Britische Kreditgeber stellen Kapitalanforderungs-Vergleich der Bank of England infrage
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Kapitalüberprüfung der Bank of England vom Dezember 2025 senkte die Benchmark für Tier-1-Kapital von 14% auf rund 13% der risikogewichteten Aktiva.
- •Große britische Kreditgeber argumentieren, der internationale Vergleich der Zentralbank unterschätze, wie streng britische Kapitalregeln im Verhältnis zu US-Anforderungen sind.
- •Der Streit konzentriert sich auf Unterschiede bei der Berechnung risikogewichteter Aktiva im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten.
- •Britische Banken sagen, die Analyse berücksichtige strukturelle Vorteile amerikanischer Banken nicht vollständig.
- •Im Februar 2026 widersetzten sich britische Banken außerdem Vorschlägen der Bank of England, Kapitalpuffer zur Unterstützung der Kreditvergabe zu senken.

Die größten Banken Großbritanniens stellen eine Analyse der Bank of England infrage, die ihrer Ansicht nach falsch darstellt, wie britische Kapitalanforderungen im Vergleich zu jenen ihrer US-Konkurrenten abschneiden. Große Kreditgeber, darunter Barclays, HSBC und Lloyds, haben die Einschätzung der Zentralbank zurückgewiesen und argumentieren, deren Methodik unterschätze die Belastung britischer Institute.
Der Streit ist relevant, weil Kapitalanforderungen ein zentraler Bestandteil der Bankenregulierung sind: Sie bestimmen, wie viel verlustabsorbierendes Kapital Kreditgeber gegenüber ihren Vermögenswerten vorhalten müssen, und beeinflussen, wie viel Bilanzkapazität Banken für Kreditvergabe, Handel und andere Aktivitäten einsetzen können. Vergleiche mit den Vereinigten Staaten sind besonders sensibel für große britische Banken, die auf den globalen Märkten für Firmenkunden- und Investmentbanking mit amerikanischen Instituten konkurrieren.
Kapitalüberprüfung der Bank of England
Der Financial Policy Committee der Bank of England veröffentlichte seine Kapitalüberprüfung vom Dezember 2025 und senkte die Benchmark für Tier-1-Kapital von 14% auf rund 13% der risikogewichteten Aktiva. Die Änderung markierte die erste Senkung seit einem Jahrzehnt und nahm einen Schwellenwert zurück, der seit 2015 gegolten hatte.
Tier-1-Kapital ist eine zentrale Kennzahl für die finanzielle Stärke einer Bank und besteht vor allem aus Kapital, das Verluste absorbieren kann, während das Institut fortgeführt wird. Aufsichtsbehörden nutzen es zur Bewertung der Widerstandsfähigkeit, während Banken darauf achten, weil höhere Anforderungen beeinflussen können, wie sie Kapital auf ihre Geschäftsbereiche verteilen.
Die Überprüfung enthielt außerdem Vergleiche zwischen Rechtsräumen, die zeigen sollten, wie britische Kapitalanforderungen im Verhältnis zu jenen anderer großer Bankensysteme stehen, insbesondere der Vereinigten Staaten. Die Position der Bank of England lautet, dass einfache internationale Vergleiche irreführend sein können, sofern sie nicht um Unterschiede zwischen Regulierungsregimen bereinigt werden. Nach diesen Anpassungen kam die Zentralbank zu dem Schluss, dass britische Anforderungen nicht deutlich außerhalb des Rahmens der US-Regeln liegen.
Britische Banken widersprechen dieser Schlussfolgerung. Sie argumentieren, dass die bereinigten Zahlen der Bank of England die relative Strenge britischer Anforderungen im Vergleich zu den Vereinigten Staaten unterschätzen, statt einen zutreffenden Vergleich auf gleicher Basis zu liefern.
Streit über die Methodik
Die Meinungsverschiedenheit dreht sich um die Berechnung risikogewichteter Aktiva, oder RWAs. RWAs sind kein direktes Maß für die gesamten Vermögenswerte einer Bank. Sie passen Vermögenswerte entsprechend dem wahrgenommenen Risiko an, sodass eine Hypothek auf eine stabile Wohnimmobilie weniger Gewicht erhält als beispielsweise ein fremdfinanzierter Kredit an ein hoch verschuldetes Unternehmen.
Britische Kreditgeber sagen, das Problem liege darin, dass die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich unterschiedliche Regeln bei der Berechnung dieser Gewichtungen anwenden. Sie argumentieren, dass der Vergleich der Bank of England diese strukturellen Unterschiede nicht vollständig widerspiegelt, was amerikanische Banken stärker belastet erscheinen lassen kann, als sie tatsächlich sind, oder britische Banken in der Praxis weniger eingeschränkt erscheinen lässt, als sie sind.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil zwei Banken ähnliche Kapitalquoten ausweisen können, während sie unter unterschiedlichen Annahmen darüber arbeiten, wie Vermögenswerte gewichtet werden. Eine auf dem Papier vergleichbar wirkende Quote kann daher je nach nationaler Definition des Nenners unterschiedliche praktische Einschränkungen bedeuten.
Große britische Institute haben außerdem argumentiert, dass die Analyse Wettbewerbsvorteile amerikanischer Banken übersehe. Dazu zählen der Zugang zu Kapital sowie strukturelle Merkmale des US-Finanzsystems, die es Banken dort ermöglichen, mit scheinbar vergleichbaren Quoten zu operieren, während sie geringeren praktischen Einschränkungen unterliegen.
Frühere Gegenwehr der Banken
Die Überprüfung vom Dezember 2025 war nicht der erste Spannungspunkt zwischen britischen Banken und der Bank of England in der Kapitalpolitik. Im Februar 2026 widersetzten sich britische Banken Vorschlägen der Bank of England, Kapitalpuffer weiter zu reduzieren, um die Kreditvergabe an die breitere Wirtschaft zu fördern.
Diese Reaktion fiel auf, weil Banken regulatorische Lockerungen normalerweise begrüßen. Die Einwände großer Kreditgeber gegen vorgeschlagene Reduzierungen der Puffer deuteten darauf hin, dass es bei dem Streit nicht einfach um Widerstand gegen Aufsicht geht, sondern darum, wie Kapitalregeln gemessen, verglichen und über Märkte hinweg angewendet werden.
Der nächste Schwerpunkt dürfte darauf liegen, wie Aufsichtsbehörden und Banken diese Messunterschiede in künftigen Kapitaldiskussionen in Einklang bringen. Für die Bank of England geht es darum, Widerstandsfähigkeit zu erhalten und zugleich das Kreditangebot zu unterstützen; für die Kreditgeber geht es darum, ob britische Regeln sie unter eine höhere effektive Belastung stellen als globale Wettbewerber mit ähnlichen ausgewiesenen Quoten.