas Wirtschaftskalender vor allem die Inflation im Fokus, und der britische Verbraucherpreisindex wird als frische Veröffentlichung im Mittelpunkt stehen. Der Verbraucherpreisindex der Eurozone ist dagegen die endgültige Schätzung für Juli, die in der Regel kein großer Markttreiber ist, da die Zahlen meist kaum von den vorläufigen Werten abweichen.

Die britischen Inflationsdaten werden auf großes Interesse stoßen, da sie beeinflussen, wie die Märkte den Ausblick der Bank of England (BOE) in den letzten Monaten des Jahres einordnen — zumal die Preisentwicklung weiterhin über dem 2%-Inflationsziel der BOE liegt. Der Inflationsimpuls wird mehr Gewicht haben als die gestern veröffentlichten Arbeitsmarktdaten, was die heutige Veröffentlichung noch wichtiger macht.

Für die Gesamtjahresinflation wird ein Anstieg vom Juniniveau von 2,6% (ungerundet 2,65%) auf 2,9% im Juli erwartet. Die Kerninflation, die Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak ausklammert, dürfte dagegen leicht auf 2,5% (ungerundet 2,52%) sinken, nach 2,6% (ungerundet 2,57%) im Juni. Liegt die Kerninflation in etwa dort, bleibt sie nahe an der eigenen BOE-Prognose von 2,55%.

Der Anstieg der Gesamtinflation ist erneut auf die Entwicklung der Energiepreise zurückzuführen. Auch die Erhöhung der Ofgem-Preisobergrenze — der vierteljährlichen Obergrenze für Standard-Haushaltsenergietarife, die von der britischen Energieaufsicht festgelegt wird — für Q3 ist Teil davon und dürfte die Energiepreisinflation stützen, was wiederum die Gesamtinflation erhöht.

Bei der Dienstleistungsinflation wird erwartet, dass sie hartnäckig bleibt, aber im Juli auf 3,4% zurückgeht, nach 3,6% im Juni. Dienstleistungspreise gelten für die BOE als wichtiger Indikator für im Inland erzeugten, lohnempfindlichen Preisdruck, weshalb ihre Entwicklung für die geldpolitische Debatte oft wichtiger ist als von Energie getriebene Ausschläge bei der Gesamtinflation. Einige Analysten verweisen auf Basiseffekte bei Flugpreisen, während andere erwarten, dass die staatliche Sparpolitik Great British Summer die Preise für Freizeit- und Gastronomiedienstleistungen belastet. Für Letzteres reichen die Einschätzungen von keiner materiellen Auswirkung bis zu einem Dämpfer von 0,1% bis 0,2% auf die Gesamtinflation.

Ohne größere Überraschungen dürften die Zahlen den Ausblick der BOE am Ende des Tages nicht allzu stark verändern. Händler preisen für September mit etwa 78% Wahrscheinlichkeit keine Veränderung ein, während die nächste Entscheidung im November eher als Münzwurf gilt. Solange die Inflation also nicht unerwartet wieder auf 3% oder höher steigt, kann die BOE heute mit etwas mehr Ruhe auf die anstehende geldpolitische Entscheidung im nächsten Monat blicken.

Was die Inflationsdaten der Eurozone betrifft, dürften sie im Wesentlichen nur bestätigen, was bereits aus dem vorläufigen Bericht bekannt ist: Die Inflation im Euroraum steigt im Juli leicht an und hält den Druck auf die EZB aufrecht.

Der einzige Unterschied besteht darin, dass sich die Markterwartungen für eine Zinserhöhung im September in den vergangenen Wochen gefestigt haben; die Wahrscheinlichkeit liegt nun bei etwa 91%. Das folgt auf jüngste restriktive Signale der EZB im Vorfeld des nächsten Schritts. Hinzu kommen höhere Energiepreise und die jüngsten Entwicklungen zwischen den USA und Iran, die den Druck auf die Entscheidungsträger weiter erhöhen, ihren letzten Schritt zu machen. Aus der Vorwoche: EZB dürfte im September eine weitere Zinserhöhung vornehmen - Umfrage.