Technologieaktien werden günstiger, auch wenn die Gewinne stark bleiben
Wichtige Erkenntnisse
- •Die Bewertungsprämie von Technologieaktien gegenüber dem S&P 500 hat sich im vergangenen Jahr auf Basis vorausschauender Kurs-Gewinn-Verhältnisse von rund 35% auf etwa 10% verengt.
- •Der aggressive geldpolitische Straffungszyklus der Federal Reserve hat maßgeblich zur Komprimierung der Bewertungen von Technologieaktien beigetragen.
- •Die Unternehmensgewinne im Technologiesektor bleiben stark, gekennzeichnet durch robustes Umsatzwachstum und expandierende Gewinnmargen.
- •Die künftige Nachhaltigkeit der Gewinne hängt davon ab, ob die erheblichen Kapitalausgaben für die KI-Infrastruktur ein proportionales Umsatzwachstum generieren werden.

Technologieaktien werden für Anleger spürbar günstiger, auch wenn die Unternehmensgewinne im Sektor weiterhin stabil bleiben.
Vor einem Jahr zahlten Anleger rund 35% mehr für einen Dollar an erwarteten Tech-Sektorgewinnen als für einen Dollar an S&P 500-Gewinnen. Heute hat sich diese Prämie auf etwa 10% verengt.
Dieser Vergleich basiert auf vorausschauenden Kurs-Gewinn-Verhältnissen, dem sogenannten Forward P/E — also dem Preis, den Anleger heute im Verhältnis zu den Gewinnen zahlen, die Wall-Street-Analysten für das kommende Jahr erwarten.
Diese Entwicklung ist für Aktienanleger ermutigend, wenn auch mit einem wichtigen Vorbehalt: Eine niedrigere Bewertung ist nur dann vorteilhaft, wenn die zugrunde gelegten Gewinne auch tatsächlich eintreten. Bislang ist das der Fall.
Ein längerer historischer Rückblick
Die schrumpfende Prämie erscheint in einem breiteren Kontext weniger ungewöhnlich. In den Jahren nach der Finanzkrise 2008 handelten der Technologiesektor und der breitere Markt zu weitgehend ähnlichen Forward-P/E-Multiples. FactSet stellte 2018 fest, dass die durchschnittlichen Multiples der vorangegangenen neun Jahre nahezu identisch waren, bevor die Tech-Bewertungen 2017 begannen, sich abzusetzen.
Es gab fundierte Gründe, warum Anleger bereit waren, mehr zu zahlen. Der Wandel zum Cloud Computing in den 2010er Jahren bescherte vielen Technologieunternehmen ein schnelleres Umsatzwachstum, wiederkehrende Einnahmequellen und breitere Margen. In jüngerer Zeit hat der Ausbau der KI-Infrastruktur eine weitere beträchtliche Welle von Kapitalausgaben und Geschäftsexpansion ausgelöst.
Die COVID-19-Pandemie weitete die Bewertungslücke weiter aus, da Anleger nach Engagements in Unternehmen suchten, die mit einer sich beschleunigenden digitalen Wirtschaft verknüpft waren. Bis Dezember 2020 handelte der Technologiesektor bei etwa dem 26,4-Fachen der erwarteten Gewinne, verglichen mit etwa dem 22-Fachen beim S&P 500.
Die anschließende Komprimierung der Prämie fiel mit dem aggressivsten geldpolitischen Straffungszyklus der Federal Reserve in Jahrzehnten zusammen. Steigende Zinssätze verringern den Barwert künftigen Gewinnwachstums — eine mathematische Beziehung, die tendenziell stärker auf Sektoren mit hohem Wachstum drückt, selbst wenn deren zugrunde liegende Geschäfte profitabel bleiben.
Gewinne bleiben das Fundament
Ein Großteil dieser Überbewertung wurde inzwischen komprimiert, während die Unternehmensgewinne weiter steigen. In seinem TKer-Newsletter vertritt Sam Ro seit Langem die Ansicht, dass Gewinne und die Erwartungen an das Gewinnwachstum die wichtigsten langfristigen Treiber von Aktienkursen sind.
Sein Hinweis vom 6. August verwies auf robustes Umsatzwachstum, expandierende Gewinnmargen und steigende Gewinnschätzungen als Beleg dafür, dass das zugrunde liegende Geschäftsumfeld weiterhin stark ist. Das Ergebnis: Technologieanleger zahlen jetzt eine deutlich geringere Prämie für einen Gewinnstrom, der weiterhin liefert.
Ob dieser Gewinnstrom weiterhin Bestand hat, wird unter anderem davon abhängen, wie hoch die Rendite des Kapitals ausfällt, das in die KI-Infrastruktur investiert wird. Die größten Technologieunternehmen haben ihre Kapitalausgaben deutlich erhöht, und eine Schlüsselfrage für den Sektor ist, ob diese Investitionen im Laufe der Zeit ein proportionales Umsatzwachstum generieren.
Ro zitierte auch Keith Lerner von Truist, der die Dynamik prägnant zusammenfasste: "Gewinne stützen weiterhin die Aktienmärkte."
Berichtet von Jared Blikre, Global Markets and Data Editor bei Yahoo Finance. Folgen Sie ihm auf X @SPYJared.