UEFA und 55 Mitgliedsverbände streben Boykott aller FIFA-Turniere an wegen 20-Milliarden-Dollar-Private-Equity-Plan
Wichtige Erkenntnisse
- •Die UEFA und ihre 55 Mitgliedsverbände bereiten sich darauf vor, alle FIFA-Turniere einschließlich der Weltmeisterschaft zu boykottieren, als Reaktion auf den Plan der FIFA, kommerzielle Rechte an private Investoren zu verkaufen.
- •Die von der FIFA vorgeschlagene FIFA Forward Enterprise würde eine Bewertung von 20 Milliarden Dollar anstreben und bis zu 4,2 Milliarden Dollar einwerben, indem Private-Equity-Firmen Anteile an den Vermarktungsrechten der Welt- und Klub-Weltmeisterschaft erwerben können.
- •Die FIFA hat angeboten, die jährliche Förderung jedes ihrer 211 Mitgliedsverbände von 8 Millionen auf 20 Millionen Dollar zu erhöhen – ein Schritt, der als gezielte Ansprache der Stimmen kleinerer Nationen unter dem Ein-Land-eine-Stimme-System betrachtet wird.
- •JP Morgan und Thrive Capital sind Berichten zufolge an dem Deal interessiert, wobei JP Morgans frühere Beteiligung an der gescheiterten European Super League 2021 besondere Aufmerksamkeit auf sich zieht.
- •Die wichtigste Hebelwirkung der UEFA resultiert daraus, dass europäische Klubs und Nationalmannschaften die Hauptanziehungskraft für weltweite Zuschauer und Sponsoren darstellen – eine Weltmeisterschaft ohne sie würde einen drastisch verringerten kommerziellen Wert erleiden.

Die UEFA und ihre 55 Mitgliedsverbände bereiten sich darauf vor, alle FIFA-Turniere einschließlich der Weltmeisterschaft zu boykottieren – als Reaktion auf den Plan der FIFA, kommerzielle Rechte an private Investoren zu einem angestrebten Bewertungsvolumen von 20 Milliarden Dollar zu verkaufen.
Der vorgeschlagene Deal würde eine neue Entität namens FIFA Forward Enterprise (FFE) gründen, ein Vehikel, das in seiner Anfangsphase bis zu 4,2 Milliarden Dollar einwerben soll, indem Private-Equity-Firmen Anteile an den Vermarktungsrechten der Männer-Weltmeisterschaft, der Frauen-Weltmeisterschaft und der Klub-Weltmeisterschaft erwerben können. Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, da sich die FIFA auf die Austragung einer erweiterten 32-Mannschaften-Klub-Weltmeisterschaft im Jahr 2025 vorbereitet – ein Wettbewerb, der bereits für Reibung mit den europäischen Ligen wegen Terminüberlastung und Spielerbelastung gesorgt hat.
Finanzieller Vorstoß der FIFA
Der Vorschlag der FIFA an ihre 211 Mitgliedsverbände zielt auf eine erhebliche Erhöhung der finanziellen Unterstützung ab. Die jährlichen Förderzahlungen würden von 8 Millionen auf 20 Millionen Dollar pro Mitglied steigen, mit der Möglichkeit weiterer Erhöhungen in nachfolgenden Förderzyklen.
Die UEFA hat den Plan jedoch entschieden abgelehnt. Das europäische Kontinentalverband bezeichnete den Vorschlag als Überschreitung einer unüberschreitbaren Grenze für die Strukturen der Fußball-Führung und hat ein virtuelles Dringlichkeitstreffen aller 55 Mitgliedsverbände einberufen, um eine einheitliche Antwort zu koordinieren.
Britischer Premierminister Andy Burnham kritisierte die Initiative öffentlich und erklärte: „Der Fußball gehört nicht den Investoren.“
Es ist nicht das erste Mal, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino privates Investment im Fußball anstrebt. Im Jahr 2018 versuchte er ein ähnliches Arrangement für eine erweiterte Klub-Weltmeisterschaft, doch dieses Vorhaben scheiterte am europäischen Widerstand.
Beteiligte große Finanzakteure
Die von der FIFA für die FFE angestrebte Bewertung von 20 Milliarden Dollar würde das Unternehmen zu einem der größten Sport-Vermarktungsvehikel aller Zeiten machen. Berichten zufolge interessieren sich unter anderem JP Morgan und Thrive Capital – die von Josh Kushner geführte Wagniskapitalfirma – für den Deal. Eine Beteiligung von JP Morgan würde eine Rückkehr in den europäischen Fußball-Investmentbereich bedeuten, nachdem die Bank bereits eine Rolle bei der Finanzierung der European Super League 2021 spielte – einem Abspaltungsprojekt, das innerhalb von 48 Stunden nach weit verbreiteten Fanprotesten, politischem Druck und dem geschlossenen Widerstand der UEFA sowie nationaler Verbände zusammenbrach. Thrive Capital, hauptsächlich bekannt für Frühphasen-Technologieinvestments, würde eine völlig andere Anlageklasse betreten.
Governance-Dynamik
Die Governance-Struktur der FIFA basiert auf einem Ein-Land-eine-Stimme-System, das kleinen Inselnationen dieselbe Stimmgewalt gibt wie Fußballgroßmächten wie Deutschland oder Brasilien. Die vorgeschlagene Erhöhung der Förderung von 8 Millionen auf 20 Millionen Dollar pro Mitglied erscheint strategisch darauf ausgerichtet, die Stimmen dieser kleineren Verbände zu gewinnen.
Die Hebelwirkung der UEFA liegt hingegen nicht in der Stimmenzahl, sondern im Kernprodukt des Fußballs. Europäische Klubs und Nationalmannschaften sind die wichtigste Anziehungskraft für ein weltweites Publikum und Sponsoren. Eine Weltmeisterschaft ohne Frankreich, Deutschland, Spanien, England und Italien würde dramatisch reduzierte Übertragungswerte und Sponsoring-Anziehungskraft mit sich bringen. Die Konfrontation spiegelt zudem eine breitere Welle privaten Kapitals wider, das in den globalen Sport fließt, wobei Investmentfirmen und Staatsfonds Anteile an Klubs und Ligen im Fußball, Basketball und anderen großen Sportarten erwerben. Im Jahr 2023 wurde die NBA als erste große nordamerikanische Liga tätig, die Private-Equity-Fonds den Erwerb passiver Minderheitsbeteiligungen an ihren Franchises erlaubte – ein Modell, das der Vorschlag der FIFA auf das meistgesehene Turnier des Sports ausweiten würde.