Strom wird wahrscheinlich zu einem Engpass für den Ausbau US-amerikanischer Rechenzentren
Wichtige Erkenntnisse
- •Ab August und bis 2028 sind in den USA 69.1 GW nominale IT-Kapazität für Rechenzentren zur Auslieferung geplant.
- •Die IT-Kapazität der US-Rechenzentren lag 2024 bei rund 35–44 GW und soll bis 2030 auf 56–132 GW steigen.
- •Immer mehr Bundesstaaten verlangen von Rechenzentren eine eigene Stromversorgung, was Entwickler zur Prüfung von Erdgas-Kogeneration bewegt.
- •Begrenzte Fertigungskapazitäten und lange Lieferrückstände bei Energieanlagen, insbesondere Transformatoren, könnten die Entwicklung von Rechenzentren verzögern.
- •Würden 75% der neuen Kapazität mit Erdgas betrieben, würde dies rund 8.6 Bcf/d erfordern, während das LNG-Exportwachstum voraussichtlich einen Großteil des derzeitigen Gasüberschusses binden wird.

Werfen Sie einen Blick auf diese Grafik.
Sie zeigt 69.1 GW nominale IT-Kapazität für Rechenzentren, deren Auslieferung von August dieses Jahres bis 2028 geplant ist.
Eines der zentralen Probleme dürfte die Stromversorgung dieser gesamten Kapazität sein.
Die USA verfügten 2024 über rund 35–44 GW nominale IT-Kapazität in Rechenzentren; bis 2030 werden 56–132 GW prognostiziert. Das entspräche potenziell einer Verdreifachung, und die Grafik zeigt, wie sich dieser Trend entfaltet.
Es besteht Skepsis, ob der Ausbau überhaupt fristgerecht abgeschlossen wird, denn eine fehlerhafte App-Aktualisierung auszuliefern ist deutlich einfacher, als ein Gebäude fertigzustellen und alle benötigten Chips und Racks zu beschaffen. Sollte das dennoch gelingen, ist der nächste Engpass noch enger: Strom.
Immer mehr Bundesstaaten verlangen von Rechenzentren, ihren Strom selbst bereitzustellen, und die Unternehmen reagieren darauf mit Versuchen der Kogeneration, meist über Erdgasturbinen. Das Problem: Die Fertigungskapazität für Energieanlagen ist begrenzt, und die Auftragsrückstände sind inzwischen sehr groß. Dazu zählen zahlreiche Komponenten, insbesondere Transformatoren, bei denen die Rückstände besonders ausgeprägt sind. Für Projektentwickler bedeutet das: Der Zeitplan hängt nicht mehr nur von der Suche nach Grundstücken, der Finanzierung von Projekten oder der Installation von Servern ab; er hängt auch von Netzanschlüssen und Lieferzeiten für Anlagen ab, die weit über einen normalen Planungszyklus hinausreichen können.
Ist auch diese Hürde genommen, ist das nächste potenzielle Problem der Brennstoff für die Turbinen. Wenn 75% davon mit Erdgas betrieben werden, entspräche das rund 8.6 Bcf/d. Die gute Nachricht: Gegenwärtig existiert ein Gasüberschuss. Die schlechte Nachricht: Dieser Überschuss wird voraussichtlich bereits von LNG-Exporten aufgezehrt, die stark ansteigen werden, da im Zeitraum 2025-2029 neue Anlagen in Betrieb gehen. Laut EIA wird die LNG-Verflüssigungskapazität zwischen 2025 und 2029 um etwa 13.9 Bcf/d ausgeweitet.
Die neuesten EIA-Daten weisen für 2027 eine US-Produktion von 116.0 Bcf/d aus; diese zusätzliche Nachfrage der Rechenzentren würde davon rund 5% verbrauchen und läge damit über dem gesamten von der EIA prognostizierten Anstieg für 2026 und 2027.
In Summe müssten die USA innerhalb von zwei Jahren 10 Bcf/d an Produktion hinzugewinnen. Das ist machbar, und Gas ist reichlich vorhanden, doch es würde ein Preissignal erfordern – und Front-Month-Gas bei $2.69 stellt ein solches nicht dar. Die praktische Einschränkung liegt hier weniger in der Frage, ob Gas im Boden vorhanden ist, sondern darin, ob Produktion, Pipelinekapazität und Strominfrastruktur schnell genug ausgeweitet werden können, um die konkurrierende Nachfrage von LNG und Rechenzentren zu bedienen.
Sollten die Hyperscaler die Investitionen tatsächlich umsetzen, wäre ein Preisboden beim Gas nahe $5 und – je nach Wetter – eine Spanne von $5–8 denkbar. Das ist ein interessantes Umfeld zum Beobachten, aber schwer zu handeln, denn die Skepsis ist erheblich, dass die Rechenzentren fristgerecht gebaut werden.