NachrichtenMakroHistoriker Ted Widmer: Trumps Reden auf Kundgebungen offenbaren einen Präsidenten, dessen „Fähigkeiten ihm abhandenkommen“

Historiker Ted Widmer: Trumps Reden auf Kundgebungen offenbaren einen Präsidenten, dessen „Fähigkeiten ihm abhandenkommen“

Autor: Alternet·

Wichtige Erkenntnisse

  • •Ted Widmer, ein ehemaliger White-House-Redenschreiber und Herausgeber einer Anthologie mit Präsidentenreden, argumentierte in einem Guardian-Gastbeitrag, dass Trumps jüngste Kundgebungsreden die schlechtesten seien, die je ein amtierender US-Präsident gehalten hat.
  • •Widmer führte Beispiele an, darunter Trumps doppeltes Erzählen derselben Geschichte über Michael Dukakis und Willie Horton bei einer Kundgebung in North Carolina, sowie vermehrte Kraftausdrücke und Begnadigungen von Umweltsündern, die gegen den Clean Air Act verstoßen.
  • •Trumps Team bricht mit früheren Administrationen, indem es seine Kundgebungsreden nicht auf der Website des Weißen Hauses veröffentlicht – eine Entscheidung, die nach Widmers Einschätzung Sorge um die Würde des Amtes widerspiegelt.
  • •Das Weiße Haus wies die Behauptungen zurück, Trump habe nachgelassen, und sein Arzt verwies auf ein perfektes Ergebnis bei einem kognitiven Screeningtest.
  • •Widmer deutete an, dass ein gemeinsamer Auftritt mit Trump für republikanische Kandidaten nun mehr schaden als nützen könnte – eine These, die getestet wird, wenn die Wähler bei der Mittelwahl am Dienstag ihre Stimmen abgeben.
Historiker Ted Widmer: Trumps Reden auf Kundgebungen offenbaren einen Präsidenten, dessen „Fähigkeiten ihm abhandenkommen“

Ein Historiker, der Reden von US-Präsidenten erforscht, sieht in Donald Trumps Wahlkampfkundgebunden einen unübersehbaren Beleg für seinen geistigen Verfall und argumentiert in einem neuen Gastbeitrag, dass die jüngsten Reden des Präsidenten zu den schlechtesten gehören, die je von einem amtierenden US-Präsidenten gehalten wurden.

Ted Widmer, ein ehemaliger Redenschreiber im Weißen Haus und Herausgeber der Anthologie American Speeches der Library of America, schrieb im Guardian am Dienstag, dass Trumps Kundgebungen in ihren schlechtesten Momenten den Beweis lieferten für „einen Präsidenten, dessen Fähigkeiten ihm abhandenkommen“.

In den vergangenen zwei Monaten, so Widmer, hätten die Amerikaner die schlechtesten Reden über sich ergehen lassen müssen, die je ein amtierender Präsident gehalten habe. Zwar hätten Präsidenten stets auch Fehlleistungen hervorgebracht, doch Trumps Reden seien eine Kategorie für sich: „Sie sind regelmäßig überströmt von Vitriol gegen vermeintliche Feinde, haltlosen Siegesprophezeiungen und Größenwahn.“

Viele dieser Reden hängen barely zusammen, schrieb Widmer, und der Präsident verirre sich bei seinen ausufernden Tiraden häufig. Er verwies auf eine Kundgebung in North Carolina, bei der Trump dieselbe Geschichte über Michael Dukakis und Willie Horton zweimal erzählte – eine Geschichte aus dem Präsidentschaftswahlkampf von 1988, als Hortons Haftunterbrechung aus einem Gefängnis in Massachusetts zum bestimmenden Angriffspunkt gegen den demokratischen Kandidaten Dukakis wurde.

Die Beweise lägen zudem in Trumps Drohungen, Ozeane umzubenennen, seinem Prahlen mit Ölprofiten, während die Amerikaner leiden, sowie in seinen Begnadigungen von Umweltsündern, die gegen den Clean Air Act verstoßen – das wegweisende Bundesgesetz, das die Luftreinhaltungsnormen des Landes festlegt, so Widmer.

Der 80-jährige Präsident habe seine Verwendung von Kraftausdrücken ausgeweitet, stellte Widmer fest, und verwies auf Beispiele wie Trumps Erklärung, „Norway sucks“, seine Bezeichnung von Robert De Niro als „a moron“ sowie die Verwendung alberner Spitznamen für seine Rivalen. Trump hat zudem mit bestandenen kognitiven Tests geprohlt und betont: „I'm a freaking genius.“

Auch einen aufschlussreichen Bruch mit der Tradition machte Widmer aus. Frühere Administrationen veröffentlichten routinemäßig jede Rede des Präsidenten auf der Website des Weißen Hauses und gaben Historikern und der Öffentlichkeit damit ein vollständiges Protokoll der Äußerungen des Präsidenten – doch Trumps Team wird seine Kundgebungsreden nicht veröffentlichen, eine Entscheidung, die nach Widmers Einschätzung zeigt, dass man sich bewusst ist, dass sie die Würde des Amtes mindern.

Um zu veranschaulichen, wie weit die Messlatte gesunken ist, blickte Widmer auf die Geschichte schlechter Präsidentenreden zurück. William Henry Harrisons Marathon-Rede zur Amtseinführung 1841, die längste der amerikanischen Geschichte; James Buchanans Unterstützung der Dred-Scott-Entscheidung, des Urteils des Obersten Gerichtshofs von 1857, demzufolge schwarze Amerikaner keine US-Bürger waren; und selbst Barry Goldwaters feurige Konventionsrede von 1964 wirken im Vergleich zu Trump zurückhaltend, so sein Argument.

Er verglich Trump zudem mit Richard Nixon und verwies auf deren „bekannte Probleme mit der Wahrheit“ und die gemeinsame Feindschaft gegenüber Gegnern, zog jedoch eine Unterscheidung beim Wahlkampf: Nixons Auftritte im Wahlkampfjahr 1970 – ebenfalls ein Jahr einer Mittelwahl – waren von trockenen Ausführungen zu Haushalt und Steuerentlastungen geprägt, nicht von verächtlicher Sprache.

Das Weiße Haus hat die Behauptungen zurückgewiesen, Trump habe nachgelassen, und sein Arzt verwies auf ein perfektes Ergebnis bei einem kognitiven Screeningtest.

Widmer räumte ein, dass Trumps zweistündige Reden Energie erfordern und die Kundgebungen die MAGA-Anhänger weiterhin unterhalten, wenn auch in schrumpfender Zahl. Doch er stellte die Frage, ob all dies dem Land dient – oder gar der Republikanischen Partei. Die Trump-Marke sei inzwischen möglicherweise so toxisch, dass ein gemeinsamer Auftritt mit ihm Kandidaten mehr schade als nütze – eine These, die die Wahlergebnisse nun auf die Probe stellen werden.

Während die Wähler am Dienstag zur Mittelwahl gehen, schrieb Widmer, deuten frühe Zeichen auf ein ausgewogeneres Washington hin, was er einen Anfang nannte.