Juristen: Die Menschenrechts-Wende der Trump-Administration ist „Through the Looking Glass“
Wichtige Erkenntnisse
- •Das Außenministerium wies am 30. September, dem letzten Tag des US-Bundeshaushaltsjahres, mehr als 175 Millionen US-Dollar aus seinem Menschenrechtsfonds an konservative Anliegen.
- •Zu den geförderten Initiativen gehören Unterstützung für angeblich verfolgte weiße Südafrikaner Bemühungen gegen eine angebliche „demokratische Erosion“ unter europäischen Verbündeten sowie Widerstand gegen brasilianische Justizinstitutionen, denen Zensur von Konservativen vorgeworfen wird.
- •Die überarbeiteten Country Reports on Human Rights Practices der Administration betonen nun Einschränkungen von „Hassrede“ in Demokratien wie Frankreich, Kanada und Deutschland, während die Aufmerksamkeit für Folter, politische Repression und Gewalt gegen Frauen deutlich zurückgefahren wird.
- •Laut den Wissenschaftlern behauptet der Bericht zu El Salvador, es gebe dort keine glaubwürdigen Berichte über erhebliche Menschenrechtsverletzungen – eine Charakterisierung, die sie als nachweislich falsch bezeichnen.
- •Innenpolitisch führte Trumps Executive Order von 2025 gegen Diversitäts-, Equity- und Inklusionsinitiativen zur Demontage bundesstaatlicher DEI-Programme, zu Einschränkungen für Bundesauftragnehmer und zu Untersuchungen von Institutionen, die Diversitätsbemühungen fortsetzten.

Präsident Donald Trump und seine Administration verwendeten die traditionelle Sprache politischer Anständigkeit für radikal neue Ziele um, so zwei Wissenschaftler, die argumentieren, dass diese Verzerrung der Realität beinahe wörtlich „Through the Looking Glass“ sei.
Der Rechtswissenschaftler David Wippman und der Historiker Glenn C. Altschuler, die am Sonntag für The Hill, ein in Washington ansässiges Nachrichtenportal mit Fokus auf Kongress und Politik, schrieben, beschrieben im Detail, wie die Administration in letzter Minute Bundessmittel aus dem Menschenrechtsfonds an rechtsgerichtete Anliegen umleitete, die sie als „far removed“ von allem bezeichnen, was historisch je zum Zuständigkeitsbereich der US-Außenpolitik gehörte.
„On Sept. 30, with just hours left to allocate the money in its human rights fund, the State Department directed most of it — more than $175 million — to conservative causes, many of them far removed from the traditional priorities of U.S. foreign policy,“ schrieben Wippman und Altschuler. „The recipients are not dissidents, journalists or persecuted minorities. Instead, the Trump administration has chosen to support allegedly persecuted whites in South Africa; combat supposed 'democratic backsliding' by European allies; and challenge judicial institutions in Brazil accused of censoring conservatives. One program seeks to promote Western 'civilizational values' by assisting opponents of the European Union's 'supranational and bureaucratic overreach' and restrictions on extremist political speech.“
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Der 30. September ist der letzte Tag des US-Bundeshaushaltsjahres, der Punkt, zu dem nicht verpflichtete jährliche Haushaltsmittel üblicherweise verfallen.
Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Administration von Trump, obwohl die USA aus vielen etablierten globalen Menschenrechtsinitiativen zurückgezogen wurden, weiterhin das Vokabular des Menschenrechtsdiskurses vereinnahmt, um ihre neue Agenda auszudrücken – eine rhetorische Verdrehung, die ihrer Ansicht nach darauf abzielt, Realität und Bedeutung dem eigenen Belieben anzupassen. Ihrer Darstellung nach geht es um mehr als eine einzelne Haushaltsposition: Sobald die gemeinsamen Begriffe der Menschenrechtsdebatte willkürlich umdefiniert werden können, verlieren die darauf aufbauenden Standards ihr gemeinsames Maß.
„Nowhere is this more visible than in the State Department's revamped annual Country Reports on Human Rights Practices,“ erklärten sie. „Instead of focusing on torture, extrajudicial killing and political repression in authoritarian states, the reports now emphasize restrictions against 'hate speech' and extremist political parties in democratic countries, including France, Canada and Germany. Attention has been drastically curtailed to violence against women, racial and ethnic violence, gay and transgender rights, government corruption and environmental justice.“
Sie fügten hinzu: „Meanwhile, the administration has largely ignored human rights violations by pro-Trump authoritarian governments. The report on El Salvador, for example, makes the demonstrably false claim that there are 'no credible reports' there 'of significant human rights abuses.'“
Ein paralleles Muster zeige sich nach Ansicht der beiden im Innenpolitischen: Die viel diskutierte Kampagne der Administration gegen „DEI“ kehre den Zweck von Programmen um, die historisch marginalisierten Gruppen helfen sollten, und stelle sie stattdessen als Instrumente dar, die weiße Menschen und Männer marginalisieren.
„The day after returning to office in 2025, President Trump issued an executive order denouncing diversity, equity and inclusion initiatives in government, academia and the private sector — not simply as illegal but 'dangerous, demeaning, and immoral',“ schrieben die Wissenschaftler weiter. „His administration dismantled such federal programs and barred them among federal contractors. He challenged race-conscious policies in higher education and private employment and launched investigations of institutions that continue to pursue diversity initiatives. After rescinding affirmative-action guidance dating to 1979 that had encouraged employers to improve opportunities for women and minorities, the Equal Employment Opportunity Commission invited white men to file workplace discrimination complaints.“
Wippman und Altschuler zogen das Fazit, dass dieser Versuch, die Sprache der Legitimität den eigenen Zielen anzupassen, eine deutliche literarische Parallele hat. Und da Bundeshaushaltsmittel nach jährlichen Finanzzyklen vergeben werden, während die Länderberichte jedes Jahr erscheinen, bieten künftige Finanzierungsrunden und Berichtsausgaben wiederkehrende Kontrollpunkte, um zu prüfen, ob die von den Wissenschaftlern beschriebenen Muster anhalten.
„In 'Through the Looking Glass' [by Lewis Carroll], Humpty Dumpty insisted to Alice that 'when I use a word, it means just what I choose it to mean — neither more nor less',“ schrieben sie. „The Trump administration seems determined to claim the same prerogative for its mean-spirited and damaging approach to human rights. That said, here's hoping all the king's horses and all the king's men can put human rights together again.“